Die Gartenkunst — 32.1919

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sehen Arbeit. Nicht als ob ich einer kunter-
bunten, sentimental-romantischen Bauerei, wie
sie uns leider auch die letzten Kriegsjahre
in großem Maßstab beschert haben, das Wort
reden wollte, aber mir scheint hier von Behrens
ein bauästhetischer Punkt durchaus sachlicher
Art vernachlässigt, der ebenso wie alle andern
künstlerischen Forderungen der Aufgabe einer
sichtbaren Gestaltung bedarf und sich auch im
Rahmen des sparsamen Bauens sachlich lösen
lassen muß.

Meine Forderung einer kräftigeren Betonung
der einzelnen Teilhäuser ist für den Garten-
künstler von großer Bedeutung, weil diesem die
Möglichkeit gegeben ist, auf seinem Gebiet nach-
zuholen oder zu unterstreichen, was im Hausbau
versäumt oder nur undeutlich ausgebildet ist.
Er kann in den unvermischt nebeneinander lie-
genden Gartenstücken den allzustrengen Gleich-
klang der Hauskörper auflockern, oder bei ein-
fachen Reihenhäusern deren „papierne Flächen-
hafligkeit“ beleben, und mit wohlüberlegter
Buntheit ein Gleichnis der Vielgestaltigkeit der
Siedlungsbewohner schaffen; seine Aufgabe ist

es, den Schlußstein des Werkes zu setzen und
der Natur die Grundlagen zu schaffen, auf denen
sie Haus und Garten und Straße zu einem stim-
mungsvollen Ganzen verschmelzen soll. Dazu ist
es aber nötig, und das betont auch Heicke nach-
drücklich, daß bei der Gestaltung der Siedlung
nicht nur der Architekt, sondern ebensogut der
Gartenfachmann zu Rate gezogen wird. Kein
anderer als er kann diese obendrein jedem Be-
schauer ausgesetzten Gärten sowohl nach ihrer
nutzbringenden wie nach ihrer schönheitlichen
Seite so gründlich ausbilden, wie es dem zu-
sammenfassenden Gedanken einer neuzeitlichen
Siedlung entspricht.

Mit der einen Ausstellung der allzu indifferen-
ten äußeren Gestaltung der Häuser kann man
aber dem trefflichen Buch in allen Teilen voll
zustimmen, und selbst für den, der seine Schluß-
folgerungen ablehnen muß, bleibt es ein reiz-
voller Einblick in das Schaffen einer künstle-
rischen Persönlichkeit ersten Ranges und als
solches vorbildlich und ein hervorragendes Be-
legstück für den Geist unserer Zeit.

Otto Völckers, Ardi. D. W. B.

Theodor G. Karidl, Bürgerparkdirektor, Bremen f.

Am 7. Dez. 1918 starb
in Bremen an den Folgen
einerLungenentzündung der
Gartenarchitekt Theodor G.
Karich, seit 1908 Direktor
des Bremer Bürgerparks.

Karich war geboren am
29.November 1853. Nachbe-
endigter Schulzeit und erster
Ausbildung im Geschäfte sei-
nes Vaters und bei Peter
Smith in Bergedorf besuchte
er die Kgl. Gärtnerlehran-
stalt am Wildpark in den
Jahren 1873 bis 1875. Nach-
her trat er in das väterliche
Geschäft wieder ein, und
hat als Gartenarchitekt von
Ruf in Bremen und im übri-
gen Norddeutschland eine
große Anzahl Anlagen ge-
schaffen. Nach dem Tode
Orths übernahm er die Lei-
tung der AnlagendesBremer
Bürgerparks, und hat sich
auch in dieser Stellung durch
seine technischen und künst-

lerischen Maßnahmen Aner-
kennung weiter Kreise zu
erwerben gewußt.

Der Deutschen Gesell-
schaft für Gartenkunst ge-
hörte er lange Jahre als ge-
schätztes Mitglied an. Im
Jahre 1904 wurde er in den
Vorstand gewählt, und hat
als Schatzmeister mehrere
Jahre die Kassengeschäfte
geführt. Die Gesellschaft
verliert in ihm ein Mitglied,
welches ihre Bestrebungen
immer rege unterstützt hat
und namentlich in den Jahren
ihresNeuauf baues ein treuer
Helfer war. Erst als in der
letztenZeit seine Gesundheit
zu wünschen übrig ließ, zog
er sich aus der Öffentlichkeit
zurück. Sein Andenken wird
von allen, die dem liebens-
würdigen und feinsinnigen
Manne näher treten konn-
ten, allezeit in Ehren gehal-
Bürgerparkdirektor Karidl, Bremen. ten werden.

Für die SdirifUeitung verantwortlich: Gartendirektor Heicke, Frankfurt a. M Selbstverlag der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst.

Druck der Universitätsdruckerei H. Stürtz A.G., Würzburg.
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