Furtwaengler, Adolf ; Reichhold, Karl
Griechische Vasenmalerei: Auswahl hervorragender Vasenbilder (Serie I, Text) — München, 1904

Seite: 97
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Italisch-ionische Amphora aus Vulci 97

in der alten ionischen Kunst gefunden worden zu sein. Wie so viele andere
ionische Elemente ward auch diese Malweise der Tiere von den altattischen Am-
phoren der sog. tyrrhenischen Klasse übernommen,') Die korinthischen und anderen
älteren attischen Vasen bedienen sich nur der roten Farbe, um jenen Teil des
Körpers abzugrenzen. Die reichlichere Verwendung aufgesetzter weisser Farbe
ging überhaupt von der ionischen Vasenmalerei aus. (A.. F.)

DIE TECHNIK

Diese kleine, gut erhaltene Amphora ist für uns von besonderer Bedeutung,
da in ihr schon die Technik vorliegt, die der schwarzfigurige Stil in der Folge
beibehält. Der Schematisierung der Zeichnung, wie sie die Francoisvase bekundet,
ist sie noch nicht anheimgefallen. Es spricht aus ihr vielmehr eine Kunst, die, von
Firnis und Ritzung abgesehen, der gleichzeitigen Wandmalerei nicht fern stehen mag.

Die horizontalen Einteilungslinien sind durch freies Anhalten des Pinsels an
das rotierende Gefäss entstanden und unterscheiden sich in ihrer sorglosen Aus-
führung sehr von jenen äusserst akkurat gezogenen Horizontallinien der sog. proto-
korinthischen Gefässe.

Der Firnis scheint in seiner Masse noch ungleichmässig gewesen zu sein,
denn der Auftrag ist noch fleckig. Dünnere und dickere Schichten in hellen und
dunklen Farben setzen im Wechsel ab.

Vorzeichnung ist keine zu sehen.

Die Silhouetten aller Figuren sind sehr gewissenhaft mit dem Pinsel gearbeitet;
dort, wo grössere Flächen nachträglich mit Deckfarbe übermalt wurden, hat man
von der vollständigen Ausfüllung der Silhouetten mit Firnis abgesehen. Die sorg-
fältige Ritzung fand vor dem Aufsetzen der matten Farben statt. Die Gesichts-
profile der drei Göttinnen, sowie die rechte Hand der Athena erhielten auf die
weisse Ausfüllung hinauf eine Pinselzeichnung in roten Strichen. (Bei der Francois-
vase fand die gleiche Behandlung an der weiblichen Figur mit hellemFirnis statt.)

Eine eigenartige, sonst nicht weiter auftretende Behandlung zeigt sich in
der Figur der Aphrodite. Der Künstler malte, in dem Bestreben, der Göttin durch-
sichtige Gewandung zu geben, die Silhouette des Rockes weiss aus, setzte dann in
diese die Konturen der Körperteile mit rotem Pinselstrich und überfuhr schliesslich
das Ganze mit sehr ausgestrichenem Firnispinsel, derart, dass die Innenzeichnung
noch deutlich sichtbar blieb. Auch die Haube ist in dieser Art hergestellt.

Die Lasur der Vase ist sehr hell, ihr Brand ziemlich hart. Aus letzterem
Grunde zeigt sich auch der Firnis nicht glänzend, wie bei der leicht gebrannten
Francoisvase, sondern geht mehr in das Graue über. (K. r.)

'; Vgl. H. Thierse», tyrrhenische Amphoren, S. 89.
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