Furtwängler, Adolf
Kleine Schriften (Band 2) — München, 1913

Page: 95
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SCHÜSSEL VON ÄGINA

(ARCHÄOLOGISCHE ZEITUNG 40, 1882
Tafel 9. 10 [= Tafel 21. 22])

n der Theogonie des Hesiod (V. 265 ff.) erzeugt der Dämon aller Wunder 197
des Meeres, Thaumas, mit einer Tochter des Okeanos selbst die schnelle
Iris sowohl als

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Unmittelbar darauf läßt Hesiod ein anderes Paar echter Dämonen der schaurigen
See, Phorkys und Keto, die grauen Graien erzeugen und

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2-&eivw r Evgvdhfj re Medovod re XvyQa na&ovoa.
Harpyien und Gorgonen sind Geburten des Meeres, hausend weit in der
Ferne beim Okeanos; nagä qöov 'Qxeavölo hat die Harpyie Podarge der Dias
(XVI, 150) die Rosse Achills geboren, die windesschnellen. Und wieder das
Gebären wunderbarer Rosse — auch Arion entstammte einer Harpyie — ist den
Gorgonen kaum minder eigen; denn Pegasos, der schnelle, geflügelte, war der
Medusa entsprossen.

Der Parallelismus der mythischen Grundzüge bei Gorgonen und Harpyien
ist natürlich veranlaßt durch die ursprüngliche Wesensverwandtschaft jener Dä-
monen, für welche beide der raffende finstere Gewittersturm das Substrat sein
mochte. Jener Parallelismus verschwindet auch in der weitem Ausgestaltung der
Mythen nicht und war der Art, daß die bildende Kunst, als sie begann, die Vor-
gänge der Heldensage zu gestalten, sich ihn nicht entgehen lassen konnte. Ge-
flügelt wurden die Harpyien gedacht, geflügelt auch die Gorgonen, und in raschem
Sturmeslaufe fliehen oder verfolgen sie Helden, die fliegend die Lüfte durchmessen.

Wie relativ früh der von den Gorgonen verfolgte Perseus bildlich dargestellt 198
ward, lehrt uns die äanlg 'Hgay.Xeovg, wo dies noch die einzige mythische
Vorstellung ist unter den übrigen allgemeinen, der ältesten Typik entlehnten
Szenen. Welche Umstände es bewirken mochten, daß gerade die Perseussage
so frühzeitig zur Darstellung kam, hat G. Löschcke vor kurzem in dieser Zeit-
schrift (1881 S. 48 ff.) in sehr wahrscheinlicher Weise auseinandergesetzt. Die
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