Die Gartenkunst — 32.1919

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Gartenweg mit Buchseinfassung.

Beispiel für Tiefenwirkung.

Aufnahmen von Heicke,

Laubengang aus einfachem Lattengerüst.
Aus einem rheinischen Garten.
Frankfurt a. M.

mag an einigen wenigen Beispielen gezeigt werden,
die alle das gemein haben, daß bei ihnen nichts
weiter geschehen ist, als in der Blickrichtung des
Längsweges oder wo dieser fehlt, in der Mittel-
achse irgend ein einfaches Motiv einzuschalten, das
sich in ungezwungener Selbstverständlichkeit dem
Gartenbilde einfügt.

Schon die einfache Fassung eines Wegs mit
beiderseitiger scharfer Buchsbaumkante (Bild hier
oben links) wirkt außerordentlich vorteilhaft, nicht
nur weil sie, was jedem ohne weiteres auffällt, den
Eindruck der Gepflegtheit, der Ordnung und Sauber-
keit hervorruft, sondern weil durch die Linien Tiefen-
wirkung in das Bild kommt und Beziehung zwischen
Vorder- und Hintergrund hergestellt wird. Der an
sich stimmungsvolle Plattenweg auf dem Bilde
Seite 36 unten bringt diese Wirkung viel weniger
hervor.

Gut wirkt die Anordnung irgend eines Gegen-
standes im Zug des Hauptwegs, wie es an dem
einfachen, künstlerisch durchaus belanglosen Schöpf-
becken auf Bild Seite 39 oben rechts zu sehen ist.
Der Mittelweg als Laubengang ausgebildef, ist ein
Motiv, das in vielen Gärten, wie sie uns beschäf-
tigen, am Platze ist. Das Beispiel, welches hier
oben rechts gezeigt wird, ist wieder von so schlichter

Einfachheit, daß der gute Eindruck, den es erweckt,
nur auf die Anordnung an sich, keineswegs aber
auf irgendweihe Besonderheiten in der Ausführung
zurückzuführen ist. Ein solhes Lattengerüst, mit
Reben berankt, kann jeder, der nur einen gewissen
Blick für solhe Dinge hat, in seinem Gärtchen her-
stellen.

Eine Bank von anständiger Form, sei sie noh
so einfah, im Blickpunkt eines Weges oder in
der Mittellinie des Gartens aufgestellt, lenkt das
Auge auf sih und belebt die Szenerie. Sie ge-
hört in den Garten, fällt durh nihts aus dem
Rahmen heraus und wirkt durh ihre Anspruchs-
losigkeit befriedigend. Und nun nehme man Bank
und Laubengang zusammen, wie es auf Bild
Seite 37 unten gezeigt ist. Auh hier ist von
Kunst im Sinne von gesuhter Wirkung keine Rede,
die Bank steht in dem von dem Laubengang als
Rahmen gefaßten Bilde mit einer solhen Selbst-
verständlichkeit, es ist so gar nihts Besonderes an
der Sähe, daß Niemand wird einwenden können,
das ließe sih niht in jedem kleinen Siedlergarten
mähen. Zur Beruhigung ängstliher Gemüter sei
noh bemerkt, daß das Gärthen, aus dem dies Bild
genommen ist, 15 mal 20 Meter Flähe umfaßt.

Heicke.

Bücherschau.

Elly Petersen, Das neue Gartenbuch für Kriegs-
und Friedenszeiten. Gelber Verlag, Dahau. In
Zeiten, wo jeder darauf bedaht ist, seinen Kohl
selbst zu bauen, ist die Frage nah einem guten
Buh, das dem Neuling und Anfänger guten Rat
erteilt, sehr lebhaft. Und in der Regel ist man in
Verlegenheit, wenn man einem solhen neuen Jünger
der Gartenkultur ein passendes Buh empfehlen
soll. Es gibt ja genug. Zumeist sind sie aber von
Fahleuten geshrieben, setzen vielfah Dinge als

bekannt voraus, von denen der Laie keine Ahnung
hat, und behandeln trotz des Bestrebens, allge-
mein verständlih zu sein, die meisten Dinge ent-
weder weitschweifig, sodaß der Lernbegierige
nahher so klug ist wie zuvor, oder sie langweilen
durh trockenlehrhaften Ton, statt anzuregen und
zu ermuntern.

Da hat sih das Neue Gartenbuh von
Elly Petersen zur rehten Zeit eingestellt, ein
Ratgeber, von einer Laiengärtnerin für Laien ge-

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