Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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HAUS 21 DR. DOCKER

imposanten Äußerlichkeit mit sog. Fassa-
den und Achseil, die sich geniert, die eigent-
liche Benützung im Innern nach außen zu
zeigen, sondern eine äußere Erscheinung,
die ohne weiteres die Anlage und den Ge-
brauch des Innern aufweist.
Ob die architektonische, neue Lösung und
Gestaltung darin ihr Ziel findet, einen ver-
hältnismäßig allen Grundriß zu über-
nehmen und den Baukörper als einfachen
Kubus ohne Steildach zu gestalten — oder
ob sie einen neuartigen Grundriß benützt
und eine schcmalischc Flächenkomposition
des Äußeren überlegt, ohne organischen
Anfang und ohne eigentliches Ende —
oder ob letzten Endes das Ziel des heutigen
und zukünftigen Architekturschaffens das
ist, ein Bauobjekt zu einer organischen Ein-
heit zu gestalten, scheint heute schon eine
wesentliche Frage unter den Vertretern der
modernen Architektur zu sein. Ebenso
scheint heule eine wesentliche Angelegen-
heit zu sein, inwieweit die Architekten ihr
Bauobjekt hineinkomponieren zu einer Ver-
bundenheit mit der Landschaft oder ob sie

ihren Bau hinstellen ohne Rücksicht auf
Landschaft, Lage, allein unter dem Ge-
sichtspunkt, wie es heißt, der rein sach-
lichen, technischen und zweckmäßigen
Lösung.

Soviel kann schon gesagt werden, daß die
Vertreter der reinen Sachlichkeit und
Zweckmäßigkeit mit diesen Dingen bei
ihren vermeintlichen, nur sachlichen Schöp-
fungen durchaus nicht ausgekommen sind
und auch nicht auskommen werden. Fen-
sterbänder, Übereck-Fenster usw. oder das
ganze Haus auf Pfeiler gestellt oder Dach-
gärten, 2 und 3 Geschosse über dem Wohn-
raum sind alles Dinge, die kaum nur sach-
lich verteidigt, jedenfalls aber formal für
die betr. Gestallung erwünscht und not-
wendig waren.

Jede schöpferische Leistung kann sich ja
nur in einer Form ausdrücken, und diese
Form wird sich bilden je nach den ästheti-
schen Bedürfnissen, je nach dem künstleri-
schen Instinkt und Talent des Verfassers.

Dr. R. Döcker

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