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Flechsig, Eduard
Albrecht Dürer: sein Leben und seine künstlerische Entwickelung (2. Band) — Berlin: G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, 1931

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https://doi.org/10.11588/diglit.30442#0546

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NACHTRÄGE ZU DEN HOLZSCHNITTEN UND
GEMÄLDEN
1. Zu den Holzschnitten.
Auf S. 329 des 1. Bandes habe ich von dem Wappen Lorenz
Staibers in einer Weise gesprochen, als oh nur die erste Fassung
(mit der Kette links oben), von der das einzige erhaltene Exemplar
Frau Prof. Blasius in Braunschweig besitzt, von Dürer herrühre. Ich
muß dies berichtigen. Denn noch mehr als die erste darf die zweite,
allgemein bekannte Fassung B. 167 (mit der um den Schild geschlunge-
nen Kette) beanspruchen, zu den sicheren Arbeiten Dürers gerechnet
zu werden. Für sie, nicht für die erste Fassung, liegt auch ein kleiner,
flüchtiger erster Entwurf vor, der sich in den Dürer-Handschriften des
Britischen Museums befindet (abgeb. Dürer Society XII, Taf. 21). Daß
Dürer zweimal Staibers Wappen gezeichnet habe, bemerkt er selbst
in seinem Tagebuch. Das erstemal während seines Aufenthalts in
Köln. Kurz nach dem 4. November 1520 trägt er ein (L.-F. 136, 11—12):
„Ich hab dem Staiber sein Wappen auf ein Holz gerissen/' (Der gleich
darauf erwähnte „Herzog Friedrich" ist übrigens nicht Friedrich II.,
Pfalzgraf bei Rhein, sondern bestimmt Friedrich der Weise von
Sachsen, sein alter Gönner, der eines Gichtanfalls wegen die Reise nach
Aachen zur Krönung Karls V. hatte aufgeben müssen und in Köln ge-
blieben war, von wo er am 7. November aufbrach, um nach Hause
zurückzukehren. Man vergl. Deutsche Reichstagsakten unter Karl V.,
2. Bd., S. 86 und 102.) Die zweite Fassung ist unter viel ruhigeren Ver-
hältnissen gegen Ende Januar 1521 in Antwerpen entstanden (L.-F.
148, 10—11). Sie ist darum auch die künstlerisch befriedigendere ge-
worden. Freilich zeigt auch sie nicht den Geist und Schwung, durch
den sich die übrigen Wappenholzschnitte Dürers auszeichnen. In-
dessen Dürers Hand ist nicht zu verkennen. Ich habe auf S. 329 des
1. Bandes nachgewiesen, daß das Behaimsche Wappen B. 159 viel
später entstanden sein muß, als man bisher angenommen hatte, und
habe es um 1520 angesetzt. Wer dieses Wappen gezeichnet hat, von
dem sind auch die beiden Staiberschen. Sie wirken nur schwächer,
nüchterner als jenes. Aber die Schrafßerung des Hintergrundes, die
feinen fadenförmigen Ranken, die von den breiten kräftigen Blatt-
ranken der Hehndecken ausgehen, das ist ebenso gemacht wie dort.
Auf S.330 des 1. Bandes habe ich gesagt, die beiden Wappen
 
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