Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Hrsg.]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 5.1909

Seite: 67
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Schuster, Zur Baugeschichte des Lettners im Freiburger Münster

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IS 4

befund mit gallerie" 250 ^/Z 9 x
bezalt und dem Maler Simon
Göser am 7. November glei-
chen Jahres für „Mahlung der
Galarien an beyden Musig-
kohren samt der Stegenlehne
nach gotischer Art" 25 fi.

Zwei weitere Rechnungen
vom 25. Juni und 11. Herbst-
monat 1789 rühren von Bild-
hauer Xaver Hauser her: „fir
daß sich in unserem Lieben
Frauen Minster befindenten
Music Kohrr nach gottischer
art außzuzihren nemlich mit
8 Tragsteinen und 9 Roßen":
30 fi. Da beide Rechnungen
quittiert sind, beziehen sie
sich auf je eine Seite des
Musikchors. Diese (nicht
mehr vorhandenen) Arbeiten
Hausers dienten wahrschein-
lich zur Verzierung der Trep-
pen nach der Plattform, die
nach dem Wiederaufbau des
Lettners anders angelegt wa-
ren wie jetzt. Die hölzerne

Brüstung wurde in unbekannter Zeit durch die noch
vorhandene steinerne ersetzt, die zwar in der Zeich-
nung des Maßwerks mit der Abbildung von 1704
übereinstimmt, aber in breitere Fächer eingeteilt ist.
Über den Erbauer des Lettners, Hans Böringer,
wurden schon vor Jahren und neuerdings wieder
Nachforschungen in den Archiven von Rottweil und
Dinkelsbühl angestellt, beidemale ohne jeden Erfolg.
Etwas günstiger waren die Ergebnisse einer Besichti-
gung der beiden Städte durch den Verfasser im
August 1908. Die älteste Arbeit Bö-
ringers findet sich in Dinkelsbühl am
Meßmerhaus nördlich von der Haupt-
kirche, und besteht aus einer ein-
fachen, im Rundbogen geschlossenen
Eingangstüre. Am Bogen derselben
steht viermal das Zeichen Böringers
und die Jahreszahl 1544. Die obern
Stockwerke des Hauses sind in Fach-
werk hergestellt. Ein zweites Werk
in Dinkelsbühl ist erhalten in der
jetzigen Realschule, einem spätgoti-
schen Gebäude, das 1548 und 1549

Steinmetzz eichen

an der Treppe

Treppenhaus in der Realschule in Dinkelsbühl.

zum Rathaus umgebaut wurde
und als solches bis zum Jahre
1855 diente. Von der frühern
reichen Ausstattung ist am
Äußeren nichts mehr vor-
handen, wohl aber im Hof
und in den Innenräumen. Aus
dem Erdgeschoss führt eine
steinerne Wendeltreppe nach
dem zweiten und dritten
Stock, in letzterem ist sie
mit einer runden Brüstungs-
mauer abgeschlossen. Über
der Eingangstür im Erdge-
schoss steht die Jahreszahl
1548 und das Zeichen Bö-
ringers, das sich auch am
Bogen links und auf der
Spindel der zehnten Stufe von
unten vorfindet.

An der Kapellenkirche in
Rottweil, die ganz aus grauem
Sandstein erbaut ist, ersetzte
Böringer die schadhaft ge-
wordene Rose über dem West-
portal durch eine neue in sehr
spätgotischen Formen aus
Aus dem nämlichen Material sind

rotem Sandstein.

auch vier Wappen in den Ecken des Feldes, dessen
Mitte die Rose einnimmt. Drei dieser Wappen
scheinen Familienwappen zu sein, das vierte in der
Ecke rechts oben zeigt unter der Jahreszahl 1575 die
Buchstaben H B und das Meisterzeichen Böringers.
In dem ersten Aufsatz über den Lettner (Münster-
blätter Jahrg. 1) ist Seite 48 die Vermutung ausge-
sprochen worden, es habe schon vor dem Bau Bö-
ringers ein Lettner im Münster bestanden, da eine
Schreinerrechnung vom Jahre 1505 ein
Pultbrett „uf dem letner" erwähnt. Kurz
vorher, im Jahre 1503, hatten die Pfle-
ger eine Orgel „mit hülzen flouten"
bei Meister Martin Grünbach in Ulm
bestellt. Da der Ausdruck „Lettner"
auch für den Unterbau der Orgel ge-
braucht wurde, war wohl das Pultbrett
für diese bestimmt und seine Erwäh-
nung gibt um so weniger Veranlassung
zur Annahme eines früheren Lettners,
als für diesen keine andern Zeugnisse

Meisterzeichen Böringers. vorliegen.
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