NS-Frauen-Warte: die einzige parteiamtliche Frauenzeitschrift — 10

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O>« folgenven llusführungen find ein einSeulksvoiler rallachenberichl, zu Vem Sie veröffenllichungen Ver bolfchewisilfchen preffe
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Zur weileren Orienlierung empfchlen wir vie im Lher verlag erschienene Lrofchüre „Lolfchewislifches ^rauenfchickfal im öpiegel
Ser Sowjelpreffe unv gesetze" oon Or. LI. pclmecky, aus ver unfere Serichle auszugswelfe «ninommen sinv. Die 3 ch r i fl I ei lu n g

„Oie Zrau genieht in der UVSSkt. die gleichen Uechte wie der Mann auf
allen Hebieten des wirtschaftlichen, staatlichen, kulturellen und öftentlichen
politischen Lebens", so heitzt es im Urt. 122 der Stalinschen verfassung der
'UdSSU. vom Zahre I9Z6. Mit diesen Sähen glaubt die Stalinsche versassung
einer Lntwicklung die Urone aufgesetzt zu haben, die zurückgeht auf die ersten
Unfänge des Uommunismus, denn seit Sestehen der jüdisch-marxistischen Lehre
hat der Uamps um die Gewinnung der Zrauen;um iiommunismus unter der
parole gestanden: Sefteiung der Zrau, Lleichstellung mit dem Manne, Weg-
sall der häuslichen Sklaoerei.

vie Uampfparolen und versprechungen, mit denen der iiommunismus in
allen Ländern die Zrauen zu gewinnen oersucht, sormuliert die iiommunistische
Znternationale im einzelnen in folgenden Sätzen:

Soziale Gleichstellung von Zrau und Mann vor dem Gesetz und im prak-
tischen Leben.

kkadikale Umgestaltung des <khe- und Zamilienrechts.

klnerkennung der Mutterschaft als soziale Zunktion.

pflege und Grziehung der tiinder und Zugendlichen durch die Gesellschaft.

planmätziger Üulturkampf gegen die Zdeologie und klraditionen, die die
Krau versklaven.

vie radikalsten und tiefgreifendsten Mahnahmen haben die Zrauen mit dem
Seginn der Seoolufton auf dem Gebiet der Ghe und Zamilie betrosfen. wenn
die bolschewistische Seoolufton Lrfolg haben wollte, braucht sie einen neuen
Menschen, den kommunistischen Menschen, mit neuen Sitten, mit einer neuen
Lebensart und «iner neuen geisftgen Linstellung zum gesamten Leben. Nur
durch die Zerstörung jeglicher <the- und Zamilienbande konnte dieser neue Mensch
geschaffen werüen, der sähig sein sollte, ftei von allen vorurteilen moralischer,
religiöser und nationaler klrt, im bolschewistischen Staate zu leben. vie voll-
versammlung der ftomintern vom 1b. I I. 1924 gab dieser Grundeinstellung in
solgenden Sätzen ftusdruck:

„vie Sevolufton ist machtlos, solange die Segriffe Zamilie und die Za-
milienbeziehungen bestehen."

Sls erste Gesetzesmaßnahme wurde am 18. Nooember 1920 das Gesetz über
üie Zreigabe üer Nbtrei bung oerkündet. vas war für die Sowjetmachthaber
der sichtbarste Nusdruck für die „Sefteiung" der Zrau, unü sie oerfehlten nicht,
immer und immer wieder diese Mahnahme als die grötzte Grrungenschaft der
Nevolution hinzustellen.

vie allgemeine prattische Gntwicklung der ersten Zahre nach der Revolution
fand ihren Niederschlag in dem am I. Zanuar 1927 in Nrast gettetenen Gesetz
über die Lhe und Zamili«, dem die dogmatische Linstellung des Solschewis-
mus ;u diesen Zragen zugrunde gelegt wurde. vieses Gesetz brachte die gröht-
mögliche Ruflösung oon Lhe und Zamilie mit sich. öa; Lharatteristischste dieses
sog. Lhegesehes ist die Tatsache, datz das Gesetz zwei Rrten einer Ehe anerkennt:

1. öie registrierte Lhe,

2. die sattische Lhe.

Oie Registrierung einer Lhe erfolgt oon einer besonderen Sehörde, dem
SRGS., nach beiderseiftger Übereinkunft der Lhepartner. vieser Registrierung
kommt keinerlei besondere Sedeutung ;u und wird in der Praxis lediglich nur
noch al; Seweismittel gewertet.

Liner weitaus gröheren Sedeutung kommt der sogenannten fattischen Lhe
;u, die dann oorliegt, wie es im ß II des Gesetzes heiht: „wenn die tatsächlichen
Lhegatten sich gegenwärtig als solche anerkennen."

vie faktische Ehe, die gleichberechtigt neben der registtierten Ehe vom Gesetz
und der praxis anerkannt wird, kennt keinerlei Zorm und keinerlei voraus-
sehungen. Zrgendwelche Lhehindernisse — wie sie die registtierte Lhe noch
kennt —, z. S. Minderjährigkeit, nahe verwandtschaft oder Geisteskankheit,
kennt die fakftsche Lhe nicht mehr.

vah üurch diese Znstitution der faktischen Lhe die Mehrehe in der praxi;
keinesfalls selten wurde, beweist die Sowjetpresse selber, in der wir Ruherungen
wie folgt finden:

Lin hoher Sowjetfunttionär sagt oon sich:

„Zn allen Städten, in denen ich dienstlich zu tun habe, habe ich eine provi-
sorische Zrau."

Dder:

ver Leiter der pahabteilung des 44. Milizreviers Roseko ist ;u gleicher
Zeit mit 7 Zrauen verheiratet (lvetschernjaja Moskwa 8. September I9Z5).
öiese Meldungen lassen sich beliebig oermehren, denn es handelt jich
hierbei nicht um Rusnahmefälle, sondern um die Zeststellung immer wieder
oorkommender Tatsachen.

Selbst die Sowjetgerichte erkennen die Latsache der Mehrehen in ihren Lnt-
scheidungen stillschweigend an. Zn einer präsidialentscheidung des Gbersten
Gerichtshofes <Nr. O Z79/19Z4) entschied das Gericht in einem Zalle, in dem
ein Mann in einer registtierten und in einer fattischen Lhe lebte, dah beide
Zrauen gleichmähig erbberechftgt seien.

Sezeichnend für die Linstellung zur Lhe, die sich in der breiten Masse all-
mählich durchsetzte, sind die „richtungweisenüen" Rusführungen der jetzigen
Sowjetgesandtin in Gslo, Zrau Rollontag, in ihrer Schrist: „vie Rrbeit der
Zrau in der Zortentwicklung der wirtschaft" (Moskau 1928). hier heiht e; auf

Seite 162: „Znsofern wie die Lhe aufhört, materiellen vorteil zu gewähren,
verliert sie ihre Seständigkeit. vie Eheleute scheiden sich jetzt oiel leichter als
ftüher: wenn keine Liebe oder Rnhänglichkeit oorhanden ist, stteben die Men-
schen auch nicht danach, die Zamilie ;u erhalten. Sie sind nicht mehr — wie
ftüher — durch gemeinsamen haushalt, pflichten gegen die Rinder gebunden."

vah die Lasten einer solchen Lntwicklung allerding; zur hauptsache die Zrauen
treffen, dürste ohne w-ftteres ttar sein und keiner praktischen Seweise bedürfen.
Gemäh ? 19 des Gesetzes genügt der einseiftge, unbegründete wunsch eines
Lheteils, um geschieden zu werden. L; gibt nur einen Lhescheidungsgrund:
der wille eines der beiden Lheteile. prakftsch ift die Ehescheidung nur eine
Zormsache oon wenigen Minuten, üie auchunbegrenzt kurze Zeit nach der Lhe-
schliehung schon oollzogen werden kann. Man muh, wenn man sich heute die
Lrgebmsse und Ruswirkungen der sowjetischen Gesetzgebung betrachtet, Sucharin
schon recht geben, wenn er sagt:

„Ls ist der Lhegesetzgebung von 1927 gelungen, diesen besonders starken
llberrest des verfluchten alten Regimes, die Zamilie, zu zerstören."
verwahrloste Rinüer, eine oerkommene Zugend und kranke, abgearbeitete
Zrauen, das ist das Lrgebnis bolschewistischer Gesetze und ihrer Propaganda.

Gezwungen durch die materielle Not aus der einen Seite, begünstigt durch
das sittliche Lhaos, in dem sich der bolschewistische Staat besindet, auf der anderen
Seite, und nicht zuletzt, um ;u beweisen, dah man eine „befreite und aufge-
ttärte Rommunistin" ist, greist die Zrau ;u dem „Geschenk", da; ihr die bolsche-
wistische Revolution in jhrem Geseh oom 18. Nooember 1920 gebracht hat. vie
Geburtenoerhinderung wird in der Sowjetunion zu einer Massenerscheinung.
Nach der sowjetamtlichen Ltaftstik kamen in Moskau:

19Z4 aus 57100 Geburten 154584 Rbtreibungen,

I9Z5 aus 70000 Geburten 155000 Rbtteibungen.

Ls wird ausdrücklich betont, dah es sich hierbei nur um die offiziell bekannten
Zälle handele, die anüeren aber einen weitaus gröheren Leil ausmachten. Rm
Z0. Dktober I9Z5 berichtet die Moskauer prawda, dah täglich Zälle vorkommen,
in denen Zrauen für ihr Leben oon Rurpfuschern ;u ftrüppeln gemacht werden,
und dah dieses Übel ;u einer Massenerscheinung geworden ist.

vas Lrgebnis üieser sgstematischen Zersetzungsarbeit, der sozialen und wirt-
schaftlichen verhältnisse sind: ttanke und oerküppelte Zrauen, ein Land ohne
gesunde junge MSdchen. vah diese „Sefreiung" der Zrau sich in einer solchen
Ratasttophe für das Land auswirkte, blieb den Sowjetmachthabern nicht un-
bekannt. Zm gleichen Rugenblick werfen sie ohne Skrupel ihre jahrelang ge-
predigte These: die Lefteiung und Gleichberechtigung der Zrau hängt daöon
ab, ob sie über ihren Rörper bestimmen kann, über Sord. Zm gleichen Rugen-
blick, als die Sowjetmachthaber feststellen muhten, dah die Zrage des Nach-
wuchses dank ihrer 18jährigen Propaganda gefährdet war, verkünden die So-
wjets am 28. Zuni I9Z6 das verbot der Rbtreibung und stellen seine Zu-
widerhandlung unter Strafe. Oie; Gesetz — das sich gleichfalls noch mit der
Lhescheidung und der Seihilfe für kinderreiche Mütter besaht — charatterisiert
wie kaum etwas anderes die bolschewistischen Methoden. Raum hat eine „Zdeo-
logie" ihren Zweck erfüllt, hat sie einer neuen platz ;u machen .. . Nicht die Lhe
oder gar die Zamilie sollen für die Zukunft geschützt werden, sondern allein der
Zweck soll erreicht werden, üie Rinderzahl nicht ;u gefährden: der Nachwuchs
darf aus politischen, wirtschaftlichen und müitärischen Gründen nicht in Zrage
gestellt werden.

Sofort nach Lrlah des verbotes der Rbtreibung zeigte die praxis, dah die
18 Zahre lange Propagandaarbeit nicht aus der Welt zu schaffen war, vor
allem aber auch, dah deshalb keine Rnderung der verhältnisse Herbeizuführen
war, weil alle anüeren voraussetzungen, die;u dieser ftatastrophe geführt haben,
unverändert die gleichen geblieben sind. Was hilft es, von „Mutter und Rind"
zu reden, wenn ipeder der Mutter erttägliche Lebensbedingungen, noch dem
ftinde das Nöftgste zum Leben beschafft werden kann.

vie wirtschaftliche und di« soziale Not in der UdSSR., die in den ersten Zahren
die Zrauen der Sowjetunion zwangen, die Geburt zu verhindern, zwingen sie
heute noch in erhöhtem Mahe dazu. Nur, dah heute noch jene Gefahr hinzu-
kommt, dah die Zrauen wegen dieses Gesetzes oom Zuni 19Z6 gezwungen sind,
sich geheim unfähigen Rrzten und, in der Mehrzahl der Zälle, Laien in die
ftände zu geben.

vie Zeitungen vom Zanuar 1941 sind ooll von Serichten über die verdotenen
Geburtenoerhinderungen. vie Strafen bettagen Z—10 Zahre Gefängni; oder
Zwangsarbeit. ver prozentsatz von Rrankheits- und Toüesfällen nach solchen
„Dperationen" ist besonders groh. Und trotzdem fühtt der oon den Sowjet-
machthabern herbeigeführte Zustand in der UdSSR. die Zrauen in einem solchen
Grade zu diesen Mohnahmen, dah die Lowjetbehörden eine offizielle verfol-
gungskampagne im Zanuar 1941 in ihrer presse ansetzten. Sie glauben, dadurch
wieder einmal den unhaltbaren Zuständen ein Lnde bereiten zu können.

Neue Mahnahmen sollen nun helfen, einen Zustand abzuändern, den die
bolschewistischen Machthaber selber herbeigeführt haben, einmal durch ihre
jahrelange zielbewuhte Zersetzungsarbeit, zum anderen durch die katasttophalen
wirtschaftlichen unü sozialen verhältnisse, in die die Sowjetunion hineingewirt-
schastet haben. Ruf allen Gebieten, auf denen das bolschewisftsche Sgstem Schiff-
bruch erlitten hat, sind es immer wieder „neue Mahnahmen", die eine Rnderung

Zortsetzung auf Seite 28
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