Furtwängler, Adolf
Beschreibung der geschnittenen Steine im Antiquarium — Berlin, 1896

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Freier Stil 5.—4. Jahrh.

eines dem Manne in die Brust beisst; 1. eine
Palme, r. ein kleinerer Mann mit einem Eimer.
Stil des 5. Jahrh.

300 (T. II, 73 ; W. III, 21.) Karneol.

Von einem Skarabäus abgesägt (Durch-
bohrung hinten erhalten). — Kadmos (unbärtig)
wehrt sich mit dem Schwerte gegen die Schlange,
die sich um einen Felsen ringelt, von dessen
Höhe Wasser herabrinnt. Zwischen seinen
Füssen die umgestürzte Hydria. Strichrand.
Freier Stil des 5. Jahrh.; die Ausführung hat
Verwandtschaft mit der jüngerer italischer Skara-
bäen, ohne doch eine Spur von Etruskischem
zu zeigen. Wol eine grossgriechische Arbeit.

3. Skarabäoide.

a. "Wahrscheinlich Arbeiten des griechischen
Mutterlandes.

301 (T. II, 94; W. II, 479.) Grünlichweisse
durchsichtige Glaspaste.

Der runde Rücken des Skarabäoids ist ab-
geschliffen, die Durchbohrung durch die Fassung
verdeckt, aber bei der Durchsicht völlig deut-
lich. — Skylla nach 1.; weiblicher Oberkörper
in Chiton, von den Hüften ab in Fischleib
übergehend; vorn wachsen Hundevordertheile
heraus (diese Stelle ist beschädigt). Das Haar
in einer Haube. R. Arm gerade vorgestreckt.
Noch etwas strenger Stil, gleich nach der Mitte
des 5. Jahrh.; äusserst vornehm und zart. —
Strichrand. — Vgl. den sehr ähnlichen griechi-
schen (nicht phönikischen!) Bergkristall bei
Perrot-Chipiez, hist. de 1'artIII, p.442, Fig. 315.

302 (S.46i4.)DunkelbraunerSard. Tanagra.
— Abg. Imhoof-Blumer u. Keller, Thier- u.
Pflanzenbilder, Taf. 18,57; S. 116.

Stier nach r., auf das r. vordere Knie ge-
fallen, im Begriffe sich aufzurichten. Feine
Randverzierung, aus kleinen Vierecken mit einem
Punkte darin. Hervorragend schöne und sorg-
fältige, noch ein wenig strenge Arbeit. Die
Wamme des Stieres ist stark faltig und zottig
gebildet, wie manchmal im älteren Stile. Keller's
Annahme, es sei ein Auerochse dargestellt, ist
wol kaum richtig. L. oben ist ein Stück des
Steines ausgebrochen und damit der Anfang
einer Inschrift, deren erhaltener Schluss lautet
\A0$ . . . aöoq, wahrscheinlich der Name des
Künstlers im Genitiv wie bei 159. Der Stil
wie der Fundort würden zu chalkidischem Ur-
sprünge wol passen. Bald nach Mitte des
5. Jahrh.

303 (S. 463S.) Karneol. Kreta. Abg.
Imhoof-Blumer u. Keller, Thier- 11. Pflanzen-
bilder, Taf. 16,40; S. 101.

Gezäumtes Pferd, das sich losgerissen hat
und frei nach 1. galoppiert. Ohne Strichrand
und ohne Grundlinie. Arbeit des 5. Jahrh.

304 (S. 4643.) Blassbrauner Sard. Samml.
Demidoff 1838. — Abg. Imhoof-Blumer u.
Keller, Thier- u. Pflanzenbilder, Taf. 17, 21 ;
S. 108. Abdruck in Cades, impr. gemm. cl.

15. !35-

Von einem Skarabäoid abgesägt (Skarabäus

ist wegen der Grösse unwahrscheinlich); Durch-
bohrung auf der Rückseite erhalten. — Dam-
hirsch nach 1., mit gesenktem Kopfe nach Futter
suchend. Ganz leicht angedeutete Grundlinie;
kein Strichrand. — Wunderbar schöne Arbeit
von der grössten Zartheit; ausserordentliche
Naturwahrheit der Formen des Thieres. Wol
gegen Ende des 5. Jahrh.

305 (S. 4628.) Chalcedon. Melos.

Zwei eigenthümlich gestaltete Pfeiler durch
ein Band verbunden: vielleicht Symbole der
Dioskuren (vgl. die öÖKCiva Plut. de frat. am. 1)?
Sehr zarte und schöne Arbeit wol des 5. Jahrh.
Einfache Randlinie.

306 (S. 4641.) Harter schwarzer Stein von
matter angegriffener Oberfläche. Tanagra.

Schlanker Dreifuss; Löwenklauen unten an
' den Füssen. Abgerieben. L. der Rest einer
Inschrift . . AY.

ß. Wahrscheinlich ionische Arbeiten.

Das Bild steht in grösserem freien
Räume und ist durch keinerlei Rand
eingefasst. Die Gravierung pflegt nicht
oder nur wenig poliert zu sein.

307 (S. 4623.) Leicht bläulicher Chalcedon.
Atlien. Abg. Imhoof-Blumer u. Keller, Thier-
u. Pflanzenbilder, Taf. 17, 23.

Ein Reh, von einem Hunde angefallen, der
ihm auf den Rücken gesprungen ist und in
den Nacken beisst. Das Reh wendet den
Kopf um; es knickt mit dem 1. Vorderbein
ein. Der Hund hat ein Halsband. Im Stil
verwandt 296. 297, doch schönere Ausfüh-
rung. Sorgfältige Arbeit des 5. Jahrh.

308 (S. 4633.) Leicht bräunlicher Chalcedon.
Atlien.

Ein Löwe hat von hinten einen Hirsch
niedergeworfen und beisst in seinen Nacken.
Flüchtig. 5. Jahrh.
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