Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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DAS HANDWERK
IN DER SOLINGER STAHLWAREN -1NDUSTRIE

VON STUD.-RAT DIPL.-ING. HORN UND PROF. WOENNE, SOLINGEN

Der Ruf jahrhunderlealler Solinger Erzeugnisse
gründet sich auf das Können und die Tüchtigkeit
der Meisler des Schwerthandwerkes. Die Ur-
sprungszeichen, die sie den von ihnen hergestell-
ten Klingen aufschlugen, gaben die Gewähr für
außergewöhnlich gute Beschaffenheit; heule bil-
den die allen Schwerter aus Solinger bewährter
Meisterhand einen wertvollen und geschätzten
Schmuck vieler Waffensammlungen. Aus den
Schwerthandwerkern, deren Tätigkeit sich bis in
die Anfänge des Mittelalters verfolgen läßt, gin-
gen dann die selbständigen Handwerker der Mes-
sermachcr hervor, etwa um die Zeit von 1400 bis
1500. Viel später erst, vor ungefähr 200 Jahren,
wurde die Anfertigung der Scheren in Solingen
heimisch; auch hier schafften selbständige Hand-
werker. Aus diesen allen hat sich im Laufe der
letzten hundert Jahre allmählich die Solinger In-
dustrie entwickelt. Da im Gegensalze zu anderwei-
tigen Entwicklungen die Slahhvaren-Industrie das
Handwerk nicht vollkommen, sondern nur teil-
weise verdrängt hat, taucht die Frage auf, welche
Stellung und welche Bedeutung hat das Handwerk
heute noch in dieser Industrie?
Sowie die Stadt Solingen genannt wird, stellt sich
unwillkürlich die Ideenverbindung Solingen —
Messer — Stahlwaren ein. Sind doch diese Solin-
ger Erzeugnisse in der ganzen Well und bei groß
und klein bekannt. So erübrigt es sich auch wohl,
den Begriff Solinger Stahlwaren-Industrie näher
zu umschreiben, es sei nur kurz angegeben, daß
diese in der Hauptsache Schneidwaren wie Messer
und Scheren und dazugehörige andere Waren wie
Gabeln und neuerdings Löffel erzeugt. Außer-
dem spielte die Herstellung von blanken Waffen
mit den Zubehörteilen bis zum Kriegsende eine
bedeutende Bolle. Diese letztere ist 1919 sehr
eingeschränkt worden, denn nach dem Versaillcr
Diklat ist in Deutschland die Erzeugung und die
Ausfuhr von Kriegsmaterial nur in ganz geringem
Umfange erlaubt bzw. teilweise verboten.
Die Stahlwaren-Industrie ist aber nicht allein im
Stadtkreise Solingen ansässig, sondern auch in dem
oberen Teile des Solinger Landkreises, vorzüglich
in den Städten Ohligs, Wald, Gräfrath und Höh-
scheid. Außerdem erstreckt sie sich noch auf
einige kleinere Ortschaften. Sie hat diesen allen
ihren Charakter aufgedrückt und herrscht gegen-
über anderen Industriezweigen, Handel und Ge-
werbe weil vor. Wenn auch eben die Art ihrer
Erzeugnisse mit wenigen Worten in der Haupt-

LINKS: ALTES SOLINGER SCHWERT UM 1600

aus der Sammlung der Fachschule für die
Stahlwaien-Industrie in Solingen

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