Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — 13.1905(1906)

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Es ist eine wirkliche Freude, ein Werk, wie das vorliegende;
studieren und anderen zum Studium empfehlen zu dürfen. Man wird
unter der archäologischen Literatur, mindestens der auf Westeuropa
bezüglichen, lange suchen müssen, bis man einen gleichermaßen
reich ausgestatteten Band, mit dessen äußerem Gewand auch der
Inhalt Schritt hält, finden wird. Ja, abgesehen von einigen wenigen
neuen Publikationen, etwa von Privatsammlungen, hat das Werk
nicht einmal auf dem Gebiet der klassischen Archäologie viel seines-
gleichen. Es verdankt in letzter Linie sein fürstliches Dasein der
Munifizenz des Besitzers der Sammlung, der die hier veröffentlichten
Funde angehören, des vor kurzem verstorbenen Fürsten Leopold von
Hohenzollern-Sigmaringen, der den Direktor seines Museums, Herrn
Hofrat Prof. Gröbbels, mit der Herausgabe derselben betraut hat.
Wenn an der Art und Weise der Publikation etwas auszusetzen
wäre, so bezöge sich das höchstens auf das sicherlich nicht jedem
sympathische Format, Großfolio, das wohl für die Tafeln alles Lob
verdient, sofern es für das meiste Wiedergabe in Originalgröße ge-
stattet, für den Text aber tatsächlich zu unhandlich ist und die
Lektüre erschwert.
Das Werk muß im Nachbarland der Funde, in Württemberg,
unser besonderes Interesse erregen, da die dortigen Verhältnisse bei
uns sich natürlich wiederholen, vor allem aber, da das Haupt-
stück der Gammertinger Ausgrabung ein Spangenhelm ist, der in
Konstruktion und Kunststufe die genaueste Parallele in dem Pracht-
stück der Stuttgarter Altertumssammlung, dem Giiltlinger Heim,
■aufweist. Dies Stück findet auch durch Gröbbels gebührende
Würdigung. Mit einem wahren Gefühl des Neides blickt man, be-
sonders wenn man, wie der Schreiber dieses, tagtäglich unter den
zum guten Teil noch ungehobenen Schätzen des Württembergischen
Altertumsmuseums umherwandelt, auf eine solche Arbeit. Werden
sich auch in Württemberg die Geldmittel dazu finden? Hinzufügen
muß man allerdings — so bitter es ist, es mag ausgesprochen
werden — gleich die andere Frage: Werden sich auch in Württem-
berg, wo die prähistorische und frühmittelalterliche Forschung nächstens
nur noch von einem einzigen, allerdings hervorragenden Fachmann
betrieben wird, die wissenschaftlichen Kräfte finden, eine solche
Publikation durchzuführen, daß unser Land nicht noch mehr in den
Hintergrund gedrängt wird ?
Der Gammertinger Reihengräberfund ist der bedeutendste der
zahlreichen, in allen Oberämtern Hohenzollerns gemachten alaman-
rrischen Funde. In den Jahren 1884, 1886, 1902 und 1903, end-
lich Ende 1904 wurden am östlichen Eingang des Städtchens anfangs
von Privaten nur gelegentlich bei Grabungen für Neubauten, später
systematisch, schließlich von Landeskonservator Laur im ganzen
etwa 200 Gräber bloßgelegt, ohne daß übrigens damit das Feld
erschöpft wäre. Gröbbels orientiert zunächst S. 1-—6 genau über die
Lage des Fundes und den Hergang der Grabung und zählt den Inhalt
der Gräber auf, welche auf eine weitausgedehnte Niederlassung der
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