Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Hrsg.]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 11.1915

Seite: 10
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Abbild. 1. hJelief von der Brüstung der Locherer-Kapelle.

Die Locherer-Kapelle im^ Freiburger Münster
und der Meister ihres Altars.

Von

Dr. Joseph Riegel.

sT«rv—>j mmer war das Münster für den Freiburger
^■Jfoy Bürger und Patrizier der Gegenstand
^.H>^C eifriger, liebevoller Fürsorge, zumal aber
tfHvsi/ in den Tagen, da man gedachte, den
neuen Chor und seinen Kapellenkranz
endlich zu vollenden. Einheimische und Satzbürger
bewidmeten darob den „bouw unser lieben frouwen"
mit reichen Stiftungen je nach ihrem materiellen
Wohlstande. Indes die einen 50 oder 100 Gulden zu
einer Jahrzeit gaben mit der Bestimmung, das jähr-
liche Zinserträgnis an den Bau zu verwenden, ver-
pflichteten sich andere, ein ganzes Fenster, ein Ge-
mälde, einen Altar oder gar eine vollständige Kapelle
mitsamt ihrer gesamten Ausstattung zu bezahlen. So
groß war der Eifer der Bürgerschaft noch in der Zeit,
da die „Gravamina der deutschen Nation1' über die
Verderbtheit der Kirche immer öfter, immer tiefer
widerhallten und manch einer schon an Reformation
dachte. Man wusste eben wohl zu scheiden zwischen
der Kirche und ihren Dienern. Jene liebte man mit
der ganzen Glut seines Herzens, und ihre Schönheit
zu mehren war das höchste Streben; unter den Glie-
dern schied man nach Recht und Billigkeit.

1. Die Familie Locherer und ihre
Kapellenstiftung.

Von dem Vielen, was um die Wende des 15.
Jahrhunderts geschaffen, ist nur Weniges noch in der
ursprünglichen Gestalt auf uns gekommen. Manches
wurde beseitigt, da man nicht mehr seinen Gedanken-
inhalt verstand, anderes fiel der Zeit zum Opfer,
wieder anderes wurde mutwilligerweise zerstört. Unter
all dem aber, was noch wirklich am reinsten sein
ursprüngliches Ansehen bewahrt hat, gehört die so-

genannte Lochererkapelle mit zum Schönsten und
Besten.

Sie trägt ihren Namen von der Satzbürgerfamilie
der Locherer, die seit ungefähr der Mitte des 15.
Jahrhunderts in Freiburg Wohnung genommen und
das Bürgerrecht erworben hatte. Die Familie kaufte
das Haus zum Mangold, jetzt Münsterplatz Nr. 17.
Vater Burkhard, der wohl von Breisach zugezogen
war, hatte 8 Kinder: 6 Söhne und 2 Töchter. Von
den Söhnen nahm Matthäus Dienst im Heere des
Königs von Frankreich und verscholl. Die übrigen
5 blieben zeitlebens in der Stadt Freiburg. Burkhards
Leonhards und Hans' Gewerbe ist nicht zu ermitteln.
Gervasius genannt Zibling war Metzger, und Niko-
laus trat in den geistlichen Stand. Verena vermählte
sich mit dem Breisacher Bürger Hans Vingerlin.
Margareta wurde die Frau des bekannten Freiburger
Patriziers Egidius oder Gilg Has, dessen lebens-
wahres Bildnis auf dem hinteren Predellenbild des
Hochaltars zu sehen ist.

Von allen Gliedern der Familie Locherer ist
Nikolaus am bekanntesten geworden. Zu Anfang
der dreißiger Jahre muss er geboren sein. Am
16. April 1451 wurde er in Heidelberg inskribiert,
erhielt bereits am 27. Juli 1452 den Baccalaureat und
erscheint 10 Jahre nachher als Magister liberalium
artium. Am 23. Mai 1460 wurde er an der hiesigen
Universität immatrikuliert mit dem Eintrag: „Dominus
Nicolaus Lochrer de Friburg presbiter, capellanus
ibidem, artium baccalarius intitulatus." Im Jahre
1464 wird er Protonotar. Nach einem Jahrzehnt be-
kleidet er für mehr denn ein Vierteljahrhundert das
Amt eines Dekans und Kammerers im Landkapitel
Freiburg. Zweimal wurde er mit den Geschäften
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