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Giesen, Josef
Dürers Proportionsstudien im Rahmen der allgemeinen Proportionsentwicklung — Forschungen zur Kunstgeschichte Westeuropas, Band 8: Bonn: Kurt Schroeder Verlag, 1930

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Proportionstexte
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I. Vitruv 10 Bücher über Architektur
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https://doi.org/10.11588/diglit.59480#0078
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I.
Vitruv
10 Bücher über Architektur
Buch III, Abs. 2.
Die Natur hat aber den menschlichen Körper in der Gestalt er-
schaffen, daß das Angesicht vom Kinne bis zum Rande der oberen
Stirnwölbung und dem unteren Haaransatze den zehnten Teil der
Körperlänge beträgt, welcher Ausdehnung auch die Größe der Hand
vom Gelenke bis zur Spitze des Mittelfingers entspricht. Das Haupt
vom Kinne bis zum oberen Scheitel mißt dessen achten Teil, ebenso
viel zeigt die Entfernung vom unteren Nacken bis zum Kinne hin
gerechnet; von dem oberen Brustbein bis zu dem Anfänge des Haar-
ansatzes beträgt der Abstand ein Sechstel, von der mittleren Brust-
höhle bis zum obersten Scheitel den vierten Teil der Körpergröße.
Inbetreff des Gesichtes mißt die Entfernung vom unteren Kinne zum
Stege der Nasenlöcher dessen dritten Teil, das gleiche die Nase von
den unteren Nasenlöchern bis zum mittleren Ansätze der Augen-
brauen; ebenso soll auf den Abstand von den Augenbrauen bis zum
Ansätze der Haare, welches Stück die Stirne umfaßt, ein Dritteil den
Höhe des Angesichtes gerechnet werden.
Der Fuß kommt dem sechsten, der Vorderarm nebst Hand, sowie
die Brustweite dem vierten Teile der Körperhöhe gleich. Auch die
übrigen Gliedmaßen stehen in einem bestimmten Größenverhältnisse
zu der ganzen Gestalt, das die berühmten alten Maler wie Bildhauer
genau befolgten und sich auf diesem Wege unsterblichen Ruhm er-
warben.
. Als natürlichen Mittelpunkt des menschlichen Körpers
ergibt sich sodann der Nabel. Wenn man nämlich einem Menschen,
der auf dem Rücken liegt, die Hände und Füße ausstreckt und in
seinem Nabel als Zentralpunkt den Zirkel einsetzt, so werden, wenn
man rings eine Kreislinie beschreibt, sowohl die Fingerspitzen wie
die Fußzehen von dessen Peripherie berührt. Wie aber die Figur des
Kreises mit der menschlichen Körperbildung in einem Zusammenhang
steht, so ist nicht minder das Bild des Quadrates an dieser nach-

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