durch allcrley beygefügte Zerrbilder zu verdienen, als die wirklichen britanni-
schen Wagenkämpfer vorzustellen; wenn man daher einen gewandten hurtigen
Menschen loben wollte, so hiefs es, er ist flink wie ein Essedarius. Selbst
an den Tafeln der Grofsen sah man den Vorschneider die Wendungen dersel-
ben nachäffen, und die Speisen mit einem grofsen Messer zerlegen. Petronius
sagt: „Nun erschien der Vorschneider, und nach der Musik der Wasserorgel*)
gestikulirend, zerlegte er die Fleischspeisen so, dafs man glaubte, es fechte ein
Essedarius." Dafs die Vorschneider bey den Alten eine besondere Gewandt-
heit besafsen die Speisen zu zerlegen, findet man in Seneca, Epist. 47, wo
er von einem solchen sagt: „Die kostbaren Vögel zerlegt er mit gewifsen
Schwingungen, indem er die gewandte Hand herumbewegte." Es war demnach
üblich, dafs diese Vorschneider sich eines besondern Messers bedienten, wie
man aus Juvenals Satyre V. sehen kann. (Cheironomonta volanti cultello.)
Das Fahrwerk, welches ich Tab. LIX. undLX. mitgetheilet habe, ist im
Original in dem Museo vaticano, und abgebildet in dem schönen Werke des
Pyranesi zu sehen; ein Freund des Verfafsers, der sich in Rom aufhielt, und
es nach dem Mafsstabe mit der gröfsten Genauigkeit abgezeichnet hat, setzte
ihn in den Stand, dieses sonderbare Gefährt geDauer beschreiben zu können.
Obgleich die Meisten behaupten, dafs dieses eine Rennbige seye, wie diejeni-
gen waren, deren man sich gewöhnlich im Circus bediente, so ist doch meines
Erachtens gar keine Aehnlichkeit zwischen einem solchen und demjenigen auf
Tab. XXXII. Die römischen Rennwägelchen hatten einen viel kleinern Rasten
und enthielten nur für den Auriga Platz, wie man aus den mannigfaltigen in
diesem Werke vorgestellten Rennwägen bemerken kann; dagegen hier der Ra-
sten bestimmt für zwey eingerichtet ist und zwar einer hinter dem andern. Eine
Triumph.Quadriga kann es nicht seyn, noch vielweniger ein Streitwagen oder
ein Diphron, und jeder Leser wird eingestehen, dafs von allen den vorherbe-
schriebenen Fahrwerken nicht ein einziges dem gegenwärtigen nahe kommt:
defswegen glaube ich mit einigem Grunde behaupten zu können, diese Bigc
°dcr Quadriga seye von der Art gewesen, deren sich die römischen Esseda-
rii Gladiator es im Circus bedienten. Vielleicht hätte ich besser gethan,
solche in die Rlasse der Rennbigen zu setzen; da es aber nicht immer in der-
gleichen Wagenkämpfen bey blofsen Scharmützeln oder Scheingefechten bheb,
sondern solche auch öfters auf Befehl des Raisers auf Leben und Tod giengen,
"j Organa uydraull
ca.
»7 *
schen Wagenkämpfer vorzustellen; wenn man daher einen gewandten hurtigen
Menschen loben wollte, so hiefs es, er ist flink wie ein Essedarius. Selbst
an den Tafeln der Grofsen sah man den Vorschneider die Wendungen dersel-
ben nachäffen, und die Speisen mit einem grofsen Messer zerlegen. Petronius
sagt: „Nun erschien der Vorschneider, und nach der Musik der Wasserorgel*)
gestikulirend, zerlegte er die Fleischspeisen so, dafs man glaubte, es fechte ein
Essedarius." Dafs die Vorschneider bey den Alten eine besondere Gewandt-
heit besafsen die Speisen zu zerlegen, findet man in Seneca, Epist. 47, wo
er von einem solchen sagt: „Die kostbaren Vögel zerlegt er mit gewifsen
Schwingungen, indem er die gewandte Hand herumbewegte." Es war demnach
üblich, dafs diese Vorschneider sich eines besondern Messers bedienten, wie
man aus Juvenals Satyre V. sehen kann. (Cheironomonta volanti cultello.)
Das Fahrwerk, welches ich Tab. LIX. undLX. mitgetheilet habe, ist im
Original in dem Museo vaticano, und abgebildet in dem schönen Werke des
Pyranesi zu sehen; ein Freund des Verfafsers, der sich in Rom aufhielt, und
es nach dem Mafsstabe mit der gröfsten Genauigkeit abgezeichnet hat, setzte
ihn in den Stand, dieses sonderbare Gefährt geDauer beschreiben zu können.
Obgleich die Meisten behaupten, dafs dieses eine Rennbige seye, wie diejeni-
gen waren, deren man sich gewöhnlich im Circus bediente, so ist doch meines
Erachtens gar keine Aehnlichkeit zwischen einem solchen und demjenigen auf
Tab. XXXII. Die römischen Rennwägelchen hatten einen viel kleinern Rasten
und enthielten nur für den Auriga Platz, wie man aus den mannigfaltigen in
diesem Werke vorgestellten Rennwägen bemerken kann; dagegen hier der Ra-
sten bestimmt für zwey eingerichtet ist und zwar einer hinter dem andern. Eine
Triumph.Quadriga kann es nicht seyn, noch vielweniger ein Streitwagen oder
ein Diphron, und jeder Leser wird eingestehen, dafs von allen den vorherbe-
schriebenen Fahrwerken nicht ein einziges dem gegenwärtigen nahe kommt:
defswegen glaube ich mit einigem Grunde behaupten zu können, diese Bigc
°dcr Quadriga seye von der Art gewesen, deren sich die römischen Esseda-
rii Gladiator es im Circus bedienten. Vielleicht hätte ich besser gethan,
solche in die Rlasse der Rennbigen zu setzen; da es aber nicht immer in der-
gleichen Wagenkämpfen bey blofsen Scharmützeln oder Scheingefechten bheb,
sondern solche auch öfters auf Befehl des Raisers auf Leben und Tod giengen,
"j Organa uydraull
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