Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 8.1933

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das Fassen der Steine erledigt, wozu das Nachschneiden oder
Nachziselieren der verbleibenden Metalloberfläche gehört.
Auch der Emailleur ist fast immer ein Spezialist. Auch der
Steinschneider oder Steingraveur, der Formen in Steine ein-
graviert, Gemmen, Kameen, Figuren aus Kristall, muß erwähnt
werden. Dabei wird der Diamantschleifer weniger als Gold-
schmied bezeichnet, aber er gehört in dieser Zusammenstellung
auch erwähnt. Wir haben vergessen, zu sagen, daß es auch
bei den Silberschmieden Spezialarbeiter, wie Besteckschmiede,

Ehrenring von Helmut Kraus, Berlin. Gold, verschnitten.

Tablettmacher gibt. Auch der Etuimacher gehört eigentlich
mehr hierher als zu den Goldschmieden. Einige schöne alte'
Techniken, die fast verloren waren, sind heute wieder in Übung
gekommen, wie die Granulation, das Filigrieren oder das Niello.

Es gibt tatsächlich heute unter den Goldschmieden eine
ganze Menge, die alle die Techniken beherrschen, natürlich
nur einige mit stärkerer Meisterschaft.

Wir müssen uns hier mit dieser kurzen Übersicht bescheiden,
die ja auch nur auf den besonderen Reichtum der Techniken
im Goldschmiedehandwerk hinweisen sollte. Es ist unschwer,
die Verwandtschaft mit allen anderen Kunsthandwerkstechniken
zu erkennen. Wir haben nicht alles nennen können, denn es
gibt noch Zwischenteckniken, wie das Einlegen eines Metalls
intarsienmäßig in ein anderes, oder wie das Vergolden mit
der Hand, die Metallackierung und vieles andere.

Vor einigen Jahren, als das Goldschmiedegewerbe sich ent-
schloß, eine Gemeinschaftspropaganda für das Gewerbe zu
machen, habe ich in einer Fachzeitschrift darauf hingewiesen,
daß man den Menschen wieder die Kenntnis der Techniken
vermitteln müsse, auf daß sie die besondere Art der Gold-
schmiederei wieder schätzen und bewerten lernen. Ich vertrat
den Standpunkt, daß der Weg zum Geschäft über die Volks-
tümlichkeit eines Handwerkszweiges führen muß. Volkstümlich
in dem Umfang, der nun einmal diesem Gewerbe vorgeschrie-
ben ist, kann man nur werden, wenn man zum Verständnis
erzieht. Man hat stattdessen einen anderen Weg einge-
schlagen: man propagierte die Goldschmiedearbeit in Zu-
sammenhang mit der Mode, man propagierte den Effekt, statt
das Wesen der Arbeit. Hier sollte vieles wieder gut gemacht
werden. Die Gesellschaft für deutsche Goldschmiedekunst,
von der wir im folgenden einen Bericht bringen, hat einen
viel gesünderen und richtigeren Weg eingeschlagen. Der Weg
steuert nicht unmittelbar auf die Propaganda los, aber er wird
dem Handwerk eine bessere Propaganda werden können.

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