Die Gartenkunst — 32.1919

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Offener Gartensitz unter Dadi. Philipp Meng es, Architekt, Frankfurt a. M.

werden. Man achte nur einmal darauf, wie dicht
besetzt die vorhandenen Bänke bei gutem Wetter
sind. In den Geschäfts- und Industrievierteln der
Stadt sieht man während der Arbeitspausen viele
Menschen draußen, die auf Einfriedigungen und
Bordschwellen hocken müssen, um da ihre Mahl-
zeit zu verzehren und frische Luft zu schöpfen.

Auch für die Verwertung der Vorgärten hat
Dr. Hamburger eine neue Anregung. Vorgärten,
so wie man sie überall sieht, sind nichtsnutzig. Sie
sind kein Zeugnis für einen guten Geschmack, weil
sie meist schlecht gepflegt sind. Viel ist über sie
schon gestritten worden. Dr. Hamburger schlägt
nun vor, um der
großenSäuglings-
sterblichkeit zu
steuern, die Säug-
linge im Sommer
in die Vorgärten
zu bringen. Hier
sollen sie in Hän-
gematten liegen,
und von Helfe-
rinnen des natio-
nalen Frauen-
dienstes beauf-
sichtigt werden.

DerVorschlag hat
wohl etwas Ver-
lockendes, aber
ungünstige Witte-
rung, Werktätig-
keit der Mütter,

Verschiedenartig-
keitderNahrungs-
aufnahme und
des Alters der
Säuglinge lassen
seine Ausführung
schwer möglich
erscheinen.

Jedenfalls ist
die eingehende
Behandlung des
Spielplatzpro-
blems durch Dr.

Hamburger dank-
bar zu begrüßen.

Jede Gemeinde
sollte seinenVor-
schlägen Gehör
schenken und sie
zu verwirklichen
suchen. „Das

Wichtigste für die Jugend wie für das gesamte Volk
ist die tägliche Lebensführung: gutverbrachte All-
tage sind wesentlicher als die schönsten Ferienko-
lonien — die übrigens trotz aller Wohltätigkeit nur
einem verschwindenden Bruchteil (in Berlin noch nicht
2°/o) der großstädtischen Jugend zugute kommen.“
R. Fischer, Gartenarchitekt, Berlin-Tempelhof.

Büdierschau.

Harry Maasz, Heimstätten und ihre Gärten.

Verlag Oscar Laube, Dresden 1919. Mk. 5.50. Die
Heimstättenfrage wird in diesem Büchlein vom

Standpunkt des
Garten gestalters
behandelt. Mit
Recht! Denn „es
ist doch wohl
immer der Gar-
ten, dessen ge-
heimnisvolle
Kräfte in uns
die tiefe Sehn-
sucht erwecken,
die an Straßen
getürmten Woh-
nungen zu ver-
lassen, um an der
Sonne und unter
Grün und Blumen
ein lebenswertes
Dasein zu führen.
Der Garten ist es
auch, dessen Viel-
heit — Garten bei
Garten — jene
Siedlungen
schafft, die wir
Gartensied-
lungen, Garten-
stätte heißen, in
deren Grün die
Wohnungen trau-
lich liegen , die
Heime glücklicher
Menschen, denen
die Sonne Kräfte,
freudige, nie ver-
ebbende Arbeits-
freudigkeit spen-
det, und deren
Früchte und
Blumen jene inne-
re Glückseligkeit

Achteckiges offenes Gartenhaus unter Zeltdach mit geschlossener
Rückwand. Hans Merz-Neff, Architekt, Frankfurt a. M.

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