Furtwängler, Adolf ; Reichhold, Karl ; Huber, Alois
Griechische Vasenmalerei: Auswahl hervorragender Vasenbilder aus dem gleichnamigen großen Werke (Text) — München, 1924

Seite: 7
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und

Tafel III

AMPHORA DES EXEKIAS

Achilleus und Aias beim Brettspiel
(Rom, Vatikan)

Mit dieser 1834 in Vulci gefundenen, heute im vatikanischen Museum in Rom befindlichen Vase
begegnet uns eine dritte Form antiker Tongefäße, derdoppclhenkelige Vorratskrug. Die griechische
Bezeichnung dafür ist Amphora.

Seit alters in Gebrauch, machte sie in Griechenland manche Wandlungen ihrer Profilierung durch.
Bald ist sie schlanker, bald breiter ausladend, bald ist der Hals schärfer abgesetzt, bald fließen Hals
und Bauch weich ineinander über. Eine „vollendet glückliche" Lösung der äußeren Formengebung
zeigt unsere Exekias-Vase; ihre vorzüglich ausgeglichenen Maßverhältnisse kehren deshalb auch während
der nächsten Jahrzehnte bei den attischen Amphoren immer wieder.

Denn nach Athen und Anika weist uns jenes prächtige Gefäß. Diese Stadt wurde mit dem ausgehenden
6. Jahrhundert zum alles beherrschenden Mittelpunkt der griechischen Vasenmalerei, vor dem die
verschiedenen provinziellen Schulen und Richtungen verschwanden. Es war dies nicht zuletzt mit
eine Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs der Stadt und der kulturellen Förderung, die sie von der
glänzenden Hofhaltung der Pisistratiden erfuhr.

In die Regierungszeit der Pisistratiden fällt auch die Tätigkeit des Verfertigers unserer Vase. Dieser
Meister gehört zu den frühen griechischen Künstlern oder Kunsthandwerkern — eine saubere Scheidung
der beiden Begriffe ist nicht ganz leicht durchzuführen —, die uns in ihrer persönlichen Eigenart faßbar
sind, deren Entwicklung wir verfolgen können. Sind doch alle von ihm erhaltenen Gefäße nach einer
damals aufkommenden Gepflogenheit mit seinem Namen versehen. Auch auf der abgebildeten Amphora
stellt er sich uns in der wagrechten Beischrift auf der linken Bildseite „Exekias epoiesen" (Excexicu; £xoie-
aev)1) „Exekias hat's gemacht" als Former und Maler des Gefäßes vor. Diese Sitte der Vasenmaler und
Töpfer, ihre Erzeugnisse mit ihrem Namen zu versehen, hält sich im weitesten Maße während der nächsten
Jahrzehnte, um erst gegen die Mitte des 5. Jahrhunderts allmählich wieder zu verschwinden.

4. Rückwärtiges Bildfeld der Exekias-Amphora.
ich Pfuhl, Malerei und Zeichnung der Griechen III, Abb.230.

l) Zur griechischen Beschriftung dieser und der folgenden Vasen ist zu bemerken, daß das vor Einführung des ionischen
Alphabets am Ende des 5. Jahrhunderts in Attika gebräuchliche lokale Alphabet verwendet ist. Dies kennt 1. keine
fangen Vokale (co, rr), 2. keine Doppelkonsonanten (H. \\>), 3. schreibt es den Hauchlaut H am Anfang des Wortes.
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