Furtwängler, Adolf
Kleine Schriften (Band 2) — München, 1913

Page: 295
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Der Augustus-Kameo des Aachener Lotharkreuzes. 295

Verfahren, den Kranz und dazu Chlamys, Ägis oder Panzer in der oberen braunen
Schicht zu arbeiten, finden wir bei den Brustbildern der früheren Kaiserzeit häufig.

Die Chlamys bedeckt nur den oberen Teil der Brust und fällt in den Rücken
herab; der übrige Körper ist offenbar unbekleidet gedacht. Der Lorbeerkranz
ist wie gewöhnlich hinten mit der Schleife versehen. Die Rechte stützt einen
Stab auf, dessen Spitze von einem sitzenden Adler bekrönt wird.

Die Züge des Kopfes lassen nicht den geringsten Zweifel daran zu, daß der
Dargestellte Augustus ist. Von den beiden Attributen ist der Lorbeerkranz mit
der Schleife überaus gewöhnlich; allein neu, und mir von anderen Augustus-
bildern nicht erinnerlich, ist das Szepter mit dem Adler. Doch stehen beide
Attribute in innigem Zusammenhange: beide gehören ursprünglich dem Trium-
phator und gebühren dem Augustus und seinen Nachfolgern in dem Sinne, daß
der Kaiser immerwährender Triumphator ist. Augustus hatte bekanntlich das
Recht erhalten, das er seinen Nachfolgern vererbte, ohne Begrenzung von Zeit
und Ort immer den goldenen Lorbeerkranz mit der Schleife, eines der Insignien
des Triumphators, zu tragen. Daher die unzähligen Darstellungen der Kaiser
mit diesem ihrem gewöhnlichsten Attribute. Aber auch das Szepter, der scipio
mit dem Adler, das der Triumphator trug, indem er im Aufzuge des Jupiter zum
Kapitol fuhr, gebührte dem Kaiser. Seit Augustus gehört die Ehre des Triumphes
ausschließlich dem Kaiser und seinen Angehörigen, während anderen nur die
ornamenta triumphalia zukommen. Bildnisse der späten Kaiser auf ihren Medaillen
zeigen öfter das Szepter des Triumphators;1 daß auch diese Darstellungsweise auf
Augustus zurückgeht, lehrt nun unser Kameo. Es ist ähnlich wie mit dem Motiv
des in Rückansicht gebildeten Kaisers mit der Ägis und der schrägen Lanze; da es
auf Münzen der späteren Kaiser häufiger erscheint, glaubte man es in der Spätzeit
entstanden; der herrliche Kameo Blacas (Antike Gemmen Bd.III S.316) und dessen
kleinere Replik Marlborough (ebenda Bd. I Tai. 65,49; Bd. III S.317) haben gezeigt,
daß die Späteren auch jenes Motiv nur von Augustusbildern entlehnt haben.

Doch trägt Augustus auf dem Kameo nicht wie jene seine späten Nachfolger 191
auf den Medaillen das übrige Triumphatorenkostüm der Wirklichkeit; die leichte

1 Auf den Medaillen erscheint das Motiv zuerst bei Alexander Severus (Fröhner,
Medaillons de l'empire Rom. S. 171), dann bei Gordian III (ebenda S. 183) und bei Gallien
(ebenda S. 214). Der Kaiser erscheint in der Tunica und Toga, d. h. dem Kostüm des
Triumphators; daß er als solcher das Adlerszepter führt, ist auf diesen Medaillen noch
dadurch besonders deutlich gemacht, daß der Revers immer den Kaiser als Triumphator
auf dem Triumphwagen darstellt. Gleichwohl hat Fröhner dies nicht verstanden und
redet von einem Szepter mit Legionsadler (S. 171). Der Revers des Medaillons des Tetricus
ist nicht bekannt (Fr. S. 231). Seit Numerian und Diocletian wird der Typus mit dem
Adlerszepter ganz häufig; jetzt wird auch durch die Ornamente die tunica palmata und toga
picta des Triumphators ganz deutlich charakterisiert, doch die Rückseiten der Medaillen tragen
verschiedene Typen (Fröhner S.251 undGrueber, Roman Medaillons Tai 54,4 Numerian;
Fröhner S. 261 ff. Diocletian, S. 266 Galerius, S. 274 Licinius, S. 278 Constantin usf.).
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