Die Gartenkunst — 32.1919

Page: 140
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der Abmieter eine jährliche Miete von 110 bis
160 Mark für Wohnküche, Stube und Kammer
im Erdgeschoß und eine bezw. zwei Kammern
im Obergeschoß; dazu kommt dann noch ein
kleiner Stall. Für beide Parteien geradezu ideale
Verhältnisse. Um das Verhältnis zum Jahres-
verdienst zu erkennen sei bemerkt, daß vor dem
Kriege etwa 1400 — 2300 Mark, augenblicklich
3600 — 4800 Mark von einem Bergmann durch-
schnittlich verdient wurden bezw. werden.

Aus der Fülle des Materials seien hier die
Anwesen von Bruns und Heuer herausgegriffen
(Abb. Seite 138, 139 u. 140). Beide sind im Grund-
riß des Hauses gleich. Recht entscheidend für
die Aufteilung des Gesamtgrundstückes ist nun
die Lage des Stalles. Beim Haus Heuer ist vor
Jahren der Stall abgebrannt und der Hauseigen-
tümer entschloß sich, nach Zureden vom Gemeinde-
vorsteher, den Stall nicht an seine alte Stelle
(analog dem Hause Bruns), sondern hinter das
Haus zu legen. Es entstand also ein Bild, das
wir beim ländlichen Reihenhaus heute immer mehr
anfinden. Da ist wohl die Frage berechtigt: gehört
in der ländlichen Siedlung der Stall hinter das
Haus oder seitwärts an das Haus? Gewiß ist
auch hier von Fall zu Fall zu entscheiden. Blei-
ben wir bei vorliegender Ansiedlung, und wir
sehen, daß die Abbildung Seite 138 unten gegen-
über der Abbildung Seite 138 oben die erheblich
bessere Aufteilung des Grundstückes ermöglicht.
Grundsätzlich das Stallgebäude neben das Haus
angeordnet, schützt uns zudem vor den entsetz-
lichen Handtuchparzellen, unter denen wir Gar-
tenarchtikten ja ganz besonders zu leiden haben.
Die Abbildung Seite 139 oben veranschaulicht —
beim Voraussetzen der gleichen Verhältnisse —
die Nutzan-
wendung aus
beiden be-
sprochenen
Grundrissen.

Es ergibt sich
eine Lösung,
die den heuti-
gen Anforde-
rungen an die
Landsiedlung
vollauf ent-
spricht.

Vorzüglich
wird das be-
rüchtigte Rei-
henhaus ver-
mieden, das
wirklich nur
dort ange-
wandt wer-
den sollte,
wo es unum-
gänglich not-

wendig ist. Darüber müssen wir uns klar werden,
daß das Reihenhaus trotz einiger erheblicher Vor-
teile nie das Ideal des Eigenheims werden darf.
Ein Haus im Block ist immer nur eine Wohnung,
auch wenn es durch einen Brandgiebel vom Nach-
barhaus getrennt wird. Auf die Frage seines
Kindes: wo ist unser Haus, Vater?, kann der
Hausherr beim Reihenhaus nie oder nur mit
Mühe die herrliche, innerlich befreiende und be-
glückende Antwort geben: hier, mein Kind, das
sind unsere vier Wände, das ist unser Dach!
Aber ganz abgesehen von ideellen Werten läßt
sich solch eine Kegelbahnparzelle, wie sie die
Reihenbauweise mehr oder minder bedingt,
längst nicht so verwerten, wie es bei räumlicheren
Verhältnissen der Fall sein kann.

So erscheint mir die halboffene Bauweise, wie
sie die Abbildung Seite 139 oben skizziert, als ein
guter und gangbarer Ausweg. Sie ermöglicht eine
bedeutend günstigere Durchlüftung und schafft
mühelos fein abgestimmte Baugruppen, während
gerade das Reihenhaus oft scheunenmäßig wirkt.
Was könnte z. B. allein durch die Farbe erreicht
werden in der unterschiedlichen Behandlung der
holzverschaltenGiebel, desFachwerkes, der großen
Haustüren, der Fenster, des Holzgitters usw. ?
Beim Reihenhaus wirkt die Kenntlichmachung
der einzelnen Häuser durch Farbanstrich oft ge-
sucht, besonders bei der Bemalung ganzer Putz-
fronten. So bildete für mich die Gartenstadt
Staaken immer ein recht abschreckendes Beispiel
der Farbanwendung.

Es würde im Rahmen der „Gartenkunst“
zu weit führen, die Barsinghäuser Studien
eingehender zu behandeln. Zweck dieser Zei-
len ist, der Siedlung immer neue, tatfreudige

Förderer zu-
zuführen.
Laßt uns
nicht im Ver-
zagen unse-
rer Tage er-
schlaffen,
sondern hel-
fen, daß
Raum für
alle Deutsche
in unserem
deutschen
Vaterlande
geschaffen
wird. Und
daß das noch
heute mög-
lich ist, sollte
uns Gärtnern
in erster
Linie klar
werden.

Anwesen Heuer in Barsinghausen a. Deister.

Für die Schriftleitung verantwortlich: Gartendirektor Heicke, Frankfurt a. M. Selbstverlag der Deutsdien Gesellschaft für Gartenkunst.

Drudt der Universitätsdruckerei H. Stürtz A.G., Würzburg.
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