Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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EINFAMILIENHAUS VON PROF. A. RADING-BRESLAU

DAS HAUS VON ADOLF RADING

Verehrte Schriftleitung,

als Mies mir meinen Bauplatz in der Wei-
ßenhofsiedlung zeigte, wußte ich zunächst
nicht, was lun.

Ich selbst neigte zu der Auffassung, die
Siedlung wäre dazu da, eine Reihe von
Typenhäusern zu zeigen, die mit wohnkul-
lurell unserer Zeil angepaßter Gestallung
höchste Wirtschaftlichkeil zu verbinden
hätten.

Und nun dieser Bauplatz, unregelmäßig in
jeder Beziehung, diese umgebenden Bauten,
die doch auch nicht einfach ganz ignoriert
werden konnten.

Es kam natürlich so, wie es gewöhnlich
kommt. Die Wirklichkeil erwies sich viel
komplizierter als Phantasie und Denken.
Als wir i5 Architekten (Böswillige könnten
zu solchem Unternehmen sagen: Kommen-

tar überflüssig, wir wurden aber doch einig)
uns zusammensetzten, sahen wir bald ein,
daß in einer Auffassung, wie ich sie hatte
und vielleicht die Mehrzahl von uns, unsere
Aufgabe sich nicht erschöpfen konnte.
Wirtschaftlichkeit ist gewiß ganz richtig,
aber wir halten vergessen, auch mit Zeit
und Entwicklung zu rechnen. Es wurde uns
bald klar, daß, was wir hinstellen sollten,
etwas organisch Gebundenes sein müsse, in
dem Wirtschaftlichkeit wohl enthalten, aber
durchaus nicht ausschlaggebend sein könnte.
Trotzdem waren wir nach Kräften bemüht,
diese Wirtschaftlichkeit zu wahren und mit
den Summen auszukommen, die uns vorge-
schrieben waren. Manche von uns hallen
entsprechende Abschlüsse schon gemacht,
als uns eines Tages ein Beschluß der Stadt
Stuttgart bekanntgegeben wurde, daß nur
Stuttgarter Firmen mit der Ausführung he-

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