Furtwaengler, Adolf ; Reichhold, Karl
Griechische Vasenmalerei: Auswahl hervorragender Vasenbilder (Serie III, Text) — München, 1932

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Abb. 122. SUyplios, London E 140

TAFEL- 161

SKYPHOS DES HIERON IN LONDON

ELEUSIS

Das Bild ist einer der frühesten und schönsten Vorläufer des grossen cleusinischen Weihreliefs
im Athener Nationalmuseum. Wer sich in das Marmorwerk versenkt, wird immer wieder angezogen
werden von seinem erhabenen Konservativismus. Hier hat ein Zeitgenosse des Phidias im Schatten
des Parthenon, aber im Grunde unberührt von dessen neuer Freiheit, noch einmal ein grosses An-
dachtsbild aus dem alten Geist heraus geschaffen. Schon die rückwärts gewandte Formensprache, die
manchen zu früherem Ansatz verführt hat, lehrt dies; vollends aber ein Blick auf die gewaltige Menge
von Triptolemosbildem des strengen Stils und seiner Ausläufer.

Die Fülle der Denkmäler ist immer wieder gesammelt und gesichtet worden, von Gerhard, Stephani,.
Strube, Overbeck (Kunstmythologie, Viertes Buch S. 696 und 530), und zuletzt von Pringsheim in
den Archäol. Beiträgen zur Geschichte des eleusinischen Kults S. 9S. Dabei hat sich ergeben, dass
dieTriptolemossage erstmalig von den attischen Vasenmalern des späteren sechsten Jahrhunderts erzählt
wird, und zwar ganz anders als dann im strengen Stil. Triptolemos ist ein bärtiger König, immer voll
bekleidet. Sein Zauberwagen hebt sich ohne Flügel in die Lüfte, niemals ziehen ihn Schlangen. Die
Aussendung ist nicht das alleinige und auch nicht das älteste Thema; die Epiphanie, die Spendung
der Ähre geht voran. Als Gegenstück erscheint wiederholt die Spendung der Rebe durch Dionysos,
der sich Elite III 49 eines ähnlichen, aber geflügelten Zauberwagens bedient. Die Overbeck-Prings-
heimsche Liste (S. 9S, No. 1—7) lässt sich vermehren durch Zannoni tav.70, Arch. Anz, 1917 S. 107,
und indirekt durch die rotfigurige Schale in Berlin, Jahrbuch 1912 S. 257, wo Hephäst offenbar im
Plügelwagen des Dionysos zum Olymp fährt. Flügelwagen und Abschiedsbild, den ältesten Darstel-
lungen fremd, werden dann im strengen Stil kanonisch. Das Wichtigste aber ist die Verjüngung des
bärtigen Königs: er wird zum Jüngling, zum Knaben, zum Adoptivsohn der mütterlichen Gottheiten
von Eleusis. Die wunderbare Veränderung hat natürlich nicht die Kunst von sich aus gewagt: Triptolemos
tritt in dieser Zeit an die Stelle des Demophon, des mythischen Pflegekinds der Demeter (Apollodor.
biblioth. I 5; Hygin. fab. 147 u. 277; Hygin. astron. II 14). Aus dem Mitregenten des Keleos (Hymn.
Hom. Dem. 474) wird sein Sohn.

Die Reihe der Denkmäler, die etwa um 490 einsetzt und fünfzig Jahre später erhaben in dem
grossen Weihrelief ausklingt, ist so gross, dass sie allein schon für die ganz besondere Blüte des
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