Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — 1.1893

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wird begrenzt, im Süden durch das Enns-, Elsach- und Schlattbach-
thal, im Osten durch das Lenninger- oder Lauterthal, im Norden und
Nordwesten durch die Linie Owen, Beuren, Neuffen und Dettingen.

Unstreitig bildete dieses Plateau schon seit den ältesten Zeiten
für die umwohnenden Völkerschaften eine sichere Zufluchtsstätte bei
feindlichen Angriffen, eine Volksburg im vollsten Sinne des Wortes.
Die bis zu 300 m hohen, sehr steilen und vielfach mit nackten Felsen
gekrönten Hänge bieten schon an und für sich fast unüberwindliche
Hindernisse. Denkt man sich aber die Höhe bei Kriegsgefahr von
einem gut bewaffneten, aus weitem Umkreis mit Hab und Gut darauf
geflüchteten Volksstamm besetzt, welcher vermöge der günstigen Aus-
sichtspunkte den Anmarsch des Gegners schon auf grosse Entfernungen
gewahrt, infolgedessen auch seine Verteidigungsmittel rechtzeitig
treffen kann, dem überdies das in solchen Lagen Notwendigste, vor-
zügliches Quellwasser an verschiedenen Stellen zu Gebot steht, so
musste der Feind schon über ein für damalige Zeiten überaus grosses
und wohlgerüstetes Heer verfügen, um an eine ernstliche Unter-
nehmung gegen diese Riesenburg überhaupt nur denken; zu können.

Selbstverständlich bieten die meist flacheren Thaler eine leich-
tere Annäherung. Sie, sowie die von der Natur weniger .geschützten
Stellen sind es, die vorzugsweise durch Wälle gedeckt erscheinen.
Hierher gehören der Graben und der Wall nördlich von Erkenbrechts-
weiler, der Wall östlich von Grabenstetten und noch viele kleinere
Wälle, von welchen später die Rede sein wird.

Anderseits wurden solche Teile der Hochebene, welche, wie der
Fuchsberg im Süden, weniger steile Hänge aufweisen oder, wie das
Plateau von Hülben im Südwesten, wegen der vielfach zerklüfteten
Ränder im Verhältnis zum gewonnenen Raum eine viel zu grosse
Anzahl von Verteidigern erforderten, einfach durch Wälle abgetrennt
und von der Volksburg ausgeschlossen. Aus diesen Gründen entstan-
den die Wälle beim Burrenhof und Lauereck.

Dass die Hochebene gegen das in gleicher Höhe gelegene süd-
liche Gelände durch Wall und Graben geschützt war, versteht sich
von selbst.

Wie bei jeder gut angelegten Festung, so finden sich auch hier
mehrere Reduits (refugia), d. h. kleinere, zur nachhaltigen Ver-
teidigung besonders günstig gelegene und durch künstliche Mittel
verstärkte Plätze, in die man sich zurückzieht, wenn es dem Gegner-
gelungen sein sollte, an irgend einer Stelle die Höhe zu gewinnen.
Zu diesen gehört in erster Linie der Hohen-Neuffen, sodann die Burg,
der nördlichste Teil des Ganzen, endlich die grosse Ringburg um die
Seelenau.

Ich will nun in möglichster Kürze auf die Einzelheiten der
vorstehenden Objekte eingehen und dabei auch noch andere der
Beachtung werte Gegenstände berühren.

Ich beginne im Norden. Halbinselartig ragt hier die Burg
hinaus, der höchstgelegene Teil der Hochebene, von senkrechten
Felswänden eingefasst. Sie hängt nur durch einen 250 in langen
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