Akttypen bei Dürers Zeitgenossen und ihre
Beziehungen zu Dürers Proportionslehre
Dürers vier Bücher von menschlicher Proportion erschienen in
einer Zeit, die besonders geeignet war, dieses Werk aufzunehmen.
Gerade die ersten 3—4 Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts brachten
eine erstaunliche Wandlung des Schönheitsideals des menschlichen
Körpers, die sich besonders deutlich bei den weiblichen Tgpen zeigte.
Dürer selbst gestaltete zu Anfang seiner Proportionsstudien den
breiten, muskulösen Evatypus, der seine endgültige Formung in dem
Adam und Evastich von 1504 erfuhr. Mit ihm erreicht er eine kraft-
voll gespannte, herbe weibliche Figur, die jedoch nicht dem eigent-
lichen Renaissanceideal entsprach, das eine weich geformte, fast
üppige Fülle verlangte. Dürer hat derartig machtvolle Gestalten
wohl kaum in Bildern und Stichen verwirklicht; er ist bei bewußter1
Gestaltung eines Schönheitsideals nie über seinen Evatyp hinausge-
gangen. Auch dieser konnte sich bei ihm im Streben und Suchen
nach der absoluten Schönheit (im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhun-
derts) nicht durchsetzen. Noch im Sinne der späten Gotik zeigt
er in seinen Proportionsstudien zierlich schlanke Frauenfiguren. Sie
finden ihre endgültige Darstellungsform in den beiden Achtkopftypen
des ersten von den vier Büchern, die doch immerhin unter den 5
verschsiedenen Typen, die Dürer gibt, die mittlere Linie einhalten und
somit — trotz der 5 Typen — für Dürer selbst die Lösung desi
Schönheitsproblems bedeuten dürften. Bei ihm also beginnt die Ent-
wicklung mit den schweren Renaissancegestalten, die kurz nach 1500
auftauchen, geht weiter mit den schlanken Evafiguren, welche sich
in den Zeichnungen um 1506—1509 zeigen, und findet ihren Ab-
schluß in den Achtkopftypen der Proportionslehre im Jahre 1528.
Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei einigen Zeitgenossen
Dürers; nur wenige halten die breiten, massiven Menschen aus der
Zeit um 1500 in ihrer späteren Entwicklung bei. Bei Barthel und
Sebald Beham finden sich immer wieder Frauenakte, die eine un-
verkennbare Ähnlichkeit mit Dürers Eva von 1504 haben. Sie sind
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Beziehungen zu Dürers Proportionslehre
Dürers vier Bücher von menschlicher Proportion erschienen in
einer Zeit, die besonders geeignet war, dieses Werk aufzunehmen.
Gerade die ersten 3—4 Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts brachten
eine erstaunliche Wandlung des Schönheitsideals des menschlichen
Körpers, die sich besonders deutlich bei den weiblichen Tgpen zeigte.
Dürer selbst gestaltete zu Anfang seiner Proportionsstudien den
breiten, muskulösen Evatypus, der seine endgültige Formung in dem
Adam und Evastich von 1504 erfuhr. Mit ihm erreicht er eine kraft-
voll gespannte, herbe weibliche Figur, die jedoch nicht dem eigent-
lichen Renaissanceideal entsprach, das eine weich geformte, fast
üppige Fülle verlangte. Dürer hat derartig machtvolle Gestalten
wohl kaum in Bildern und Stichen verwirklicht; er ist bei bewußter1
Gestaltung eines Schönheitsideals nie über seinen Evatyp hinausge-
gangen. Auch dieser konnte sich bei ihm im Streben und Suchen
nach der absoluten Schönheit (im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhun-
derts) nicht durchsetzen. Noch im Sinne der späten Gotik zeigt
er in seinen Proportionsstudien zierlich schlanke Frauenfiguren. Sie
finden ihre endgültige Darstellungsform in den beiden Achtkopftypen
des ersten von den vier Büchern, die doch immerhin unter den 5
verschsiedenen Typen, die Dürer gibt, die mittlere Linie einhalten und
somit — trotz der 5 Typen — für Dürer selbst die Lösung desi
Schönheitsproblems bedeuten dürften. Bei ihm also beginnt die Ent-
wicklung mit den schweren Renaissancegestalten, die kurz nach 1500
auftauchen, geht weiter mit den schlanken Evafiguren, welche sich
in den Zeichnungen um 1506—1509 zeigen, und findet ihren Ab-
schluß in den Achtkopftypen der Proportionslehre im Jahre 1528.
Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei einigen Zeitgenossen
Dürers; nur wenige halten die breiten, massiven Menschen aus der
Zeit um 1500 in ihrer späteren Entwicklung bei. Bei Barthel und
Sebald Beham finden sich immer wieder Frauenakte, die eine un-
verkennbare Ähnlichkeit mit Dürers Eva von 1504 haben. Sie sind
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