Die Gartenkunst — 32.1919

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einer Besichtigung von Schloß und Park Belve-
dere benutzt waren.

Vorweg sei gesagt, daß der Großmannsche
Hauptantrag, der eine vollständige Neuorgani-
sation der Gesellschaft und ihre Umwandlung in
einen Bund für soziales Gartenwesen forderte,
am Schlüsse der Tagung einstimmig abgelehnt
wurde. Dafür wurde ein Antrag der Gruppe
Rheinland angenommen, daß, gegebenenfalls im
Benehmen mit dem Reichsverband für den
deutschen Gartenbau, geprüft werde, in welcher
Weise die vielen brauchbaren Anregungen, die
die übrigen Großmannschen Anträge enthalten,
nutzbar gemacht werden können. Hierzu wurde
ein Ausschuß gewählt bestehend aus den Herren
Großmann, Hanisch, Kempkes, Reinhard und
Tapp.

Auf diese Weise hofft man, daß das, was
Großmann mit seinen Anregungen bezweckt,
erreicht wird, nämlich das Tätigkeitsgebiet der
Gesellschaft in zeitgemäßer Weise zu erweitern
und die Gesellschaft für die Erfüllung der sich
aus der neuen Zeit ergebenden Anforderungen
auf dem Gebiete des Gartenwesens auszunützen.

Es war kaum einer unter den Versammlungs-
teilnehmern, der gegen den sachlichen Inhalt
der Anträge ernsthaft etwas einzuwenden ge-
habt hätte. Was Bedenken hervorrief, und
wohl auch mit Recht, war die Fülle der An-
regungen, die auf einmal auf die Gesellschaft
herniederging und zu deren Durchführung es
längerer Zeit und hingebender Arbeit aller Or-
gane der Gesellschaft und ihrer einzelnen Mit-
glieder bedarf. Daß die Gesellschaft in ihrer
derzeitigen Verfassung ein geeignetes Werkzeug
zur Durchführung der ihr von Großmann zu-
gewiesenen Aufgaben sei, darüber bestand, wie
der Beschluß, die Umwandlung abzulehnen, ergab,
volle Übereinstimmung. Man war überzeugt, daß
sie gerade ihre klare, straffe Organisation zur
Verwirklichung aller dieser Wünsche geeignet
macht, im Gegensatz zu der Schwerfälligkeit, die
einem weitläufigen, in verschiedene selbständige
Landesvereine gespaltenen Bund für soziales Gar-
tenwesen anhaftet, in welchem zahlreiche, in ihren
Zielen durchaus nicht einige Körperschaften Sitz
und Stimme haben. Wünschen wir, daß die Ge-
sellschaft, wie der Vorsitzende in seinem Schluß-

an der uns der Gedanke
an eine höhere Weltord-
nung, unter die wir Men-
schen uns zu fügen haben,
erfaßt.

Keine großen gärt-
nerischen Eingriffe werden
zur Ausgestaltung des
Platzes nötig sein, alles
könnte bleiben, wie es
Zeit und Natur in kraft-
vollen Formen schufen.
Auch weiterhin würden
die knorrigen Erlen-
stämme mit ihren zer-
fetzten Blätterkronen den
Platz überdachen, als eine
Stätte der Ruhe und des
Friedens. Die im Winde
sich beugenden, rauschen-
den Erlen würden weiter-
erzählen von den Stürmen
der Nordsee, und uns ein
Bild geben von dem
wetterharten Menschen-
schläge, der hier allezeit
im Kampf mit den Natur-
mächten stand.

Nur einfache, mit
Bruchsteinplatten ausge-
legte Wege führen zu
dem in der Mitte zu er-
bauenden, dem schlichten
Charakter des Landes
Rechnung tragenden Ge-
denkstein, der in seiner
Säulenform sich dem
Rhythmus der aufsteigen-
den Stämme einfügt und
mit einer kurzen schlichten
Aufschrift seineBedeutung
kündet, während einige,
an den umschließenden
Wall angelehnte Stein-

tUb c t

tafeln die Namen der Ge-
fallenen tragen.

Unseren Kindern soll
der Ort erzählen von
jenen Menschen, denen
die Stätte geweiht ist,
soll ihnen Ehrfurcht ein-
prägen vor denen, die
hinauszogen, ihre Liebe
zur Heimat mit dem Tode
zu besiegeln.

Otto Valentien-Steglitz
1919.

Nachschr. Im Hinblick
darauf, daß trotz der Not
der Zeit, die dem Ver-
nehmen nach sogar dazu
zwingt, staatliche Mittel
für die Kriegerehrung zu
versagen, sididie großem
und kleinern Gemein-
wesen in unserm Vater-
lande wohl überall der
Pflicht bewußt bleiben,
^ das Andenken der im
- Kriege gebliebenen Söhne
; desVolkes in angemesse-
ner Form zu ehren, möch-
ten wir an dem vor-
liegenden Beispiele zei-
gen, wie gerade derZwang
zu größter Sparsamkeit
bei Ausnutzung der Eigen-
art gegebener Oertlich-
keiten in Verbindung mit
Schlichtheit in der Ver-
wendung der Denksteine
es ermöglichten, unsern
Gefallenen würdige Ge-
dächtnisstätten zu er-

richten.

Ansidvtskizze.

Heicke.

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