Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — 12.1904(1905)

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erbringen zu sein. Herbst 1898 hat man in Mainz (s. Westdeutsche
Zeitschrift für Geschichte und Kunst. Separatabdruck für Mainz,
Trier 1899) die Fundamente eines Teils der alten Stadtmauer ge-
funden, die fast ganz aus römischen Werkstücken hergestellt war.
Das Fundament war aber ohne jeden Mörtelverband aufgebaut und
nur mit Schutt, Ziegelbruchstücken und kleineren Steinen gefüllt.
Hier haben wir also den Typus eines mittelalterlichen Fundaments —
in Kellmünz den klassischen Typus römischer Mauertechnik. Die
Struktur des Fundaments zeigt folgende Beschaffenheit: Zu unterst
festgefügter Molassesandstein, dann regelmäßig, locker geschichtete
kleinere Sandsteine, dann nebeneinander, im Versatz geschichtet, die
mächtigen Quadern, Kapitale und zu unterst die Säulentrommel. Der
verschwenderisch verwandte Kalkguß wurde in die Quaderfugen ge-
gossen und darauf immer neue, jetzt kleinere Schichten gelegt.
Möge das Jahr 1905 uns sowohl an neuen Skulpturenfunden
als an Auffindungen des Grundrisses des Castrums so günstig sein,
wie die letzten beiden Jahre. Wir wünschen heute schon den
Forschern des bayrischen Nationalmuseums alles Glück dazu!

Römische Niederlassungen auf Markung Stuherslieim und
Hofstett a. St.
Von Oberförster Schultz in Geislingen.
Mit 2 Plänen im Text.
Schon im Jahre 1900 bemerkte ich im Staatswald Sandrain,
einem bewaldeten Höhenrücken, welcher sich von Station Amstetten
in nordöstlicher Richtung gegen den „Ziegelwald“ und das „Iloch-
sträß“ hinzieht, eine Bodenerhöhung von ca. 14:16 m Seitenlänge,
unter der ich Mauerreste vermutete, und zwar nach Form und Größe
der Erdwälle und bei der Nähe des Kastells Urspring sowie mehrerer
römischer Straßenzüge die Reste eines sogenannten Zwischenkastells,
wie solche am obergermanischen Limes auf dem Plateau von Welz-
heim an Wegübergängen aufgefunden wurden.
Auf weitere Nachfragen erhielt ich die Auskunft, daß fragliche
Bodenerhöhung seither nicht weiter beachtet und bekannt gewesen,
daß sich aber im Staatswald Hochsträß drei ähnliche Erhöhungen
befinden auf einem Gewand, welches in einem alten, vor den dreißig-
jährigen Krieg zurückreichenden Saalbuch der Gemeinde Stubersheim
„beim römischen Wachturm“ benannt sei. Dort seien vor ca. 15 Jahren
Grabungen veranstaltet worden, jedoch nur mit dem Ergebnis, daß
sich unter den Erdwällen wahrscheinlich Mauerreste befinden.
Die im Jahre 1897 vom K. Statistischen Landesamt heraus-
gegebene Altertumskarte des Oberamts Ulm enthält hierüber noch
keine Angaben.

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