Die Gartenkunst — 33.1920

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Einen weiteren Gegenstand der Aussprache
bildete das Verhältnis zwischen Angestellten und
ihren Chefs, welches in einem Artikel über die
künstlerische Mitarbeit der Angestell-
te n im Juliheft der Gartenkunst angeschnitten
war. Gartenbaudirektor Encke betonte, daß die
darin zum Ausdruck gebrachten Wünsche, soweit
ihre Berechtigung anerkannt werden könne, bei
den Gartenverwaltungen wohl leicht erfüllt wer-
den dürften, schwieriger liege die Sache bei den
Angestellten selbständiger Gartenarchitekten,
weil da die mögliche Gefahr unlautern Wettbe-
werbs nicht übersehen werden dürfe. Reinhard-
Cöln beanstandete die Tendenz jenes Artikels,
der nach seiner Auffassung von einer wenig
angebrachten, aber im Zeitgeiste begründeten
Überhebung in den Kreisen der jüngeren Kolle-
gen zeuge. Er wandte sich mit Nachdruck gegen
die Geltendmachung unberechtigter Ansprüche,
zumal die jüngeren Herrn meist wenig von den
Sorgen zu spüren hätten, die in der gegenwär-
tigen Zeit die selbständigen Gartenarchitekten
belasten.

Der Schriftleiter der Gartenkunst trat dieser
Auffassung der Tendenz entgegen, indem er mit-
teilte, daß gerade der zur Aussprache Anlaß
gebende Artikel von einem durchaus ernst zu
nehmenden jüngeren Fachmann herrühre, der zu
jenen künstlerisch reifen Berufsgenossen zu rech-
nen sei, die infolge der mißlichen allgemeinen
Lage noch nicht zur Erlangung geschäftlicher
Selbständigkeit gelangen konnten und an-
scheinend hie und da gezwungen wurden, unter
tatsächlich drückenden Verhältnissen zu arbeiten.
Man kam zu der Auffassung, daß sich zweck-
mäßig demnächst auch ein als Chef in Betracht
kommender selbständiger Gartenarchitekt in
der Gartenkunst zu der Frage äußere, um auf
diese Weise eine beide Teile befriedigende Klä-
rung herbeizuführen.

Die Wettbewerbsbestimmungen wer-
den weiter von einem Ausschusse bearbeitet, den
Gartenarchitekt Barth leitet. Ein Arbeitspro-
gramm für dieGruppen soll demnächst von
der Geschäftsstelle aufgestellt werden.

Die Wahl des Tagungsortes der
nächstjährigen Hauptversammlung
wurde wieder dem Vorstande überlassen, nach-
dem sich aus Mitteilungen über die für 1921 ge-
plante Magdeburger Ausstellung für das Sied-
lungswesen ergab, daß deren Durchführbarkeit
noch nicht genügend geklärt sei, um sich bereits
auf Magdeburg festzulegen.

In den Abendstunden und zwischen den ver-
schiedenen Sitzungen fanden sich wie üblich die
Verbände ehemaliger Besucher der höheren Gar-
tenlehranstalten zusammen, auch die selbstän-
digen Gartenarchitekten berieten mehrmals über
ihre besondere Sorgen und Bedürfnisse, wie
überhaupt die verfügbare Zeit nach jeder Rich-
tung ausgiebig ausgenutzt wurde. Das Gefühl,
daß durch das Ausfallen zweier auf der Tages-
ordnung vorgesehener Vorträge und eines Re-
ferenten die Tagung in bezug auf Inhalt und
Ertrag gelitten habe, kam nirgends auf, im Ge-
genteil wurde bei verschiedenen Gelegenheiten
gewünscht, daß man künftig etwas weniger um-
fangreiche Tagesordnungen zu verarbeiten haben
möchte. Infolge des ständigen Beisammenseins
der Teilnehmer in dem gemütlichen Meiningen
kam trotzdem der Verkehr der Mitglieder unter-
einander und die Pflege der persönlichen Be-
ziehungen keineswegs zu kurz.

Glänzendes Wetter begünstigte die ganze
Veranstaltung und hielt auch noch am letzten
Tage an, der der Besichtigung der Schloß- und
Kuranlagen in Altenstein (Sommersitz des Her-
zogs) und Bad Liebenstein gewidmet war. Hof-
gartendirektor Schaubach als Führer zeigte den
Teilnehmern manches Sehenswerte, das ihm trotz
der wiederholt betonten derzeitigen Instandhal-
tungsschwierigkeiten Anerkennung eintrug, die in
Vertretung des Vorsitzenden von Gartendirektor
Bromme gelegentlich des gemeinsamen Mittag-
essens in Altentein zum Ausdruck gebracht wurde.

Hier nahm auch der Geschäftsführer Anlaß, den
Herren, die ihm in Meiningen und im Meininger
Lande bei Vorbereitung und Durchführung der
Tagung, nicht zum letzten auch hinsichtlich der
befriedigenden Unterkunft und Verpflegung der
Teilnehmer mit bestemErfolg unterstützt hatten,
den Dank der Gesellschaft auszusprechen. Er hob
besonders hervor, daß die Auffassung einer Mei-
ninger Tageszeitung durchaus nicht die Gefühle
der Versammlungsteilnehmer wiedergibt, wenn
sie meint, die Stadtverwaltung habe es an Ent-
gegenkommen, besonders an der Schaffung eines
festlichen Rahmens für die Veranstaltung fehlen
lassen. Die Gesellschaft ruft ihreMitglieder nicht
zur Abhaltung vonFesten, sondern zu ernster Ar-
beit und Erledigung wichtiger Berufsfragen zu-
sammen. Sie hat sich in Meiningen so wohlauf-
gehoben gefühlt, daß sich die 33. Tagung der nun
schon recht langen Reihe gelungener Veranstal-
tungen früherer Jahre gleichwertig anreiht.

Heicke.

Paritätische Gartenbaukammern

Von Otto Albrecht, Neukölln

Die Frage einer öffentlich-rechtlichen Berufs- Teile der Berufsgärtner schon seit etwa einem
Vertretung des Gartenbaues in weiterem oder der Vierteljahrhundert.

Gärtnerei in engerem Sinne beschäftigt gewisse Zuerst waren es Unternehmerkreise der Er-

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