Furtwängler, Adolf
Kleine Schriften (Band 2) — München, 1913

Page: 315
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Bronzewagen von Monteleone.

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1. Besonders wichtig für die Zeitbestimmung des Fundes ist eine schwarz-
figurige attische Vase, die zu dem Funde gehört. Leider können wir keine
Abbildung derselben vorlegen, da sie bis jetzt nicht photographiert worden ist.
Es ist eine sogenannte Kleinmeisterschale der Gattung mit tongrundigem
Rande (vgl. meinen Berliner Vasenkatalog S. 289 ff.); das auf dem Rande ge-
malte Bildchen stellt eine Sphinx dar, die einen Jüngling unter den Klauen hält.
Die Inschrift auf dem Bauchstreif darunter ist sinnlos. Diese Schale ist, nach
dem was wir von der atti-
schen Vasen Chronologie wis-
sen, nicht wesentlich älter
als um die Mitte des sechsten
Jahrhunderts zu datieren.
Die übrigen Gegenstände,
also auch der Wagen, müssen
ungefähr derselben Epoche
angehören. Dadurch schon
ist die mehrfach laut ge-
wordene Datierung des Wa-
gens in das siebente Jahr-
hundert ausgeschlossen; wir
werden sehen, daß auch an-
dere Gründe jene jüngere
Datierung bestätigen.

2. Ein Bucchero-Gefäß
aus zwei übereinander ge-
stülpten Teilen mit plasti-
scher Dekoration von Tieren,
die aber frei modelliert, nicht
aus Formen gewonnen sind
(Abb. 2).

Die übrigen Funde be-
stehen aus Metall:

3. Sogenannte „cista a cordoni", gerippte Ciste von Bronze mit Doppel-
henkeln (Abb. 3). Die früher (von Heibig) aufgestellte Meinung, diese Osten
seien griechischer Herkunft und seien von Cumae aus verbreitet worden, war
gänzlich verfehlt. Man hat neuerdings erkannt, daß ihre Heimat wesentlich nörd-
licher liegt. Es sind diese Cisten aber auch nicht etruskisches Fabrikat; sie haben
ihre Heimat bei der Bevölkerung der Poebene. Ein Hauptzentrum speziell für
die Cisten mit Doppelhenkeln des Typus wie die unsrige war das Gebiet der
Veneter, ein anderes für die Cisten mit seitlichen Griffen die Gegend um Bologna.
Von der Poebene aus wurden diese gerippten Cisten, die besonders in der

Abb. 2.
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