Einleitung
Über Kunsttheorie und Proportionsentwicklung im Wechsel-
verhältnis von Norden und Süden ist viel geschrieben worden. Gerade
über Dürer und dessen Beziehungen zur italienischen Theorie hat
uns Panofsky eine grundlegende und erschöpfende Arbeit geschenkt.x)
Die ganze Proportionsentwicklung von dem Altertum bis zur
Renaissance hat er in ihren Zusammenhängen in seinem Aufsatz
„Die Entwicklung der Proportionslehre als Abbild der Stilentwick-
lung“2) klar gelegt. Über Panofskgs gründliche Forschungen hinaus-r
zugehen, ist kaum möglich. Wozu also noch eine neue Propor-
tionsarbeit? Zuerst will sie einmal das ganze bekannte Proportions-
material rein sachlich in deutschem Text nebeneinanderstellen und
daran eine Entwicklungslinie zeigen. Sie bringt also eine Material-
sammlung und deren Verarbeitung. So geartet stützt sich die Arbeit
stark auf die eben genannten Werke Panofskys und Schlossers
Materialien zur Quellenkunde.3) Darüber hinaus versucht sie, sich
nicht mit der Entwicklung der Proportions m e t h o d e, wie bei
Panofsky, zu begnügen, sondern den Typ, das Ideal der verschiedenen
Zeitepochen einmal zeichnerisch zu verwirklichen und die Entwick-
lung in einer Bilderreihe rein optisch zu erfassen. Hinter dem Pro-
portionsgesetz der verschiedenen Jahrhunderte steht letztlich der
Mensch des betreffenden Jahrhunderts, und von ihm aus wird der
Kanon erst geschaffen. Dann dürfte eine bildliche Klarlegung eher
überzeugen und deutlicher die Zusammenhänge der Entwicklung er-
läutern als eine Aneinanderreihung von Zahlengruppen, die jeder
sinnlichen Faßbarkeit entbehren. Weiter ist der Versuch gemacht
innerhalb der Proportionsentwicklung die spezifisch nordischen und
südlichen Eigenschaften gegeneinander abzugrenzen und Dürer in ihr
eine Sonderstellung zuzuweisen, sowie diese zu begründen.
Es sind in der Materialsammlung alle erreichbaren Proportions-
stellen bis zu Dürers Zeit zusammengestellt, gleich ob sie im Zu-
sammenhang mit der Architektur, Plastik oder Malerei verarbeitet
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Über Kunsttheorie und Proportionsentwicklung im Wechsel-
verhältnis von Norden und Süden ist viel geschrieben worden. Gerade
über Dürer und dessen Beziehungen zur italienischen Theorie hat
uns Panofsky eine grundlegende und erschöpfende Arbeit geschenkt.x)
Die ganze Proportionsentwicklung von dem Altertum bis zur
Renaissance hat er in ihren Zusammenhängen in seinem Aufsatz
„Die Entwicklung der Proportionslehre als Abbild der Stilentwick-
lung“2) klar gelegt. Über Panofskgs gründliche Forschungen hinaus-r
zugehen, ist kaum möglich. Wozu also noch eine neue Propor-
tionsarbeit? Zuerst will sie einmal das ganze bekannte Proportions-
material rein sachlich in deutschem Text nebeneinanderstellen und
daran eine Entwicklungslinie zeigen. Sie bringt also eine Material-
sammlung und deren Verarbeitung. So geartet stützt sich die Arbeit
stark auf die eben genannten Werke Panofskys und Schlossers
Materialien zur Quellenkunde.3) Darüber hinaus versucht sie, sich
nicht mit der Entwicklung der Proportions m e t h o d e, wie bei
Panofsky, zu begnügen, sondern den Typ, das Ideal der verschiedenen
Zeitepochen einmal zeichnerisch zu verwirklichen und die Entwick-
lung in einer Bilderreihe rein optisch zu erfassen. Hinter dem Pro-
portionsgesetz der verschiedenen Jahrhunderte steht letztlich der
Mensch des betreffenden Jahrhunderts, und von ihm aus wird der
Kanon erst geschaffen. Dann dürfte eine bildliche Klarlegung eher
überzeugen und deutlicher die Zusammenhänge der Entwicklung er-
läutern als eine Aneinanderreihung von Zahlengruppen, die jeder
sinnlichen Faßbarkeit entbehren. Weiter ist der Versuch gemacht
innerhalb der Proportionsentwicklung die spezifisch nordischen und
südlichen Eigenschaften gegeneinander abzugrenzen und Dürer in ihr
eine Sonderstellung zuzuweisen, sowie diese zu begründen.
Es sind in der Materialsammlung alle erreichbaren Proportions-
stellen bis zu Dürers Zeit zusammengestellt, gleich ob sie im Zu-
sammenhang mit der Architektur, Plastik oder Malerei verarbeitet
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