Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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Küchen sehr viel mehr erreicht werden kön-
nen — so muß doch die Tatsache als Erfolg
gebucht werden, daß sämtliche Architekten
sich überhaupt eingehend mit dem Küchen-
problem befaßt und damit seiner Bedeutung
jedenfalls grundsätzlich Rechnung getragen
haben. Vergleichen wir mit anderen Neu-
bauten, in denen das überhaupt nicht ge-
schieht, so dürfen wir trotz des im einzelnen
notwendigen Widerspruchs doch das Ganze
als Gewinn buchen.

Neben den Einbauküchen zeigen die von
Stuttgarter Küchengeschäften mit Möbeln
der Vereinigten Esehebachschen Werke,
Dresden, ausgestellten Küchen, wie es
heute schon möglich ist, jeden beliebi-
gen Raum mit diesen überall käuf-
lichen zusammensetzbaren und teilbaren
Schränken zweckmäßig, also ebenfalls
dem Arbeitsgang entsprechend einzurich-
ten. Die aus wenigen Elementen bestehen-
den Küchenschränke ermöglichen es, die
einzelnen Teile gerade dahin zu stellen,
wo sie am meisten gebraucht werden, so daß
viele Wege und Handgriffe von vornherein

TEEBÜCHSEN AUS ZINN

Zinngießerei Kurtz & Co., Stuttgart

wegfallen. Ihre praktische Inneneinrich-
tung gestattet außerdem griffbereite und
staubdichte Unterbringung aller Gegen-
stände, so daß nach Erledigung der Vor-
mittagsarbeit alles in Schränken verschwin-
det und nichts mehr herumsteht. Auch das
Formproblem ist bei diesen Möbeln bis
auf Kleinigkeiten befriedigend gelöst.
Andere lehrreiche Küchen sind übrigens
noch im Block Mies van der Rohe zu sehen,
wie z. B. von Schweizer Architekten einge-
richtete, die zwar mehr als Experiment ge-
werlet werden müssen, aber als solches doch
manche Anregung geben.

Die Innenausstattungen der eingerichteten
Küchen, den Grundsätzen des modernen
Haushalts entsprechend nach Qualitäls-
gesichtspunklen ausgewählt, geben eine gute
Übersicht über den gegenwärtigen Stand
der Haushallindustrie. Besonders hervorge-
hoben seien die nicht nur vom Zweckmäßig-
keits-, sondern auch vom formalen Stand-
punkt aus höchst anerkennenswerten Lei-
stungen der Württembergischen Metall-

ZUCKERBÜCHSE AUS ZINN

Zinngießerei Kurtz & Co., Stuttgart

Warenfabrik Geislingen mit ihren einfachen
schwarzen Silittöpfen und -pfannen und
dem zwar kostspieligen aber im Gebrauch
alles andere weit in den Schalten stellenden
Cromargan- (rostfreier Stahl!) Kochge-
schirr, sowie die ebenfalls ganz aus rost-
freiem Stahl gefertigten Bestecke der Firma
Gottlieb Hammesfahr, Solingen-Foche.
Was auf der Küchenausstellung gegeben
werden konnte, sind gewiß keine vollende-
ten und endgültigen Lösungen, dazu ist das
ganze Gebiet heut viel zu sehr im Fluß, und
manches Gewollte ließ sich schon aus tech-
nischen Gründen nicht ausführen. Einen
Schritt vorwärts aber bringt uns wohl auch
schon das Bemühen, in übersichtlicher
Schau das Suchen nach einer Lösung darzu-
bieten und damit für alles weitere Streben
eine klare Diskussionsbasis zu schaffen.

Dr. Erna Meyer, München

SALZBEHÄLTER AUS ZINN

Zinngießerei Kurtz & Co., Stuttgart

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