Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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düng u. ideologische Grundlagen), Rading (Wohn-
form) und Gellhorn (Baumethoden), wurde ein-
stimmig gebilligl und die Mitwirkung der Gesamt-
vertretung der freien deutschen Archilektenschaf l
bei dieser entscheidendsten Frage des Tages aus-
drücklich gewünscht. Ein Vortrag von Schlucke-
hier und ein sehr inhaltsreiches Referat von Paul-
sen behandelten die wirtschaftliche Seite der
Frage, deren Darstellung; ein beachtlich hohes

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Niveau hielt. Die Referate «erden als Denkschrif-
ten erscheinen und der Rund durch seinen
Sludieiiati>schuß in die \om Keichsarbeilsminister
gebildete „Arbeitsgemeinschaft zur Rationali-
sierung des Bauwesens" eintreten. Damit wird
endlich erreicht, daß zwischen dem rein individu-
ellen Standpunkt der Baukünstler und dem Gedan-
ken kollektiver Zusammenarbeit eine Brücke ge-
schlagen ist und damit sowohl die Architekten-
schalt selbst vor nachteiligen Folgen einer aus-
sichtslos gewordenen Gegnerschaft bewahrt wird,
als auch die notwendige Bereicherung der zen-
tralen Arbeil durch ihre Mitwirkung geschieht.
Die bisherige Stückarbeit vereinzelt vorgehender
privater und halbamtlicher Stellen wird ersetzt
durch authentische Erfassung aller Kräfte, so daß
von der Tätigkeil der Reichsarbeitsgemeinschaft
das Reste zu erwarten steht.

Von Einzelheilen der \ erhandlungen des Bundes-
tages interessiert die Feststellung, daß die ge-
bräuchlich gewordene Anfügung der Ruchslaben
,,D. W. R." analog der Bezeichnung „B. D. A. '
vom Rund wie vom Merkbund als falsch betrach-
tet, wird. Die richtige Bezeichnung eines dem
Werkbund ungehörigen Architekten lautet dem-
nach: „Mitglied des Deutschen Werkbundes'', die
eines beiden Organisationen ängehörigen: „Archi-
tekt B. D. A.. Mitglied des Deutschen Werk-
blindes".

Eine Neufassung der Wettbewerbsordnune; wurde
genehmigt, so daß jetzt mit den übrigen inter-
essierten Körperschaften zum Zwecke gemein-
samer Herausgabe Verbindung aufgenommen wer-
den kann. Dem im Laufe der Zeit eingerissenen
Mißbrauch wird in der Neufassung nach Möglich-
keil Einhalt getan, damit wieder einiges Vertrauen
möglich wird und der Zweck. Höchstleistungen der
Baukunst entstehen zu lassen, eher erreicht werden
kann. Geüliorn

Bauhaus

Am 4. Dezember w urde das Bauhaus in Dessau in
einfacher und würdiger Weise der Öffentlichkeil
übergeben.

Eine ungewöhnlich große Zahl von Gästen aus
allen Teilen Deutschlands gab dem Tage schon rein
äußerlich die Bedeutung, die ihm ohne Zweifel ge-
schichtlich als sichtbares Zeichen auf dem Wege
zu neuer Lebensgestaltung zukommt. Erwartung
und Sehnsucht durften nicht nur die Energie einer

Tat anerkennen, der wenig an die Seite zu stellen
ist, sondern auch bereits eine Form, die über alle
möglichen kleinlichen Bedenken, die da und dort
laut wurden, weil sich erhebt. So hat auch die
berüchtigte Streitfrage „Sachlichkeit" oder „Ro-
mantik" wenig Bedeutung gegenüber dem Willen
und der Gestaltungskraft, die hier zum Ausdruck
kommen.

Dies Haus ist ein sichtbares Zeichen der Hingabe
an die Umwelt, es will, wenn ich seinen Sinn recht
verstanden habe, nur dienen. Dienen dem Leben,
das es umfängt, dem Werk, das von ihm ausgeht.
Dies Leben, diese Funktion, dies Werk will es
sichtbar hinausstellen.

Möge das Licht und die Klarheit, die dem Bau
in ungewöhnlicher Weise untrennbar verbunden
sind, Symbol und Anreger werden für die Arbeil.
die von ihm ausgeht. Die kostbarste Aufgabe slehl
noch bevor. Wir hoffen und wünschen, daß es
Gropius und seinen Helfern vergönnt sein wird,
zu voller Wirksamkeit zu bringen, was so glück-
lich eingeleitet wurde. Rading

Ford

Die Nachrichten über die neueste Entwicklung
der Fordwerke müssen mit größler Aufmerksam-
keit verfolgt werden. Aus zuverlässigen Nachrich-
ten ergibt sich, daß die Produktion der Fordwerke
im Jahre 1926 bedeutend zurückgegangen ist,

ODO

während die Gesamtproduktion der Vereinigten
Staaten an Automobilen in der gleichen Zeit stark
zugenommen hat, und zwar ist nicht elwa eine
Konkurrenz aufgetreten, die Ford unterbieten will,
sondern das Bedürfnis nach qualilälvolleren, vor
allem schöneren Wagen ist bedeutend gewachsen.
Diese Entwicklung ist von der größten Wichtig-

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keit. Sie zeigt, daß es mit der bloßen Rationali-
sierung glücklicherweise nicht getan ist, daß die
Menschheit nach w ie vor Sinn für qualitätvollere
Arbeit, für besondere „Form" hat, und daß sieh
dieser Sinn sogar in Vmeriku. der eigentlichen
Heimat der Typisierimg und der Vernichtung des
Individuums, erhalten hat. Das mögen sich die-
jenigen merken, die in der Typisierung und Ratio-
nalisierung der Weisheit letzten Schluß erblicken.
Die Forderung, den Arbeitsvorgang so rationell
als möglich zu gestalten und dadurch mit mög-

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liehst geringem Aufwand den größten Nutzeffekt

zu erzielen, bleibt dadurch unberührt. Lud es mag

o

auch sein, daß) wir in Deutschland vorerst ein-
mal, solange die wirtschaftliche Not besteht, auf
diese Rationalisierung und Typisierung alles Ge-
wicht legen müssen; aber man darf nicht ver-
gessen, daß das ein Ausnahmezustand ist und daß
in dem Augenblick, wo. wie jetzl in Amerika,
das Geld nicht allzu knapp ist, der Käufer von
der Ware wieder mehr verlangt, und fordert, daß)
die Rationalisierung des Arbeitsprozesses zum min-
desten nicht durch eine Minderung der Qualität

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