Die Gartenkunst — 32.1919

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Pavillon im Park von Rheinsberg.

Rheinsberg.

Durch die Veränderung der politischen Lage
seit der Revolution schienen zunächst die uner-
setzlichen und teilweise sehr ausgedehnten alten
Parkanlagen, die als Ausdruck fürstlicher Pracht-
liebe undhöfischenGlanzes über die ganze deutsche
Heimat verstreut sind, gefährdet. Doch hat man
sich schnell auf den Wert der ererbten Güter
besonnen und sie unter nationalen Schutz gestellt.
Besonders die Fachwelt hat auf den ideellen
Nutzen dieser Anlagen für das Volkswohl auf-
merksam gemacht, und so kann denn heute der
Bestand unserer Hof- und Schloßgärten in der
alten Form als weiter gesichert gelten.

Einer dieser Schloßgärten ist der alte Park
von Rheinsberg. Nördlich von Berlin, hart an
der meddenburgischen Grenze, malerisch zwischen
einem kleinen Städtchen und einer Seenfläche
gelegen, träumt er von dem heiteren und doch
so tiefen Lebensgenuß des Rheinsberger Musen-
hofes, den sich der junge Fritz, der nachmalige
große König Friedrich, als Kronprinz schuf.

ImFrühjahr deß Jahres 1734 erwarb der Kron-
prinz das Gelände beim Kaufe des Gutes Rheins-
berg. Es war hier zunächst nichts als Ödland, nur
auf dem höher gelegenen Teile des Parkgeländes
standen vereinzelte Bäume und wildwachsendes
Buschwerk; die Wasserseite war nur ein sump-
figer Erlenbruch. Noch im selben Sommer brachte
Friedrich in die Wildnis Ordnung und gärtne-
rische Pflege. Der Boden wurde geebnet, und
der Sand zur Erhöhung und Trockenlegung des

Bruches verwandt. In der Verlängerung der auf
das Schloß zuführenden Brücke wurde eine sehr
breite Allee angelegt, die mit einem prächtigen
Gittertor abschließt; eine andere kreuzt diese
Allee rechtwinklig, und teilt den Park der Länge
nach in eine südliche und nördliche Hälfte. Der
Mittelpunkt dieser Allee wurde durch einen run-
den Gartenpavillon betont. In dem am Schlosse
gelegenen Parkteile stellte man eine Orangerie
auf, und der Platz ringsum wurde gärtnerisch
verschönt. Er hieß der Orangerieplatz. Die Art,
wie er in gleiche Stücke aufgeteilt, und jedes
wieder in Rabatten zerlegt, die Wege mit ge-
schnittenen Buchenhecken eingefaßt waren, ent-
sprach ganz der damals üblichen, französischen
Gartenkunst, und Friedrich selbst entwarf dafür
und überwachte die Ausführung. Daneben machte
sich nun, wie beim Ausbau des Schlosses, das
auch noch nicht vollendet war, der künstlerisch
reifere und selbständige Geschmack von Knobels-
dorf bemerkbar. Indem er unbeirrt dem eigenen
Antrieb folgte, verschmähte er es, die Natur in
den Reifrock der gestutzten Hecken, abgezirkelten
Rabatten und schnurgeraden Wege zu zwängen.
Er versuchte vielmehr, ihr die natürlichen Reize
des Landschaffcsbildes zu erhalten und ihr lieb-
reich und verständnisvoll nachzuhelfen, wo sie
noch wild und öde war, indem er hier eine
kleine Waldwiese entstehen ließ, dort Buschwerk
pflanzte und an einer anderen Stelle eine Lich-
tung schuf, damit eine alte Eiche oder Baum-

Gartenkunst Nr. 10, 1919.

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