kopftyp des ersten Buches von Dürers Proportionslehre entspricht.
(Tat. LXIV, Abb. 98.) Er findet sich bei Bildern, wie die drei Grazien
in Madrid, die Lebensalter, auch dort, oder die sieben Stufen desi
menschlichen Lebens von 1544 in Schloß Seußlitz.
Dürer, Cranach und Baldung Grien zeigen in ihren Aktbildern und
Zeichnungen die gleiche Entwicklung, wobei nur der Unterschied be-
steht, daß Dürer zuerst von dem Renaissancetyp losläßt. Bei ihm
treten die schmalen Akte schon im ersten Jahrzehnt des neuen Jahr-
hunderts auf, so daß man tatsächlich von einem Nachklingen der
Spätgotik, der ja auch sein erstes Konstruktionssystem entwachsen
ist, sprechen kann. Merkwürdig ist, daß bei Cranach und Baldung1
die Änderung, wenn auch langsam vorbereitet, erst um 1530 einsetzt,
erst zu der Zeit, als Dürers Proportionsbücher schon erschienen waren.
Da die späten Akte bei ihnen sehr stark dem Achtkopftyp in Dürers
erstem Buche gleichen, da sie zeitlich nach dem Erscheinungsdatum
dieser Proportionslehre liegen, erscheint eine Anregung, die von diesem
Werke ausgegangen ist, nicht unwahrscheinlich. Man kann annehmen,
daß Cranach und Baldung Dürers vier Bücher gekannt haben, daß sie
Gefallen an den verschiedenen Typen fanden und den in der
Mitte liegenden, elegantesten wählten, um ihn in ihren Bild-
werken zu verwirklichen; dabei darf aber keinesfalls an ein skla-
visches Aufmessen oder Konstruieren gedacht werden. Damit wäre
auch die müßige Frage erledigt, ob diese eleganten Figürchen in den
koketten Stellungen ein letztes Aufflackern der Spätgotik bedeuten
oder ob sie als Zeugen eines beginnenden Manierismus genommen
werden müßten. Durch Dürers vier Bücher von menschlicher Pro-
portion ist vielleicht oder ziemlich sicher jene Reminiscenz aus spät-
gotischer Zeit in die sich schon manieristisch auswirkende 'Renaissance
hinübergetragen worden; Cranach und Baldung fanden in dem zum
Teil noch auf spätgotischem Geschmack beruhenden Achtkopftyp von
Dürer eine Gestalt, die dem manieristischen Geschmack ihrer
Zeit entsprach; Cranach wenigstens hat diese Gestalt noch über-
feinert. In der hier angedeuteten Entwicklungslinie dürfte wohl eine
praktische Auswirkung der Dürerschen Proportionslehre kurz nach
dem Erscheinungsjahr sich zu erkennen geben; sie zeigt aber auch,
wozu man dieses Werk gebrauchen konnte — eben als Nachschlage-
werk zur Orientierung.
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(Tat. LXIV, Abb. 98.) Er findet sich bei Bildern, wie die drei Grazien
in Madrid, die Lebensalter, auch dort, oder die sieben Stufen desi
menschlichen Lebens von 1544 in Schloß Seußlitz.
Dürer, Cranach und Baldung Grien zeigen in ihren Aktbildern und
Zeichnungen die gleiche Entwicklung, wobei nur der Unterschied be-
steht, daß Dürer zuerst von dem Renaissancetyp losläßt. Bei ihm
treten die schmalen Akte schon im ersten Jahrzehnt des neuen Jahr-
hunderts auf, so daß man tatsächlich von einem Nachklingen der
Spätgotik, der ja auch sein erstes Konstruktionssystem entwachsen
ist, sprechen kann. Merkwürdig ist, daß bei Cranach und Baldung1
die Änderung, wenn auch langsam vorbereitet, erst um 1530 einsetzt,
erst zu der Zeit, als Dürers Proportionsbücher schon erschienen waren.
Da die späten Akte bei ihnen sehr stark dem Achtkopftyp in Dürers
erstem Buche gleichen, da sie zeitlich nach dem Erscheinungsdatum
dieser Proportionslehre liegen, erscheint eine Anregung, die von diesem
Werke ausgegangen ist, nicht unwahrscheinlich. Man kann annehmen,
daß Cranach und Baldung Dürers vier Bücher gekannt haben, daß sie
Gefallen an den verschiedenen Typen fanden und den in der
Mitte liegenden, elegantesten wählten, um ihn in ihren Bild-
werken zu verwirklichen; dabei darf aber keinesfalls an ein skla-
visches Aufmessen oder Konstruieren gedacht werden. Damit wäre
auch die müßige Frage erledigt, ob diese eleganten Figürchen in den
koketten Stellungen ein letztes Aufflackern der Spätgotik bedeuten
oder ob sie als Zeugen eines beginnenden Manierismus genommen
werden müßten. Durch Dürers vier Bücher von menschlicher Pro-
portion ist vielleicht oder ziemlich sicher jene Reminiscenz aus spät-
gotischer Zeit in die sich schon manieristisch auswirkende 'Renaissance
hinübergetragen worden; Cranach und Baldung fanden in dem zum
Teil noch auf spätgotischem Geschmack beruhenden Achtkopftyp von
Dürer eine Gestalt, die dem manieristischen Geschmack ihrer
Zeit entsprach; Cranach wenigstens hat diese Gestalt noch über-
feinert. In der hier angedeuteten Entwicklungslinie dürfte wohl eine
praktische Auswirkung der Dürerschen Proportionslehre kurz nach
dem Erscheinungsjahr sich zu erkennen geben; sie zeigt aber auch,
wozu man dieses Werk gebrauchen konnte — eben als Nachschlage-
werk zur Orientierung.
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