Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Hrsg.]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 6.1910

Seite: 59
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Laubwerk am Tympanon der Vorhalle.

Der Dreikönig-Altar von Hans Wydyz
im Freiburger Münster.

Von

Dr. Gustav Münzel.

(Schluß.)

vußer dem signierten Freiburger Drei-
könig-Altar können dem Meister nun
auf Grund einer Urkunde im Zusam-
menhang mit der Stilvergleichung noch
andere Werke zugewiesen werden. In
den Rechnungsbüchern der Münsterbauhütte findet
sich zum 23. Juni 1510 der Eintrag: „Item 4 S lxj2
schilling meister Hansen dem bildhower von den
trey schiben zuo machen in die schlosstein im neu-
wen kor uf sontag und vigilia Joh. Baptiste thut 7 fl.
in gold."1

Diese drei Schlusssteine sind noch heute im
Chorgewölbe vorhanden und eine stilkritische Ver-
gleichung dieser bisher nicht identifizierten Werke
mit dem Dreikönig-Altar lässt keinen Zweifel zu,
dass der in der Rechnung genannte Bildhauer Hans
der Meister des Dreikönig-Altars Hans Wydyz ist.
Die drei Schlussringe sind in Hochrelief aus
Holz geschnitzt und gefasst und haben einen Durch-
messer von 134 cm. Der östliche zeigt Maria in
Halbfigur mit dem Kind, der westliche einen Engel
als Schildhalter mit dem Freiburger Wappen und der
mittlere ein österreichisches Wappen unter dem Her-

1 Münsterrechnungen von 1500 bis 1510, 24 Stück im General-
Landesarchiv zu Karlsruhe, Rechnungen Nr. 7876. In einem an-
deren Bande dieser Rechnungen vom Jahre 1510 findet sich der
Eintrag noch einmal ohne genaueres Datum: Item 4(7 7 y» seh.
meister Hansen dem bildhouwer von den trey schiben zuo
machen in das gewölb in den nuwen kor, tut 7 fl. in gold.

zogshut2. Die Zusammenstellung der Wappen legt
die Vermutung nahe, dass als Stifter dieser drei
Scheiben der Münsterbau, die Stadt und die Herr-
schaft, von der auch die in unmittelbarer Nähe lie-
genden Chorfenster gestiftet sind, in Betracht kommen.
Die Madonna mit der Kaiserkrone steht vor einer
Strahlen-Mandorla in einem Kranz, der gebildet wird
unten von der Mondsichel und oben von stilisierten
Wolken, und hält das in ihren Armen ausgestreckt
ruhende Kind an ihre Brust gedrückt. Das Gesicht
der Madonna in der Rosette ist dem der Maria im
Dreikönig-Altar sehr ähnlich, während Haarbildung
und Haaranordnung bei beiden sogar ganz identisch
sind. Das Haar liegt bei beiden in leicht gegliederten
Massen an der Stirn und entwickelt sich daraus zu
einzelnen, über die Schultern herabfließenden Wellen.
Besonders charakteristisch ist die gleiche Einbuch-
tung der Haare am Übergang vom Hals zur Schulter.
Ebenso übereinstimmend sind die Stirnbildung, die
Form des Kinns und des Halses mit der Andeutung
der Sehnen, sowie die ganze Haltung des Kopfes.

- Die Rosette mit Madonna und Kind wie die Engelsrosette
sind abgebildet bei Fr. Kempf und K. Schuster, Münsterführer
S. 93 und 137 und noch einmal als Titelvignette. Die dritte Rosette
mit dem österreichischen Wappen kann hier leider nicht abge-
bildet werden, da jetzt keine Gelegenheit besteht, sie zu photo-
graphieren. Bei den Photographien der Rosetten ist zu beachten,
dass durch eine Pigmentveränderung der Fassung die Augen
der Dargestellten zu dunkel herausgekommen sind, wodurch sie
zu stark hervortreten.
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