Furtwängler, Adolf
Kleine Schriften (Band 2) — München, 1913

Page: 82
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82 Notizen aus England.

zeigen nur Palmetten- und Lotosschmuck; auf der Schulter ist jederseits ein
großes Auge (!) und je eine Nase gemalt, umrahmt von den auch bei den Augen-
schalen üblichen Palmetten. [Klein a. a. O. S. 65 Nr. 47.]

3. Von Tleson's gewöhnlichen Trinkschalen ist außer Brunn Nr. 13 und 14
[Klein a. a. O. S. 74 Nr. 19 u. 20] (welche kein Innenbild zeigen) noch eine dritte
mit Innenbild da: die wappenartige Gruppe zweier sich stoßender Böcke, in der
Mitte zwischen beiden streng stilisiertes Palmettenornament. [Klein a. a. S. 74
Nr. 29.] Zu bemerken ist, daß auf Brunn Nr. 14 die beiden Sigma der Inschrift
nur zweistrichig (<) gebildet sind. Übrigens lautet die Inschrift nach meinen
Notizen immer TL 6 NJnoieaev.1

4. Von Hermogenes ist da: Brunn Nr. 10, jederseits mit feinem Frauenkopf
in Kontur; unter dem Fuße eingekratzt ITA; ferner Brunn Nr. 12; die Inschrift
der einen Seite ist die regelmäßige, die der andern aber lautet: links vom Bilde
EPoiESENFlW/// und rechts dasselbe EPoiESENE/*E [Klein a.a.O.S.83Nr.llu.l4].

5. Aus Hope's Versteigerung 1849 kam hieher auch der Teller des Epiktet
Brunn Nr. 18, ein Knabe mit langem Haar auf einem Hahne reitend; das Haar
zeigt die Ritzlinie. [Klein a. a. O. S. 105 Nr. 16.]

6. Von Basseggio erworben ward die Schale des Pamphaios bei Brunn Nr. 3,
diePanofka als bei Basseggio befindlich abbildete; sie gehört zu den weniger sorg-
fältigen des Meisters. Die Haare zeigen die übliche Ritzlinie [Klein a. a. O. S. 94 Nr.19].

7. Das Interessanteste unter den Künstlervasen sind zwei Fragmente von
den zwei Seiten einer Schale der vorzüglichsten Art. Das eine zeigt den bärtigen
vollbekleideten Dionysos sitzend mit dem Kantharos, in der L. einen Rebzweig;
auf ihn zu kommt ein ithyphallischer Silen mit Schlauch und eine Mänade mit
Schlange (Beischrift MAI); hinter ihm ein flötender Silen und der Rest einer

303 taumelnden Mänade. Auf dem anderen ist nur der Oberkörper eines Jünglings2
erhalten, der mit attischem Helme in Chiton und Mäntelchen, an der vorgestreckten
L. den Schild (mit einem trefflichen vortretenden Silenskopfe als Zeichen) mit
gesenktem Speere auf einen (fehlenden) gesunkenen Gegner einstürmt, von dessen
Lanze noch der obere Teil sichtbar ist. Oben steht in rot aufgemalten Buchstaben

öS * * * * Q f

*4s

Der Stil und verschiedene kleine technische Eigentümlichkeiten erweisen diese
Fragmente als am nächsten den Schalen des Brygos verwandt. Wie wir neuer-
dings den eigentlichen Maler wenigstens eines der mit Hiegov Inoitoev signierten

1 Conze a. a. O. S. 237* scheint einmal eygcapev gelesen zu haben.

2 Nicht Athena oder Amazone, wie Birch a. a. O. S. 342 sagte (wonach Brunn S. 743).
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