Die Gartenkunst — 32.1919

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Standesnachrichten.

FriedhofsinspeKtor Georg Beitz *j*, Cöln. In dem

am 6. Mai d. J. aus dem Leben geschiedenen Fried-
hofsinspektor Beitz in Cöln hat die Deutsche Ge-
sellschaft für Gartenkunst ein sehr verdienstvolles
Mitglied verloren. Sein, uns allen unerwartet, nach
kurzer Krankheit eingetretener Tod weckt aber auch
über die Kreise der Gesellschaft hinaus schmerz-
liche Teilnahme; denn Beitz war eine Persönlich-
keit, die schon ihrer rein menschlichen'Eigenschaften
wegen nicht unbeachtet geblieben ist.

G. Beitz war von Geburt Schlesier; in Breslau,
wo sein Vater Eisenbahnsekretär war, hat er am
9. Januar 1865 das Licht der Welt erblickt und die
größte Zeit seiner Jugend verlebt. Seine Schul-
bildung erhielt er an den Gymnasien in Breslau
und Thorn. Bei der Berufswahl wurde er durch
Rücksicht auf die Beschaffenheit seiner Augen dem
Gartenbau zugeführt; in der Gräfl. Sdiaffgottsch-
schen Gärtnerei in Koppitz begann er im Jahr 1881
seine Laufbahn. 1884—1886 besuchte er die Lehr-
anstalt für Obst- und Gartenbau in Proskau, und
trat damals schon durch seine mit zielbewußtem
Fleiß verbundenen Fähigkeiten hervor; die Ab-
gangsprüfung bestand er mit besonderer Auszeich-
nung. Nach vorübergehendem Aufenthalt in Russisch-
Polen und in den botanischen Gärten in Königs-
berg, Heidelberg und Breslau trat er 1890 in die
Cölner Gartenverwaltung, die damals unter Garten-
direktor Kowalleck eine besondere Anziehung auf
vorwärtsstrebende jüngere Gartenarchitekten aus-
übte. Er fand zunächst Verwendung bei der Anlage
des Cölner Volksgartens, wurde 1893 als Ober-
gärtner am Melatener Friedhofe angestellt und
übernahm im Herbst 1896 die Verwaltung des
Nordfriedhofes in Cöln-Merheim, einer der seiner
Zeit viel beachteten Kowalleckschen Friedhofs-
Schöpfungen.

In jenen Jahren ist Beitz mehrfach durch seine
Beteiligung an gartenkünstlerischen Wettbewerben
hervorgetreten; 1893 fiel ihm in dem vom Verein
deutscher Gartenkünstler ausgeschriebenen Wett-
bewerbe für den Georgsplatz in Hannover der zweite
und im folgenden Jahre bei dem Wettbewerb der
Stadt Halle für das Riebeckstift der erste Preis zu.
Bei diesen und anderen Arbeiten ist unverkenn-
bar, daß Beitz bei seinem Schaffen zwar von Ko-
walleck beeinflußt wurde, sich aber nicht restlos
diesem Einflüsse unterordnete, sondern seine per-
sönliche Eigenart zu bewahren wußte; besonders
sein Entwurf für den Georgsplatz zeigt deutlich,
daß das Zeug zum Gartenkünstler in ihm steckte.
Äußere Umstände, besonders wohl die Rücksicht
auf seinen bereits im Jahre 1893 gegründeten Haus-
stand, mögen die Veranlassung gewesen sein, daß
sein Lebensweg statt dessen in die Verwaltungs-
laufbahn mündete. Auch sein Verzicht auf den ihm
im Jahre 1907 angebotenen Eintritt in die Aadiener
Gartenverwaltung wird darauf zurückzuführen sein.
Indessen ist er auch in der Folgezeit nicht im Ver-
waltungsdienste verknöchert, hat seinen Friedhof
sorgsam ausgebaut und zu künstlerischen und tech-
nischen Fragen der Friedhofsgestaltung wiederholt
Stellung genommen.

Ein besonderes Feld anregender Betätigung
fand er in der Deutschen Gesellschaft für Garten-
kunst, an deren Bestrebungen er von jeher Anteil
nahm. In den Jahresversammlungen trat er als
Redner hervor, der das Wort beherrschte und durch
Folgerichtigkeit des Denkens viel zur Bereicherung
und Ergiebigkeit der Tagungen beigetragen hat.
Wir denken gern daran, wie er oft in kritischen
Augenblicken die Verhandlungen durch seine klaren

und formvollendeten Ausführungen zu beeinflussen
wußte.

Im Jahre 1908 übernahm er die Geschäfts-
führung der Gesellschaft und behielt auch nach der
Einrichtung einer selbständigen Geschäftsstelle im
Jahre 1914 die Führung der Schatzmeistergeschäfte
bei. Er hat sich bei dieser Tätigkeit durch unver-
drossenen Fleiß und peinliche Gewissenhaftigkeit
ausgezeichnet, und wenn die Lage und das Ansehen
der Gesellschaft sich seit Jahren fortschreitend ge-
hoben haben, so ist es zum großen Teil seinem
hingebenden Wirken zu verdanken. Die ihm eigene
Umsicht und Sorgfalt selbst in Nebendingen trugen
auch zum Gelingen der Auslandsreisen unserer Ge-
sellschaft in den Jahren 1909—1912 bei, deren Vor-
bereitung und Durchführung ihm anvertraut war und
die alle Teilnehmer durch ihr Ergebnis befriedigten.

Wenn noch erwähnt wird, daß er als Schrift-
führer des Ausschusses für die Vorbereitung des
Reichsverbandes in den Jahren 1910—1913 sich an
den Einigungsbestrebungen im deutschen Garten-
bau beteiligte, so ist damit nicht im entferntesten
erschöpft, was er in selbstloser Uneigennützigkeit
für die Förderung der Berufsinteressen beigetragen
hat. Wir halten es für unsere Pflicht, alles dies
hervorzuheben, um seinen Anteil an der Hebung
des Berufs und die ihm dafür geschuldete Dankes-
pflicht festzustellen. Ihm selbst widerstrebte es
seiner zurückhaltenden und anspruchslosen Natur
nach, irgendwelches Aufheben von seinen Leistungen
zu machen. Er war eben einer, der still und schlicht
durch das Leben ging und jederzeit, mehr als an
sich selbst, an die Interessen der Allgemeinheit
dachte und für sie wirkte.

In diesem Lichte steht sein Bild vor den Augen
aller, die ihm längere oder kürzere Zeit in gemein-
samer Arbeit nahe gestanden und einen Einblick in
seine Wesensart gewonnen haben, besonders uns,
die mit ihm in der Führung der Deutschen Gesell-
schaft für Gartenkunst tätig gewesen sind. Sein
Andenken wird allezeit unter uns fortbestehen.

Vorstand und Geschäftsstelle der Deutschen
Gesellschaft für Gartenkunst.

Max Ziegenbalg, Dresden-Laubegast, ist am
28. April d. J. im 57., Lebensjahre nach kurzem
Krankenlager gestorben. Nicht allein der Verband
deutscher Gartenbaubetriebe, dessen 1. Vorsitzen-
der er war, sondern der ganze deutsche Garten-
bau hat dadurch einen schweren Verlust erlitten,
der in der jetzigen Zeit des Neuaufbaues auf allen
Gebieten kaum zu ersetzen ist. Unsere Gesellschaft,
zu der der Verstorbene jederzeit in den besten Be-
ziehungen gestanden hat, fühlt sich eins mit der
gesamten gärtnerischen Fachwelt Deutschlands in
dem schmerzlichen Bedauern über seinen Tod, der
einem noch zu großen Erwartungen berechtigenden
Leben ein allzufrühes Ziel gesetzt hat.

HofgartendireKtor L. Graebener, Karlsruhe,
ist am 24. Mai d. J. 70 Jahre alt geworden. Seine
Verdienste als Fachmann und Vorstand der Badi-
schen Hofgartenverwaltung sind so bekannt, daß
es sich erübrigt, sie an dieser Stelle besonders
aufzuzählen. Seit Kriegsbeginn hat er als Major
beim Kriegsbekleidungsamt in Karlsruhe und in
anderen Stellungen neben der Wahrnehmung seiner
Geschäfte als Hofgartendirektor dem Vaterlande
wertvolle Dienste geleistet. Die politische Umwäl-
zung hat eine Störung in seine Verhältnisse ge-
bradrt, aber wir hoffen und wünschen, daß dadurch
der ruhige Lebensabend, auf den er nach einem
Leben voller Arbeit Anspruch hat, nicht ernstlich
beeinträchtigt werden möge.

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