Die Gartenkunst — 33.1920

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Karl Hampel

Alwin Lorgus f

Gartenbaudirektor Karl Hampel, Gartendirektor
der Stadt Leipzig, der am 9. Dezember vorigen
Jahres in aller Stille seinen siebenzigsten Geburts-
tag gefeiert hat, ist am 1. April 1920 in den
Ruhestand getreten, und hat in dem seitherigen
Garteninspektor Hebenstreit seinen Nachfolger er-
halten.

Hampel stammt aus dem Rheinland, er wurde
1849 in Düsseldorf geboren, ist früh nach Berlin
gekommen, und hat dort seine Jugend und den
größeren Teil seines Lebens zugebracht Nach der
Lehrzeit in Charlottenhof unter Hofgärtner Morsch
besuchte er 1868/69 die Wildparker Lehranstalt, wo
damals Gustav Meyer wirkte. Zwischen Lehrer und
Schüler knüpften sich bald Beziehungen, die von
dauerndem Einfluß auf Hampels Schaffen und
Lebensgang wurden, indem Meyer als Berliner
Gartendirektor ihn zu seinem Mitarbeiter machte
und in die Dienste der Berliner Gartenverwaltung
zog; von 1879 bis 1899 wirkte er in Berlin als Stadt-
obergärtner. Dann folgte er einem Rufe als Hof-
gartendirektor nach Schwerin, 1901 wurde er Nach-
folger Wittenbergs in Leipzig, wo er nunmehr fast
zwei Jahrzehnte erfolgreich tätig gewesen ist.

In seiner Schaffensweise hat Hampel immer und
mit Vorliebe sich als Schüler der Lenne-Meyerschen
Auffassung bekannt; die z. T. recht scharfen An-
griffe, die sich deswegen in den Sturmzeiten um
die Jahrhundertwende gegen ihn richteten, ebenso
zu erwidern, entsprach nicht seiner Natur. Durch
vielseitige literarische Betätigung hat er seinen
Namen zu einem der bekanntesten in der gärtne-
rischen Fachwelt gemacht.

Hampel ist einer der Gründer des Vereins
deutscher Gartenkünstler, der sich im Jahre 1905
in die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst um-
wandelte. Er hat zu der grundlegenden Entwickelung
in den ersten Jahren des Bestehens sehr viel bei-
getragen, indem er von 1888 bis 1894 das Amt des
ersten Vorsitzenden versah und gleichzeitig bis 1895
das damals unter der Bezeichnung „Zeitschrift für
bildende Gartenkunst" erscheinende Organ leitete.
In Anerkennung seiner Verdienste hierbei wurde
ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Wir wün-
schen ihm einen ungetrübten Lebensabend.

Am 18. März 1920 ist Alwin Lorgus, der
I. Vorsitzende der Deutschen Obstbaugesellschaft,
in Eisenach, 68 Jahre alt, gestorben. In ihm hat
der deutsche Gartenbau wieder einen aus der Zahl
der hervorragenden Führer verloren. Nicht nur die
Berufsgruppe, deren erfolgreicher Vertreter und
Förderer er in den letzten 15 Jahren seines Lebens
gewesen, wir Alle trauern um seinen Heimgang.
Denn das war das Besondere an ihm: er sah stets
über den Grenzen seines engeren Arbeitsgebietes
die großen Zusammenhänge des Gesamtgarten-
baues und wußte weiterhin dessen Bedeutung im
ganzen Wirtschafts- und Kulturleben wahrzunehmen.
In diesem Sinne war er einer der Ersten, die vor
etwa einem Jahrzehnt erkannten, daß die sich immer
mehr durchsetzende Gliederung des Gartenbaues
in einzelne Sonderzweige leicht zu einem Kampfe
Aller gegen Alle führen könne, wenn nicht in einer
übergeordneten Gesamtvertretung wieder dessen
Einheit zum Ausdruck käme. Wenn der Reichsver-
band für den deutschen Gartenbau, an dessen Vor-
bereitung und Gründung Lorgus in aller Hingabe
mitarbeitete, deren er fähig war, unter den widrigen
Zeitverhältnissen nicht das wurde, was ihm als
einem der Mitgründer vorgeschwebt hat, so mindert
das sein Verdienst nicht; der Gedanke, dem er in
Bonn 1912 begeisterte Worte lieh, ist nicht tot, er
lebt und wird sich durchsetzen.

Lorgus wurde am 9. November 1852 in Stral-
sund geboren. 1878 übernahm er das väterliche
Geschäft, Gärtnerei und Baumschule. Nach dessen
Aufgabe trat er 1904 in Eisenach zuerst als Ge-
schäftsführer, dann als I. Vorsitzender an die Spitze
des damaligen Deutschen Pomologenvereins. Die Ent-
wickelung, welche dieser seitdem genommen hat, ist
in erster Linie das Verdienst von Lorgus, dem dabei
seine kluge Beschränkung auf das Erreichbar-Mögliche,
seine Menschenkenntnis und gewinnende Umgangs-
form zustatten kamen. Als kerndeutscher Mann hat
er getragen, was ihm und den Seinen der Krieg an
Bitternis gebracht, sich auch nicht beugen lassen durch
seinen traurigen Ausgang. Alle, die ihn kannten, ihm
in seiner Tätigkeit nahestanden oder gar den Vorzug
seiner Freundschaft genossen, werden ihm dauernd
ein treues Gedenken bewahren. Heicke.

Von Otto Voelckers, München.

Für die Schriftleitung verantwortlich: Gartendirektor Heicke, Frankfurt a. M. Selbstverlag der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst.

Druck der Universitätsdruckerei H. Stürtz A.G.( Würzburg.
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