Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Editor]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 13.1917

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Kleine Mitteilungen und Anzeigen

antwortet lassen müssen, doch hat er bezüglich des
ersten Punktes die zutreffende Vermutung geäußert,
dass der Ritter St. Georg der Zeit Kaiser Maxi-
milians I. angehöre, die Kunstformen indes zwischen
1520 und 1570 weitern Spielraum ließen. Für die
Ermittlung des Meisters fehlte jeder Anhaltspunkt.

Nun fand sich in einem unlängst nach andern
Dingen durchsuchten Rechnungsbuch der Amtherren
im Kaufhaus 1518—1533 zum Jahre 1520 der Ein-
trag: „Item4pfund dem Steinmetzen, der sant
Jörgen uf den bronnen vorm Schnabel4 ge-
macht hat", — ein Eintrag, der mit einem Satze
fast das ganze, die Frage bisher umhüllende Dunkel
lichtet; denn hier haben wir das Geburtsjahr und
den Preis der Ritterfigur und beinahe auch den
Steinmetzmeister einhellig beisammen. Der Brunnen
selbst scheint schon einige Zeit bestanden zu sein;
denn in der Sitzung des Rats am 22. Januar („uf
mitwoch nach Sebastiani") 1505 wird der Maurer
Meister Otmar zu einem städtischen Baumeister be-
stellt und dabei bemerkt: „Brunnen am kilchhof"
und „des Steinbruchs halben"1. Daraus dürfte der
Schluß erlaubt sein, dass man sich damals schon mit
dem Gedanken trug, einen Brunnen auf dem Kirchhof
am Münsterplatz zu errichten, und den neu ernannten
Werkmeister Otmar Engeilender mit den Maurerar-
beiten dazu betraute. Der Brunnen auf dem Münster-
platz ist demnach 1505 gebaut und 1520 mit dem
Standbilde St. Georgs versehen worden, für das die
Stadt den Preis von 4 Pfund, d. i. M 660.— heutiger
Währung, bezahlt hat.

Wer war nun aber der Steinmetz, dessen Hand
die St. Georgsfigur gefertigt und dessen Name der
städtische Rechnungsführer verschwiegen hat? Dar-
über sind auch fernerhin bis auf weiteres nur Ver-
mutungen möglich. In der Regel ist zwar unter einem
mit so lapidarer, für die Zeitgenossen allerdings un-
mißverständlichen Kürze wie hier von dem Kauf-

* Das Wirtshaus „zum Schnabel" war das jetzige Haus
Münsterplatz Nr. 6; vgl. Geschichtl. Ortsbeschreibung der Stadt
Freiburg i. Br. 2 (1603) S 190.

5 Ratsprot.-B. 9 (1504—05) Bl. 44i'.

hausrechner lediglich nach seinem Gewerbe genann-
ten Steinmetzen der städtische Steinmetz (= Werk-
meister) zu verstehen, wie sich denn derselbe Rechner
in derselben Weise auch zum Jahre 1530 ausdrückt:
„Item dem Steinmetzen 12gülden uf dornstagvor Lucie
[8. Dezember] und dann davor auch 12 gülden, uf
sant Pauls bekerung tag [25. Januar] 6 gülden." Der
Rat von Freiburg pflegte nämlich zur Besorgung
seines gesamten Bauwesens alljährlich bei der Rats-
besetzung um Johanni aus seiner Mitte 3 Bauherren
zu ernennen und diesen zur Ausführung der Arbeiten
selber jeweils zu Anfang des Jahres aus den Haupt-
baugewerben je nach Bedürfnis 2—4 bewährte Fach-
leute als Werkmeister an die Seite zu geben: und
zwar stets 1 Steinmetzen oder Maurer und 1 Zimmer-
meister, häufig auch noch 1 Schlosser, die jedes
Jahr wechseln konnten, meist aber länger im Amte
blieben.

Der städtische Steinmetz-Werkmeister des Jahres
1520 könnte mithin der Verfertiger des St. Georg
auf dem Brunnen am Münsterplatz gewesen sein.
Leider ist sein Name wegen Lückenhaftigkeit der
Quellen vorerst nicht festzustellen. Denn Spezialakten
hierfür gibt es nicht und die Ratsprotokollbücher, die
sonst mit peinlicher Sorgfalt und Genauigkeit über die
ganze Tagesordnung der Ratssitzungen berichten, hören
1516 für längere Zeit auf, d. h. sie fehlen für 1517
und 1518 ganz, sind vom 1. April 1519 bis 6. August
1520 nur noch in flüchtig geführten Bruchstücken
und für den Zeitraum von 1520—1538 überhaupt
nicht mehr erhalten. Indes zeigt sich bei näherem
Zusehen, dass auch im Usgeb- und innembuch uf
Johannis sunwenden [im] 1520. jor der Ausgabe-
posten für die Brunnenfigur gebucht ist, aber in der
Fassung: „ . . 4 pfund an Wechsel von sant
Jörgen uf den bronnen ei[ne]m Steinmetzen."
Damit ist der Hinweis auf den städtischen Steinmetz-
Werkmeister unhaltbar, bei der großen Zahl der eben
damals zu Freiburg lätigen Steinmetzen aber die
Entscheidung für einen bestimmten Namen unmög-
lich, solange nicht eine neue unzweideutige Nachricht
über den Meister gefunden wird.
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