Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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DAS EISENBAHNABTEIL

Zu den Bildern auf den vorhergehenden Seiten

Wir veröffentlichen in diesem Heft den Bei-
trag eines Ingenieurs über den Bau von Eisenbahn-
wagen. Unsere Leser werden wohl kaum darauf
aufmerksam gemacht zu werden brauchen, daß die
Bilder von den Innenräumen nicht als vorbild-
liche Lösungen der Gestaltung hingestellt sein sol-
len, wenigstens nicht alle und vor allem nicht in
allen Teilen. Doch wir halten es für richtig, von
Zeit zu Zeit einmal ein Gebiet der Gestaltung vor-
zunehmen und einfach zu zeigen, was es heute
gibt und was entsteht, so wie wir es auch einmal
mit den Postbauten getan haben.

Unsere Stellungnahme zu diesen Beispielen und
weiter ausgedehnt zum Problem des Innenraums
der Verkehrsmittel überhaupt behalten wir uns für
das nächste Heft vor. Hier sei nur auf die inter-

essante Tatsache aufmerksam gemacht, daß bei der
Gestaltung der W agenabteile und auch in geringe-
rem Maße bei der äußeren Gestaltung des Wagens
so etwas wie eine besondere nationale Formen-
sprache sich geltend macht. Oft ist es nur in
äußerlichen Zutaten zu spüren, oft bestimmt es
aber die ganze Haltung, wie bei dem schwedischen
D-Wagenabteil. Je mehr es sich im Detail aus-
wirkt und je mehr man einen Salon aus dem
Speisewagen macht und das durch Ornamente
und Stuhlgebilde zu erreichen sucht, die dem stil-
gemäßen Wohnraum entnommen sind, desto
unsinniger erscheint die Übertragung des Wohn-
raums auf den Eisenbahnwagen wie bei den abge-
bildeten Wagen der englischen Bahn. Das haben
wir auch an der Zeppelinkabine gesehen.

RUNDSCHAU

BERLIN IM LICHT

Die Veranstaltung hat den Erfolg gehabt, daß
sie nicht nur das breite Publikum, sondern vor
allem auch die Geschäftswelt auf die Bedeutung
der Auswertung des Lichts für Beklamezwecke
aufmerksam gemacht hat. Darüber hinaus hat sie
auch gezeigt, wie unendlich schwer es ist, das Licht
gewissermaßen von außen her in die Straßen und
an die Bauten heranzutragen. All diese Versuche,
wie etwa die Milchstraße, eine Art Decke aus Glüh-
lampen, die man über die ganze Leipziger Straße
gezogen hat, und die farbigen Glühbirnen an den
Bäumen Unter den Linden, sind doch nur eine Art
Illumination und haben mit Lichtgestaltung weder
für Beklamezwecke noch für Verkehrsbeleuchtung
irgend etwas zu tun. Dabei ist zu sagen, daß es
unverständlich ist, warum man diesen Glühlam-
penbaldachin gerade in die hellste Straße Berlins
gelegt hat : man hätte doch von der Pressa lernen
sollen, die eine ähnliche Illumination in einen
dunklen Geländestreifen verlegt hat.

Immerhin ist versucht worden, ein Lichlfest
nicht nur mit Anstrahlungen zu machen. Bei den
Ansirahlungen hat sich wieder deutlich gezeigt,
daß sie eine Wirkungsmöglichkeit nur in dunklen
Sladtkomplexen haben können und daß eine An-
strahluuQg eines Gebäudes in einer hellen Verkehrs-
straße, die übrigens verschiedene Berliner Kauf-
häuser schon lange versucht haben, von geringer
Wirkung ist.

Größere Beachtung verdient das, was von den
Geschäftshäusern und Firmen anläßlich der Licht-
woche gezeigt worden ist: eine Überfülle von
Lichtreklame. Jeder kleine Geschäftsmann hat
sich mindestens ein Transparent als Firmenschild
herausgehängt oder eine kleine Glühlampen-
reklame gemacht. So ergab sich, nicht allein als
Auswirkung der Lichtwöche, ein Wirrwarr von
kleinen Lichtreklamegebilden und die Gefahr ist
groß, daß eine ähnliche Verzettelung und Auf-
lösung eintritt, wie sie in New York in größerem
Maßstab eingetreten ist. Sicherlich bieten die
Hauptverkehrsstraßen Berlins bei Abend ein rei-
ches farbiges Bild, aber es fehlt jede architek-
tonische Bindung des Lichts. Nur einige große
Kaufhäuser haben versucht, die Architektur ihres
Hauses als Grundlage und Ausgangspunkt für die
Lichtwirkung zu machen. So Wertheim am Leip-
ziger Platz, bei dem die langen schmalen Fenster
des Messel-Baues rot durchleuchtet waren und die
Eingangshallen in farbigem Licht strahlten. Dem-
gegenüber behalf sich das Kädewe mit einem
Reklamescherz: große Leitern mit Männchen aus
grünen Glühbirnen. Bei verschiedenen Baulich-
keiten versuchte man durch Glühbirnenstreifen
an besonders betonten Gesimsen großzügige Wir-
kung zu erreichen, sehr überzeugend war die Wir-
kung nicht. Sieht man plötzlich neben all diesen
lastenden Versuchen Mcndelsohns Hcrpich-Haus

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