Die Gartenkunst — 32.1919

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Natursinn des Volkes zu stärken und die Volks-
bildung nach allen Richtungen zu fördern;

2. daß nach Maßgabe vorstehender Grundsätze
die Denkmäler, die dem Staate aus fürstlichem Be-
sitz zufallen, nicht verwandt werden dürfen zu einem
Zweck, der ihre künstlerische und geschichtliche Be-
deutung beeinträchtigt oder ihre Erhaltung gefährdet;

3. daß bei der Auseinandersetzung zwischen
fürstlichem und staatlichem Besitz dahin gewirkt
werde, daß auch die im Besitz der fürstlichen Familien
verbleibenden hervorragenden Kunstdenkmäler nach
Möglichkeit entsprechend ihrer geschichtlichen und
künstlerischen Eigenart erhalten bleiben;

4. daß, da nunmehr der staatliche Besitz an
Bau- und Kunstdenkmälern einen überaus wert-
vollen Zuwachs erhalten wird, der alten Forderung
der Vertreter der Denkmalpflege Rechnung getragen
werden soll, wonach auch dieser Besitz der Zu-
ständigkeit der berufenen Organe der Denkmal-
pflege zu unterwerfen ist.“

Bücherschau.

Der Profanbau, Heft 13/14 befaßt sich in ein-
gehender Weise mit der Siedlungsfrage. Architekt
Zetzsche - Radebeul zeigt die
Entwicklung des Siedlungs-
wesens an Hand von Haus-
grundrißtypen aus alter und
neuer Zeit. Ganz besondere
Beachtung verdienen seine
Worte, die er den Arbeiten
von Prof. Hoegg-Dresden wid-
met. Das Ergebnis, zu dem
ihn ein preisgekrönter Ent-
wurf des letzteren führt, wird
am besten durch einen Ab-
schnitt getroffen, den hier
wörtlich wiederzugeben ich für
notwendig erachte.

„Die ganze Siedlung bildet
gewissermaßen einen großen
Garten, in dem vor allem der
Pflanzenwuchs zur Geltung
kommt. Die Häuser schauen
hinter diesen Gartenanlagen
mit ihren Beeten und Obst-
bäumen in solcher Entfernung
heraus, daß sie nur als ge-
schlossene Massen und kaum
mehr in ihren Einzelheiten
wirken. Aller architektonische
Aufwand an Giebeln, Haus-
turmmotiven usw. läßt sich
also von vornherein als völlig
überflüssig ersparen“.

Auch ich betrachte die Arbeit von Prof. Hoegg
als eine außerordentlich gelungene Lösung, schon
deswegen, weil sie einen erneuten Beweis für den
Grundsatz einer weitgehenden Typisierung derWohn-
gebäude darstellt. Mit der einsetzenden Typisierung
und einer hoffentlich recht bald zu erwartenden
Lösung der Abwässerfrage verschiebt sich der Schwer-
punkt der Aufgabe nach der Richtung, die zu allein
günstigen Ergebnissen führen wird, nach der Garten-
siedlung, in die die Einzel- oder Reihenhäuser u. a.
die Häuserblodcs sich organisch einfügen. Inwie-
weit das Genossenschaftsbedürfnis der künftigen
Siedler den jeweiligen Aufgaben ein örtlich be-
merkenswertes Gepräge geben wird, bleibt abzu-
warten. Heilig.

Hermann König, Gartensozialismus. Verlag
Konrad Hanf, Hamburg. 1919. Ein zeitgemäßes-
Buch, nicht seines Titels, sondern seines Inhalts
wegen. Der Verfasser behandelt eingehend die
Nutzbarmachung des Gartens in seinen verschiede-
nen Formen für die Gesundung unserer Wirt-
schafts- und Bevölkerungsverhältnisse. Er gliedert
seinen Stoff in drei Gruppen: Die Siedlung, Miets-
kaserne und Gartengrün und Parkanlagen indu-
strieller Betriebe. Im ersten Teile behandelt er die
Fragen des Siedlungswesens
vom Standpunkt des Garten-
fachmannes und bringt eine
Reihe beachtenswerter Vor-
schläge über die grundlegen-
den Fragen (Geldbeschaffung,
Erbbaurecht usw.), Wahl des
Geländes, Lösung der Ver-
kehrsgelegenheiten, Bodenbe-
schaffenheit, Wasserversorgung
und dergl. Sehr gründlich er-
örtert er den Siedlungsplan
und die Gartenbewirtschaftung,
dabei auf die Ausnutzung der
Abfälle des Haushaltes aus-
führlich eingehend. Im Kapi-
tel über Gartengrün und Miets-
kaserne weist er die Wege
nach, durch Ausnutzung der
verschiedenen Möglichkeiten
(Gartenhöfe, Innengärten, Dach-
gärten und dergleichen) die
Schattenseiten dieser Bauweise
aufzuhellen, und im dritten
Abschnitt wird ein großzügiges
Programm entwickelt für die
schönheitliche und gesundheit-
liche Ausgestaltung industriel-
ler Betriebe mit ihrem Anhang
von Beamten- und Arbeiter-
siedlungen. H.

Hofgärtner Richard Ahrens, Baden-Baden.

R. Ahrens, Hofgärtner in Baden-Baden.

Ein langjähriges Mitglied der D. G. f. G.,
der Vorsitzende der Gruppe Süd-West, Richard
Ahrens, ist nach über 25jähriger Tätigkeit in
Baden-Baden am 1. Juli d. Js. in den Ruhe-
stand getreten. Das Haus an der Schloßterrasse
war ein Haus der „Gäste“ in bestem Sinne,
der Gastgeber von einer herzlichen Liebens-

würdigkeit. Sein Rücktritt in den Ruhestand
soll heute keine Veranlassung zu einer um-
fassenden Würdigung seiner Lebensarbeit sein,
da wir alle, die ihn kennen und ihm nahe-
stehen, trotz der „60“ von seiner geistigen
Frische noch recht viel für die Allgemeinförde-
rung des Berufes erhoffen. Heilig.

Für die Schriftleitung verantwortlich: Gartendirektor Heicke, Frankfurt a. M. Selbstverlag der Deutsdien Gesellschaft für Gartenkunst.

Druck der Universitätsdruckerei H. Stürtz A.G., Würzburg.
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