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Die Zeichnungen
solchen Lebendigkeit besonders in der Darstellung der kleinen und
kleinsten Gestalten der oberen Hälfte fähig gewesen wäre. Wer glaubt,
der große Kalvarienberg in Florenz sei nicht von Diirer, der darf auch
nicht Zeichnungen in derselben Technik, wie die Vorlagen zu den
Marmorreliefs der Fuggerkapelle und ihre Wiederholungen von 1510
(L. VII, 760, I, 24 und V, 520), die Taten des Herkules von 1511 in
Bremen L. VII, 764—775, oder eine einfache Federzeichnung wie die
Gerechtigkeit Trajans in London L. VI, 735 für Dürer in Anspruch
nehmen.
Zum Schluß gehe ich noch ausführlicher auf ein Werk ein, über
das, wenn von Dürer die Rede ist, niemand spricht, weil man, wie es
scheint, mit ihm nichts anzufangen weiß. Es ist
dasFechtbuch der ehemaligen k. u. k. Familien-Fideikommiß-
bibliothek, jetzt in der Nationalbibliothek in Wien. Richtiger hieße es
wohl Ring- und Fechtbuch, denn es enthält viel mehr Ringer- als
Fechtergruppen. Die Handschrift besteht aus 35 Blättern, die auf
beiden Seiten mit Federzeichnungen bedeckt sind. Sie sind mit Wasser-
farben leicht angetuscht. Die Kenntnis dieser Zeichnungen verdanken
wir Friedrich Dörnhöffer, der sie im Jahrbuch der kunsthist. Samm-
lungen des Allerh. Kaiserhauses 27, 1907)09, auf 70 Tafeln veröffent-
licht hat.
Drei Abteilungen, von denen jede für sich beziffert ist, bilden
das Buch:
1. Ringkämpfe, beziffert von 1—120 (in der Nachbildung Taf.
1—40). Nur ihnen ist jedesmal eine Anweisung oder Regel
beigeschrieben.
2. Schwertkämpfe, beziffert von 1—13 (Taf. 41—47). An sie
schließt sich unmittelbar eine Folge von Dolch- oder besser
Ring-Dolchkämpfen an, die von 14—22 beziffert sind (Taf. 48
bis 50).
3. Messerkämpfe, beziffert von 1—58 (Taf. 51—70).
Nach Dörnhöffers Untersuchungen ist das Werk nicht vollendet
und auch nicht vollständig erhalten.
Auf Taf. A—C, nach S. VI seiner Einleitung, bildet Dörnhöffer
vier im Britischen Museum befindliche Blätter aus dem Jahre 1512 ab.
die sich ebenfalls auf die Fechtkunst beziehen, aber nicht zu dem
Fechtbuch gehören.
Während Thausing (11, 317) gesagt hatte, an der Wiener Hand-
Die Zeichnungen
solchen Lebendigkeit besonders in der Darstellung der kleinen und
kleinsten Gestalten der oberen Hälfte fähig gewesen wäre. Wer glaubt,
der große Kalvarienberg in Florenz sei nicht von Diirer, der darf auch
nicht Zeichnungen in derselben Technik, wie die Vorlagen zu den
Marmorreliefs der Fuggerkapelle und ihre Wiederholungen von 1510
(L. VII, 760, I, 24 und V, 520), die Taten des Herkules von 1511 in
Bremen L. VII, 764—775, oder eine einfache Federzeichnung wie die
Gerechtigkeit Trajans in London L. VI, 735 für Dürer in Anspruch
nehmen.
Zum Schluß gehe ich noch ausführlicher auf ein Werk ein, über
das, wenn von Dürer die Rede ist, niemand spricht, weil man, wie es
scheint, mit ihm nichts anzufangen weiß. Es ist
dasFechtbuch der ehemaligen k. u. k. Familien-Fideikommiß-
bibliothek, jetzt in der Nationalbibliothek in Wien. Richtiger hieße es
wohl Ring- und Fechtbuch, denn es enthält viel mehr Ringer- als
Fechtergruppen. Die Handschrift besteht aus 35 Blättern, die auf
beiden Seiten mit Federzeichnungen bedeckt sind. Sie sind mit Wasser-
farben leicht angetuscht. Die Kenntnis dieser Zeichnungen verdanken
wir Friedrich Dörnhöffer, der sie im Jahrbuch der kunsthist. Samm-
lungen des Allerh. Kaiserhauses 27, 1907)09, auf 70 Tafeln veröffent-
licht hat.
Drei Abteilungen, von denen jede für sich beziffert ist, bilden
das Buch:
1. Ringkämpfe, beziffert von 1—120 (in der Nachbildung Taf.
1—40). Nur ihnen ist jedesmal eine Anweisung oder Regel
beigeschrieben.
2. Schwertkämpfe, beziffert von 1—13 (Taf. 41—47). An sie
schließt sich unmittelbar eine Folge von Dolch- oder besser
Ring-Dolchkämpfen an, die von 14—22 beziffert sind (Taf. 48
bis 50).
3. Messerkämpfe, beziffert von 1—58 (Taf. 51—70).
Nach Dörnhöffers Untersuchungen ist das Werk nicht vollendet
und auch nicht vollständig erhalten.
Auf Taf. A—C, nach S. VI seiner Einleitung, bildet Dörnhöffer
vier im Britischen Museum befindliche Blätter aus dem Jahre 1512 ab.
die sich ebenfalls auf die Fechtkunst beziehen, aber nicht zu dem
Fechtbuch gehören.
Während Thausing (11, 317) gesagt hatte, an der Wiener Hand-



