Friederichs, Karl
Berlins antike Bildwerke (Band 1): Die Gypsabgüsse im Neuen Museum — Düsseldorf, 1868

Seite: 504
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504 Genre und historische Darstellungen.

Nach unserer Meinung hat der Kopf einen unhellenischen Cha-
rakter und würde für eine edle Barbarenfrau nach Art der
Thusnelda passend sein. Die Trauer wäre bei dieser An-
nahme eben so erklärlich wie die 'fremdartige Kopfbe-
deckung.

Welcker Akad. Mus. n. 175* nennt den Kopf zweifelnd Omphale,
0. Jahn Soph. Electra (wo auch ein Holzschnitt des Kopfes gegeben ist)
p. 101 findet in ihm den Charakter einer Antigone oder Electra.

811. Opfernder Römer*, Marmorstatue, die aus Grie-
chenland in den Besitz der Familie Giustiniani zu Venedig
gelangt sein soll und durch Clemens XIV für den Vatikan
angekauft wurde. Der Kopf ist antik aber nicht zugehörig, er-
gänzt sind beide Hände mit der Schaale, die Ergänzung der
Rechten ist gewiss richtig, die der Linken fraglich.

Die Figur stellt einen vornehmen mit der Toga beklei-
deten Römer dar, im Begriff die Opferschaale über den Altar
auszugiessen. Die Toga ist über den Kopf gezogen, wie es
der römische Ritus erforderte, den Virgil dadurch motivirt,
dass der Opfernde vor aller Störung von aussen geschützt
sein sollte. Materiell freilich genügt dieser Schutz nicht,
wohl aber ist die Verhüllung des Hinterhauptes ein ausdrucks-
volles Symbol, wodurch der Opfernde concentrirter, gesammelter
und zugleich feierlicher, würdevoller für die heilige Handlung
erscheint.

Die Statue ist recht geeignet, eine Vorstellung von dem feier-
lichen Charakter der römischen Tracht zu geben, jede grie-
chisch gekleidete Gestalt sieht schlicht und einfach aus
gegenüber den reichen Faltenmassen der Toga, die hier so
ausgezeichnet behandelt sind, dass die Statue mit Recht als
eine der vorzüglichsten römischen Gewandstatuen betrachtet
wird.

Abg. Visconti Pio-Clem. 3, 19 p. 91. Vgl. E. Braun Ruinen p. 462.

812. Jüngere Agrippina**, Marmorstatue, mit den Far-
nesischen Schätzen nach Neapel gekommen. Ergänzt sind die
Stuhlbeine, die hier im Abguss ganz fehlen, und die Fuss-
bank, an der Figur selbst die Nase, die beiden Hände und
die vordere Hälfte der Füsse.

* Im Römischen Saal n. 4.
** Im Römischen Knppelsaal n. 11.
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