Geffcken, Johannes
Der Bildercatechismus des funfzehnten Jahrhunderts und die catechetischen Hauptstücke in dieser Zeit bis auf Luther (Band 1): Die zehn Gebote, mit 12 Bildtafeln nach Cod. Heidelb. 438 — Leipzig, 1855

Seite: 69
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Eilftes Capitel.

Das vierte Gebot.

Der Stoff, welchen das Gebot der Ehrfurcht gegen die Eltern darbietet, wurde in dem Zeiträume, von
dem wir reden und in den Büchern, die wir genannt haben, nach den verschiedensten Seiten hin vermehrt.
Man bezog das Gebot nicht blos auf die natürlichen Aeltern und auf die Obern, sondern auch auf die geist-
lichen Väter und brachte so auch die Pflichten gegen die Kirche unter das Gebot (Beil. S. 40, 83, 95, 132,
143, 153, 170) man bezog es auf den himmlischen Vater und behandelte so unter diesem Gebote Lehrstücke,
die weit füglicher unter das erste Gebot hätten gebracht werden können, z. B. das Vater unser. Man erörterte
auch bei diesem Gebote, was allerdings viel näher lag, die Pflichten der Aeltern gegen die Kinder. — So wird
Herp in seinen 26 Sermonen auch darauf geführt, wiefern uneheliche Söhne und Andere erben können, was
in 4 Sermonen ausführlich erläutert wird, und der den geistlichen Vätern schuldige Gehorsam veranlasst ihn,
der Beichte, den Opfern und Zehnten besondere Sermonen zu widmen. Herolt, nachdem er die Uebertretungen
des Gebotes dargestellt, deren sich Kinder schuldig machen, die sich ihrer armen Aeltern schämen, sie hassen,
ihnen mit harten Worten begegnen, ihnen in der Nothdurft nicht zu Hülfe kommen, ihnen ungehorsam sind,
die verstorbenen Aeltern vergessen und den Seelen derselben nicht helfen, zeigt, wie böse Söhne gestraft werden.
Dann stellt er dar, was Aeltern den Kindern schuldig sind, nämlich sie dazu anzuführen, dass sie Gott dienen.
Das Gemülh eines Kindes sei wie weiches Wachs, dem leicht ein Gepräge aufgedrückt werden könne, darum
sollen die Kinder das Vater unser, den Glauben und die zehn Gebote lernen, zum rechten Verhalten gegen
Gott und den Nächsten angeleitet werden, die Aeltern sollen den Kindern ein gutes Beispiel geben, sie strafen,
und ihnen nur gerechtes Gut hinterlassen, denn an dem ungerechten hafte der Fluch (Beilage S. 105). Die
Pflicht gegen die geistlichen Väter veranlasst Herolt, dann ausführlich von der excomunicatio und den, dem
Bischöfe und dem Pabste vorbehaltenen Fällen (casus papales et episcopales) und von dem Fasten zu handeln.
Die Verehrung Gottes, unsers himmlischen Vaters, führt Herolt auch zur Verehrung der Maria. Nider
fasst sich kürzer, von sechs Capiteln widmet er die vier ersten der Liebe zu dem Nächsten überhaupt, und
kommt erst Cap. 5 — 6 auf die Liebe zu Gott, den Aeltern, den Prälaten, den weltlichen Oberen. — Hollen
dagegen ist sehr ausführlich, handelt besonders auch von den Pflichten gegen die Lehrer (ein Lehrer soll aber
auch scientia illustratus, benevolentia inclinatus, innocentia decoratus und experientia certificatus sein), der
Knechte und Mägde, der ünterthanen, der Jugend gegen das Alter, der Laien gegen Prälaten und Pastoren.
Er straft die, welche die Excommunication nicht achten, und nicht wenigstens einmal jährlich beichten. Nicht
nur die Pflichten gegen Gott und Christum, sondern auch die gegen die Jungfrau Maria, zieht er unter das
Gebot, da wir ihr unzählige Wohlthaten verdanken.

Aus Johann Wolffs Beichtbekenntnissen hebe ich Folgendes aus: aMyaen lyplichen vater und muter hau
ich angefarn, übel zugesprochen, geflucht, geslagen, ader eyn willen gehabt zu slagen. Ich bin yne ungehor-
same gewest in den gütlichen wercken. Ich byn yne nil zu hulff komen mit myner narunge, so sye arm synt
gewest. Ich han sie nit gehebet, gefuret und getragen, so sie blynt, siech oder krangk sint gewest. Ich han
yne nit lieplichen und fruntüchen zu gesprochen, und sie lieplichen mit mynen Worten gedrost. Ich han sie
versmehet und mich yre geschemt, mir hat gegruel uff sie. Ich han yne den doit gewonschet, daz mir ir gut
werde, yre lestament nit gehalten. Ich byn yne nit zu hulff komen nach yrem tode in dem fegefuer." In
Beziehung auf die geistlichen Väter wird eingeschärft; "Der bapst, cardinele, bischoff, pherner und die priester
dyne geystliche vetter der geystlichen geburt sorge und ere. Wan sie deuffen dich, fyrmen dich, boren dich
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