So wird man selbst in Italien Spuren nachweisen können, die
auf direkte Beziehungen zu Dürer schließen lassen. Selbst in spä-
teren Perioden wird häufiger auf sein Buch verwiesen, so daß er
sich in der Proportionsliteratur bis heute als treibende Kraft er-
halten hat.
Zu dem Meßverfahren mit einem Modul oder der Proportions-
aufnahmeform im Sinne von Albertis Exempeda, wie sie sich in Dürers
zweitem Buche zeigt, trat als neue Proportionsformulierung und als
neues Ideal die Vermessung von antiken Figuren und zum Schluß die
Aufnahme des Menschen nach dem objektiven Maß, Fuß und
Zoll oder nach dem Metermaß. Claude Audran brachte unter
dem Titel: Les Proportions du corps humain a Paris 1683, Ver-
messungsresultate von antiken Statuen, die in ihrer genauen Aus-
führung sehr gut zu gebrauchen waren und in der weiteren Pro-
portionsliteratur oft wieder angeführt wurden.
Abstrakte Versuche, die Schönheit des menschlichen Körpers in
Verbindung mit Akkordbildung zu sehen, also eine allgemeingültige
Norm der Schönheit gleichlautend für Musik und die bildenden Künste
zu suchen, wie es Hag versucht, müssen zwar erwähnt werden, hatten
aber für die weitere Entwicklung kaum Bedeutung. (The geometric
beautg of the human figure defined, to which is prefixed a sgistem
of aesthetic proportion applicable to architecture and the other for-
mative arts. Edinb. 1851.) (Abb. 91). In gleicher Weise konnten die
Werke, Proportionsschlüssel von Carl Schmidt bei Ebner und Seubert,
Stuttgart 1849 und Zeisings Neue Lehre von den Proportionen des
menschlichen Körpers nach einem morphologischen Grundgesetz,
Weigel, Leipzig 1854, in der Praxis keine Verwendung fin-
den. Während Schmidt die Gelenkpunkte, also die Stützpunkte des
Knochengerüstes, durch ein geometrisches Schema in Beziehungen
zu setzen versucht, erörtert Zeising ein für die ganze Natur gültiges,
morphologisches Grundgesetz, in das er auch die Proportionen des
Menschen hineinbringt. Gerade bei den drei letztgenannten Neuerungs-
versuchen kommt in Zusammenhang mit den ersten Studien Dürers
noch einmal die Grundidee nordischer Proportionsauffassung heraus,
eben der Wille die Schönheit von einem vorgefaßten Gesetz abhängig
zu machen.
Im Gegensatz zu diesen Werken bringt Schadow in seinem
„Polyclet“ (Wasmuth, Berlin 1834) die objektiven Maße des normal-
gebauten Menschen, die Resultate einer objektiven Vermessungsform.
Er zeigt auf seinen schönen Tafeln die Durchschnittsmaße des Men-
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auf direkte Beziehungen zu Dürer schließen lassen. Selbst in spä-
teren Perioden wird häufiger auf sein Buch verwiesen, so daß er
sich in der Proportionsliteratur bis heute als treibende Kraft er-
halten hat.
Zu dem Meßverfahren mit einem Modul oder der Proportions-
aufnahmeform im Sinne von Albertis Exempeda, wie sie sich in Dürers
zweitem Buche zeigt, trat als neue Proportionsformulierung und als
neues Ideal die Vermessung von antiken Figuren und zum Schluß die
Aufnahme des Menschen nach dem objektiven Maß, Fuß und
Zoll oder nach dem Metermaß. Claude Audran brachte unter
dem Titel: Les Proportions du corps humain a Paris 1683, Ver-
messungsresultate von antiken Statuen, die in ihrer genauen Aus-
führung sehr gut zu gebrauchen waren und in der weiteren Pro-
portionsliteratur oft wieder angeführt wurden.
Abstrakte Versuche, die Schönheit des menschlichen Körpers in
Verbindung mit Akkordbildung zu sehen, also eine allgemeingültige
Norm der Schönheit gleichlautend für Musik und die bildenden Künste
zu suchen, wie es Hag versucht, müssen zwar erwähnt werden, hatten
aber für die weitere Entwicklung kaum Bedeutung. (The geometric
beautg of the human figure defined, to which is prefixed a sgistem
of aesthetic proportion applicable to architecture and the other for-
mative arts. Edinb. 1851.) (Abb. 91). In gleicher Weise konnten die
Werke, Proportionsschlüssel von Carl Schmidt bei Ebner und Seubert,
Stuttgart 1849 und Zeisings Neue Lehre von den Proportionen des
menschlichen Körpers nach einem morphologischen Grundgesetz,
Weigel, Leipzig 1854, in der Praxis keine Verwendung fin-
den. Während Schmidt die Gelenkpunkte, also die Stützpunkte des
Knochengerüstes, durch ein geometrisches Schema in Beziehungen
zu setzen versucht, erörtert Zeising ein für die ganze Natur gültiges,
morphologisches Grundgesetz, in das er auch die Proportionen des
Menschen hineinbringt. Gerade bei den drei letztgenannten Neuerungs-
versuchen kommt in Zusammenhang mit den ersten Studien Dürers
noch einmal die Grundidee nordischer Proportionsauffassung heraus,
eben der Wille die Schönheit von einem vorgefaßten Gesetz abhängig
zu machen.
Im Gegensatz zu diesen Werken bringt Schadow in seinem
„Polyclet“ (Wasmuth, Berlin 1834) die objektiven Maße des normal-
gebauten Menschen, die Resultate einer objektiven Vermessungsform.
Er zeigt auf seinen schönen Tafeln die Durchschnittsmaße des Men-
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