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Flechsig, Eduard
Albrecht Dürer: sein Leben und seine künstlerische Entwickelung (2. Band) — Berlin: G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, 1931

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https://doi.org/10.11588/diglit.30442#0532

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Das Fecfttbuch

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schrift sei nichts von Dürers Hand, hat Dörnhöffer den Nachweis ge-
führt, daß uns hier eine eigenhändige Arbeit Dürers erhalten ist, aller-
dings keine selbständige Schöpfung, sondern eine freie Nachbildung
einer alten Handschrift in der Fürstl. Wallerstcinschen Bibliothek des
Schlosses Maihingen. Deren Zeichnungen sind dieVorbilder für Dürers
Zeichnungen gewesen, und ihr hat er auch die Ringregeln ent-
nommen.
Dörnhöffer setzt (S. IX der Einleitung) die Entstehung des Dürer-
schen Fechtbuchs ins Jahr 1512. Er begründet das damit, daß die
Londoner Skizzen (Taf. B u. C) aus diesem Jahre seien, und daß die
Jahreszahl 1512 sowohl auf der Rückseite des gegenwärtigen, aus dem
Ende des 16. Jahrhunderts stammenden Einbandes eingepreßt sei, als
auch auf dem in der gleichen Zeit beigefügten Titelblatt stehe. Er
sagt: ,,Das Zusammentreffen der Daten kann natürlich nicht Zufall
sein; es berechtigt, ja nötigt zu dem Schlüsse, daß das Datum des
neuen Titels und Einbandes einer alten Aufschrift, die nicht mehr er-
halten ist, entnommen wurde und daß somit die Jahreszahl 1512 die
wahre Entstehungszeit des Werkes bedeutet."
Soviel ich weiß, ist gegen diese Schlußfolgerung noch von keiner
Seite Einspruch erhoben worden. Und doch sind Bedenken dagegen
schon im allgemeinen durchaus berechtigt. Wenn wir das Ganze und
die Art seines Entstehens ins Auge fassen, müssen wir uns fragen:
Paßt denn ein Werk, wie dieses, das sich so eng an eine fremde Vor-
lage anlehnt, in eine Zeit gesteigerter schöpferischer Tätigkeit, wie es
die Jahre um 1512 sind? Hatte Dürer damals nicht ganz andere, wich-
tigere Dinge zu tun? Stimmen die Fechtbuchzeichnungen denn stili-
stisch mit Dürers Federzeichnungen von 1510 bis 1514, stimmt die
Mehrzahl von ihnen wirklich mit den Fechterpaaren von 1512 auf den
beiden losen Blättern in London (Taf. B u. C bei Dörnhöffer) überein?
Ich glaube, jede dieser Fragen muß verneint werden.
Es ist noch nie bemerkt worden, daß in dem Werke selbst Tat-
sachen enthalten sind, die bestimmt gegen die Annahme sprechen,
es sei erst im Jahre 1512 entstanden. Ich weise hauptsächlich auf
zweierlei hin:
1. Die Fußbekleidung der Ringer und Fechter,
2. Dürers Handschrift.
Im allgemeinen tragen die Ringer und Fechter Schuhe von der-
selben Form, wie sie in der Apokalypse und den frühen Blättern der
Großen Passion Vorkommen.
 
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