Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Hrsg.]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 7.1911

Seite: 38
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Schuster, Baugeschichtliches über das Freiburger Münster aus alten Chroniken

sowie aus Geißinger S. 40: „Gleich inner der Kirche Franz Glänz hatte ihn 1843 im Auftrage der Stadt
rückwärts an dem Portal oben deren Tiren stehet entworfen und berichtet in seinen Tagebüchern dass
die Figur des heil. Joann von Nepomuc auf der der Steinmetz Karl Wiedmann den Entwurf nicht
Brücken mit Wolken und Strahln umgeben, dieß gut nach meiner Zeichnung" ausführte. Vorher stund
ware bei seiner Heiligsprechung zur Illumination an der gleichen Stelle ein spätgotischer Brunnen der
verfertigt, und dahin angewend worden." Geißinger mit einem Standbilde des hl. Georg bekrönt war und
gibt dazu eine Abbildung der Tafel, die sich unter auf einer Lithographie von Dom. Quaglio aus dem Jahre
der Brüstung der St. Michaelskapelle befand und 18261 abgebildet ist. Nach dieser Darstellung unter-
nicht mehr erhalten ist. Wie J. Bader angibt1, feier- liegt es keinem Zweifel, dass die zwei Bruchstücke in
ten im Mai 1829 „die Oberlindener das 100jährige derStädtischen Altertümersammlung, von denenwirdie
Alter ihres Lindenbaumes", dieser ist also wohl zur nebenstehende Aufnahme (Abb. 5) geben, von diesem
Feier der Heiligsprechung gepflanzt worden. Von Brunnen herrühren, wenn auch die Verhältnisse der
dem Altar des hl. Johann von Nepomuk im Münster Brunnensäule auf der Lithographie etwas schlanker
wird weiter unten die Rede sein. erscheinen. Der Urheber des Brunnens ist unbe-
Die Errichtung des Portals durch die von Fahnen- kannt, ebenso die Zeit der Entstehung, die wohl in
bergsche Familie erfolgte jedenfalls erst nach dem Jahre die Jahre zwischen 1520 und 1570 zu setzen ist.
1713 oder 1714, denn der Stadtschreiber Dr. Franz 6. Das Glöcklein auf dem Querschiff.
Ferdinand Mayer erhielt den Titel „von Fahnenberg" „Anno 1697 den 12. 9bris wurde das erstemal das
mit dem stiftsmäßigen Adel erst durch Dekret vom Glöcklein im Münster bei der Sakristei gebraucht." 5
27. Februar 1715. Die Inschrift wird wohl kaum Gemeint ist jedenfalls die Glocke in dem Türmchen
mit einiger Sicherheit gedeutet werden können. Von auf dem südlichen Querschiff, das die Jahreszahl
dem obengenannten Bildhauer Norbert Wiest ist nur 1697 trägt und 1903 nach dem alten Original er-
bekannt, dass er den Stadtschreiber F. F. Mayer am neuert wurde.

1. November 1713 bei der Aufpflanzung der weißen 7. Der Lettner und seine Altäre. Der Ab-
Fahne auf der Bresche begleitete. Die Standes- bruch erfolgte 1789, „um der Kirche eine bessere
bûcher der Münsterpfarrei enthalten seinen Namen Aussicht zu verschaffen . . . man hat aber von dero
nicht und es bleibt zweifelhaft, ob er die Statue des Errichtung gar keine Jahrzahl noch sonst etwas auf-
Heiligen wirklich ausführte. Dass diese im Jahre gezeichnet daran gefunden"6. H. Schreiber berichtet
1718 vorhanden war, wurde in dem Aufsatz über die in seiner Geschichte und Beschreibung des Münsters
drei Säulen vor dem Münster- nachgewiesen, die 1820 S. 130, „daß jährlich am Kirchweihfeste die
dort ausgesprochene Vermutung über ihre Aufstellung Fahne des hl. Georg auf der nun hinweggeräumten
ist aber nach dem hier Gesagten unzutreffend. Die Musikgalerie zwischen Querbau und Chor aufgesteckt
Statue wurde nach dem Abbruch des Portals wahr- wurde".

scheinlich in der obersten Figurenreihe an der Süd- Nach Geißingers Bericht7 befanden sich im
westecke des Münsterturms an Stelle einer herunter- Lettner drei Altäre: „in Mitte der Joann-Baptist-
geschossenen Figur aufgestellt. Andere Teile des Altar, zur Rechten St. Annen-Altar, zur Linken
Portals haben sich bis jetzt nicht vorgefunden, auch Joann von Nepomuc-Altar." Vom letzteren ist noch
ist keine Abbildung davon erhalten. Auf dem Kupfer- das Altarblatt samt Rahme im Besitze der Münster-
stich von Peter Mayer, der die Münsterbeleuchtung fabrik erhalten. Es trägt die Bezeichnung: „F. L.
beim Durchzug der Erzherzogin Marie-Antoinette Herrmann invenit & pinxit anno 1755 — Constanz."
darstellt, ist die Friedhofmauer weggelassen, obgleich Nach einem Aufsatz von Philipp Ruppert in den
sie 1770 noch erhalten war. Konstanzer Geschichtlichen Beiträgen 2 (Konstanz

4. Die drei Säulen vor dem Münster. Über 1890) S. 27f. war Ludwig Herrmann geboren zu
die Aufstellung derselben berichtet Franz Anton Wangen im Allgäu im Jahre 1710 und starb am
Bayer von Buchholzs: „Im Augusto 1719 habe den 25. Mai 1791 in Konstanz, wo er seit den vierziger
ersten Stein zu den 3 neuen Säulen bei dem Münster Jahren tätig war. Seine zahlreichen Werke waren
gelegt." sehr geschätzt. Beim Abbruch des Lettners wurden

5. Der Georgsbrunnen. Der jetzige Brunnen dieser wie auch der St. Annenaltar in die Mitte der
auf dem Münsterplatz wurde 1845 zu Ehren des zunächstliegenden Vierungspfeiler verschoben, an
Großherzogs Leopold errichtet. Der Holzbildhauer welcher Stelle sie 1820 von Schreiber in seiner Ge-

1 Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau. Freiburg
1883 S. 351.

2 Münsterblätter 5, 2.

3 Adressbuch 1911 S. 42.

Beschrieben Münsterblätter 4, 25, 5 Nr. 1.
Überlinger Chronik.
Adressbuch 1897 S. 22.
Münsterblätter 1, 62 Beilage 3.
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