Die Gartenkunst — 13.1911

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XIII> 2 DIE GARTENKUNST.

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Acer

Rubus

auch heute am Dreikönigstag steht ein solcher köst- übersieht. Es ist die bunte Rinde von Acer striatum,

hcher Strauß vollerblühter Andromeda caliculata auf auf der sich auf grünschwarzem Grunde ein feinesstriatum

meinem Schreibtisch. Marmornetz von weißen Adern ausbreitet.

Aber auch auf meinem Rundgang im Park be- Überhaupt tritt im Winter die Farbe von Rinde

gegnete mir bald diese liebliche Pflanze, es fällt mir und Knospe weit kräftiger in Erscheinung, es sind oft

hier das prächtige, weiche Lederbraun der Blätter ganz köstliche Farbennuancen zu beobachten. Auch

auf, das besonders deren Unterseite überzieht. Wie auf dem heutigen Rundgang fällt mir eine solche

ganz anders hier das weiche Braun der Andromeda farbige Pflanze, wie so oft schon früher angenehm auf,

caliculata gegenüber der glänzenden Pracht von Andro- es ist Rubus phoenicolasius, mit ihren rotborstigen

meda Catesbaei und doch wie schön alle beide! Zweigen. Diese schöne Himbeerart will im Park reich-pi°SUs°

Diese schönen, eigenartigen Pflanzen können im lich Platz haben, damit sie die 3— 4 m langen einjäh-
Park, ja selbst im Garten zu einem prächtigen Idyll rigen Ruten in graziösem Bogen über den Rasen
vereint werden, man muß nur für geeigneten Boden werfen kann. Dann ist sie aber auch hervorragend
und Standort sorgen. Hierhin würden dann vielleicht schön und erfreut besonders jetzt im Winter durch die
noch gehören die Kalmien, die Ledum, die Daphne, ganz eigenartig weinrote, fast metallisch glänzende
die Klethra, die zierlichen Alpenrosen; ich denke dabei Farbe der sammetartig dichten Borstenhaut, welche alle
hauptsächlich an die kleinblättrigen Arten wie Rhodo- Zweige überzieht. Auch die hellrosa Doldentrauben
dendron ferrugineum, hirsutum, praecox etc. der Blüte und die wiederum eigenartig gefärbten gelb-
Nahe bei diesen Moorbeetpflanzen, vielfach unter- roten Früchte. welche übrigens eßbar sind, zieren im
mischt mit denselben oder als Vorpflanzung pflanzte Früh]ahr und Sommer sehr.
Haide, ich in diesem Park auch Haidekräuter an, selbt jetzt An emer anderen Stelle treffe ich wieder auf
im Winter erfreuen die weichen sammetartigen Polster eme halbimmergrüne Gruppe, die hauptsächlich aus
der kleineren Arten und die braunen Büsche der größeren, harten besteht, zwischen welchen ab und zu Birken
Es gibt ja so viele schöne Arten unter diesen Haide- stehen- Uber die Vorzüge unserer heimischen Stech-
kindern, sowohl bei den Calluna, mehr noch aber bei den Palme> die einc Charakterpflanze des bergjschen Landes
Ericen, auchMenziesien undCassiope gehören hierhin. Es ist> brauche ich wohl nlchts zu sage < Sle ls\ ^gemein
blüht in einer solchen Haidepflanzung vom frühesten bekannt und geschätzt. Weniger bekannt aber ist die
Frühjahr (Erica carnea und mediterranea und Cassiope schöne gekerbtblättrige Hülse, Hex crenata.
tetragonaj an bis zum späten Herbst. In unserem Park ist Sie erinnerte in ihrer äußeren Erscheinung fast
eme kleine Ecke dergestalt mit Moorbeetpflanzen und an eine feinblättrige Buxusart, wenn sie nicht den
Haidekräutern bepflanzt; dazwischen stehen lichte Birken, charakteristischen Ilexwuchs hätte, der abgeschnittene
im Hintergrunde dunkle Fichten und Kiefern und weiter Zweig in der Vase sieht fast wie ein Myrthenzweig
zurück alte hohe Eichen. Es ist ein entzückendes Bild- aus. Auch diese Pflanze verdient größere Verbreitung,
chen, diese Haideecke, und sie bereitet dem Garten- Für dieses Mal mußte ich den Rundgang beenden, denn
besitzer andauernd Freude es dämmerte und ich konnte weder Form noch Farbe

Icli mnditP ho;p„ 1 -ü j- na mehr hinreichend erkennen. Doch ich war zufrieden,
icn moente bei Beschreibung dieser Pnanzengruppe , , , , ..
noch eine Pflanze erwähnen, die zur Blütezeit immer lch hattfe mich Wieder einmal an mancher Wmterschon-
Ä ihl'e Bewunde>-er findet, es ist Daphne cneorum. Hier helt erfreut und noch mehr, hatte ich doch den Fruh-
orumhabe ich sie vor und mit dem Haidekraut zusammen hng schon deutIlch gesehen trotz der ersten Januar-
angepflanzt. Auch jetzt, mitten im Winter, sah ich w0che- Reinhold Hoemann.
stets bei ihrem Anblick die Pflanzung im Blütenschmuck,
der sich im Mai mit köstlich duftenden, kleinen rosa-
farbenen Blüten entwickelt.

Den Übergang von diesen immergrünen und halb- Hpc 'srhillpfnnrt in Rprlin

immergrünen Moor- und Haidepflanzen Vermittelndann UQV ÖCni,,erParK m Derilll.

Birken und Ebereschen und von Sträuchern Ginster Als vor zwölf Jahren das Projekt eines neuen
und Hartriegel. Jedesmal freue ich mich im Winter Volkspark in den „Rehbergen" Berlins auftauchte, trat
über die Farbenpracht des sibirischen Hartriegels. Hier der verstorbene Dr. Carl Bolle, der Einsiedler der wegen
SbSeSSteht a'S0 Cornus sanguinea und besonders Cornus ihrer dendrologischen Schätze und durch Heinrich
' tatarica sibirica vor den dunkelgrünen Fichten und aus Seidels Schriften bekannten Tegeler Insel Schärfen-
dem roten Zweiggewirr steigt dann der silberweiße berg, warm für diese Idee ein. Mit gutem Humor
Stamm von Betula verrucosa (Sumpfbirke) in die Höhe, schrieb er damals: „Erdbändiger" hat einmal Rahel
Es ist ein farbenprächtiger Dreiklang, den hier das Levin den Schöpfer unseres deutschen Gartenstils, den
dunkle Grün, das satte Rot und das farblose Weiß in genialen Fürsten Pückler genannt. Hier ist für die
der Gehölzgruppe bilden. Väter unserer Stadt Ort und Gelegenheit gegeben, sich
Etwas weiter begegnet mir wieder eine solche eigen- den gleichen Ehrentitel, ja den noch eindringlicheren
artige Winterfarbigkeit, die man im Sommer fast stets „Sandbändiger" zu gewinnen.
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