Die Gartenkunst — 32.1919

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Die Ausbildung in der Gartenkunst kann vom
Fachunterricht m. E. nicht getrennt werden. Die Lehr-
kräfte an den Kunstgewerbeschulen sind im allge-
meinen auf dem Gebiete der Gartengestaltung Laien,
da ihnen die handwerklichen Grundlagen fremd sind.

Um besonders befähigten Absolventen des Lehr-
ganges für Gartengestaltung Gelegenheit zur weiteren

Ausbildung zu geben, empfehle ich die Einrichtung
einer Meisterklasse an der Hochschule für
Gartenbau durch Heranziehung geeigneter Lehr-
kräfte oder Einrichtung einer solchen Klasse an einer
technischen Hochschule oder Akademie, Weimarer
Bauhaus oder einer ähnlichen Bildungsstätte.

Herrn.Wernike, Stadtgarteninspektor.

„Offizielle Gartenkunst“.

Verehrtester! Sie schrieben mir kürzlich, die Be-
strebungen der offiziellen Gartenkunst würden für
das Siedlerwerk nicht von großem Nutzen sein. Was
heißt „Offizielle Gartenkunst“? Meinen Sie damit
die Auffassung, die ich selbst vertrete, wenn ich öfter,
als meiner Neigung und dem allgemeinen Interesse
entspricht, infolge der allgemeinen Arbeitsunlust
meiner Mitarbeiter zur Feder greife, um unsere
Spalten zu füllen? Was unter meinem Namen
in der Garten-
kunst erscheint, ist
immer nur Aus-
druck meiner per-
sönlichen Anschau-
ung, und hat nicht
mehr Bedeutung,
als was jeder an-
dere Mitarbeiter
auch schreibt; es sei
denn, daß man,wie-
der sehr gegen mei-
nen Wunsch, dem,
was ich zu sagen
habe, mehr Beach-
tung schenken woll-
te, weil man mir
größere Erfahrung
und Umsicht zu-
traut als andern.

Eins wäre so ver-
kehrt wie das an-
dere, und ich kann
nicht nachdrücklich
genug dagegenVer-
wahrung einlegen.

Ihr Ausdruck
kann aber auch so
gemeint sein, als
werde von Gesell-
schafts wegen eine
besondere, dann
natürlich nur auf
einem Kompromiß
beruhende Auffas-
sung von Garten-
kunst gepflegt und
von mir, wohl gar
wider bessere
Überzeugung, in
der Zeitschrift ver-
treten. Gegen eine
solche Unterstel-
lung will ich mich
nicht ernsthaft weh-
ren. Denn wer
mich kennt, weiß,
daß ich für Kom-
promisse , beson-

ders in derartigen Dingen, nicht zu haben bin,
oft zu meinem eigenen Schaden. Und vom Vor-
stande der Gesellschaft ist nie versucht worden,
meine? Unabhängigkeit in der Schriftleitung in Frage
zu stellen; das schließt nicht aus, daß man sich
gelegentlich über etwaige, durch besondere Umstände
gebotene rein geschäftliche Vorzugs-Behandlung ge-
wisser Fragen verständigt.

Also auch mit dieser Art offizieller Gartenkunst

ist es nichts. Aber
man sollte sich
überhaupt vor der-
artigen vergiften-
den Wendungen
hüten. Damit sich
auch in Zukunft
keine offizielleGar-
tenkunst heraus-
bildet, gibt es ein
sehr einfaches Mit-
tel : Jeder, der zu
vorliegenden Fra-
gen etwas zu sagen
hat, tue das unge-
scheut. Je lebhafter
dann die Meinun-
gen aufeinander-
platzen, um so lie-
ber ist es mir, denn
es fördert uns.

Auch Sie selbst,
sehr Verehrter,
sollten dabei mit-
tun, anstatt sich
unter der von
Ihnen gewählten
und, verzeihen Sie,
etwas bequemen
Ausrede tätiger
Mitarbeit zu ent-
ziehen. Seien Sie
versichert, ich lasse
für die Äußerung
selbständiger An-
sichten nur zwei
Voraussetzungen
gelten: S a chli di-
keit und gute
Form. Das bin
ich der mir an-
vertrauten Zeit-
schriftschuldig. Sie
haben bereits be-
wiesen, daß sie bei-
des erfüllen kön-
nen. Also bitte!
Ihr sehr ergebener
Heicke.

Landsitz in Rüschlikon.

Gartenarchitekt Paul Schädlich, Zürich und Glauchau i. Sa.
Blick von der großen Hausterrasse nach Norden über die Parkwiese.

Für die Schriftleitung verantwortlich: Gartendirektor Heicke, Frankfurt a. M. Selbstverlag der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst.

Druck der Universitätsdruckerei H. Stürtz A. G., Würzburg.
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