Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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LUXUSKABINE DES DAMPFERS „ILE DE FRANCE"

Compagnie Generale Transatlantique

körper in Bau und technischer Durchbil-
bildung, so rückständig seine Einrichtung.

Andersartige Bemühungen wurden in
Bremen wie in Hamburg kaum beachtet und
es ertönte immer der gleiche Refrain: „Der
Amerikaner verlangt die französischen
Stile!"

Eines Tages legte jedoch im Hafen von
New York ein Schiff unter französischer
Flagge an, das gewaltiges Aufsehen erregle:
The „Ile de France", the newest modern
steamship of the world! — Tagelang waren
die Piers von einer großen Menschenmenge
belagert, die das französische Weltwunder
eines modern eingerichteten Schiffes sehen
wollten. Heute nach zwei Jahren noch üben
die Führungen durch das Schiff eine starke
Anziehungskraft auf den Amerikaner aus
und die ,,Ile de France" ist unbestritten der
von den reichen und eleganten Amerikanern
bevorzugte Europa-Steamer. Seine Eigen-
art läßt sich in wenigen Sätzen sagen. Die
architektonische Durchbildung des Inneren
vermeidet bewußt und absichtlich Anklänge

an historische Stile. Mit allen Mitteln der
Schiffbautechnik werden große, offene
Raumwirkungen angestrebt — und erreicht.

Besonders im „Grande Descente" und im
„Salon de the", der mit dem großen Trep-
penhaus vereinigt, den Eindruck besonderer
Weiträumigkeil erreicht. Im „Salon de
Conversation" mit seiner deplacierten An-
wendung von Holzsäulen (ein Rückfall in
historische Stilformen) wird die Raumwir-
kung durch eine kühne, ganz neuartige
Farbigkeit über das historisch stilistische
Moment hinausgehoben.

Aus den Abbildungen ist wenig zu er-
sehen. Der Reiz dieser Räume liegt nicht
so sehr im Kunstgewerblich-Architekto-
nischen, als in einer besonderen Art mon-
däner Einstellung zum Innenraum. Die
weilgehende Verwendung von Spiegelglas
und Eicht ist ganz auf Steigerung des ge-
sellschaftlichen Bildes berechnet. Strah-
lende Heiligkeil, nirgends blendend und so
zerstreut, daß Menschen und Dinge in un-
bestimmtem Lichte vorteilhaft erscheinen.

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