Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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auf den Besucher überstrahlen muß. Das
immerhin Beste, die „Kleinwohnungen",
sind trotz modernen Materials unlebendig,
gequält, vor allen Dingen ohne lebendige
Beziehungen zum Bau. Nach der, mit ge-
wiß vielen kleinen Fehlern behafteten, aber
in ihrer Lebendigkeit aufwühlenden Tat der
Stuttgarter Siedlung, sind diese Wohnun-
gen ein Bückschritt zu kalter Systematik.
Wir hätten nicht geglaubt, daß je ein ern-
ster Mensch die Pressa mit „Heim und
Technik" vergleichen könnte.

Und nun zum baulichen Aufwand. Köln
hat durch die Bauten der Pressa vor allem
durch die Ummantelung der alten Messe-
bauten sich ein ausgezeichnetes Ausstel-
lungsgelände angelegt. Soweit das Vor-
gefundene zuließ, ist ein brauchbarer Orga-
nismus geschaffen worden, der das Gelände
vernunftgemäß gliedert. Man mag die
Kosten zu hoch finden, man mag über das

Stilistische und Baukünstlerische streiten,
aber man wird der ganzen Anlage die Groß-
zügigkeit und Klarheit der Aufteilung nicht
absprechen können, und man wird auch
nicht bezweifeln können, daß das, was Abel
geschaffen hat, im Städtebild und in der
Landschaft sehr zurückhaltend ist und in
den Formen nicht monumentalistisch auf-
dringlich erscheint. Hier von „protzenhaft"
zu reden, ist doch wohl nicht angebracht,
und die Großzügigkeit der Anlagen, die für
Jahre hinaus geschaffen sind, hoffentlich
für Jahrzehnte, selbst in unserer schnellebi-
gen Zeit, kann man auch nicht mit diesem
Ausspruch belegen.

Man darf nicht vergessen, daß eine so
große Ausstellungsanlage ebenso ein positi-
ver Wert auch rein rechnerisch ist, wie ein
Ausstellungs- und Bepräsentationsgebäude
eines Industriekonzerns. Hier allerdings
wirbt nicht eine Stadt als Erzeuger für ihre

LUFTBILD DER PRESSA

Aufnahme der Raab-Katzenstein
Flugzeugwerk G. m. b. H.

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