Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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WERKBUNDPAVILLON

Leseecke im Inneren

(Wände in zitrongelbem Birkenholz)

GESPRACH VOR DEN PRESSABAUTEN

A. Mußte das nun wirklich sein? War es
notwendig oder läßt es sich überhaupt
rechtfertigen, daß man für diese Bauten so
viele Millionen ausgegeben hat, wie nötig
gewesen wären, um für zehntausend Men-
schen neuen und würdigen Wohnraum zu
schaffen? Ist das nicht wieder ein neuer
Fall jener bedenklichen Hinneigung zum
„Schein", die man leider so oft im neuen
Deutschland feststellen muß? Es ist ja
wahrhaftig genau das Gegenteil von dem
eingetroffen, was man erwarten und erhof-
fen mußte: an die Stelle der „wilhelmini-
schen" Fassaden sind nur neue getreten,
denen man ansieht, daß sie nur allzugerne
die früheren an Prunk und ..Großzügig-

keit" übertreffen würden, und um das, was
dahinter ist, kümmert man sich nicht mehr
als damals. Und ist eine solche Gesinnung
heute nicht zehnmal verwerflicher als da-
mals, wo wir ein reiches Land waren und
mit jedem Jahre reicher wurden, während
wir uns heute eben erst von der schwersten
Niederlage, dem tiefsten wirtschaftlichen
Zusammenbruch langsam zu erholen begin-
nen? Dürfen wir uns da wundern, wenn
unsere Gegner uns mißtrauen und hinter
einer nur vorgetäuschten Verarmung ver-
borgene Schätze wittern?

B. Was Sie sagen, das ist sicherlich in
diesen Wochen tausendmal gesagt worden,
und es wäre seltsam, wenn nicht der erste

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